Ein Raunen ging durch die Branche, als die Firma Local Motors aus Phoenix, Arizona vor gut einem Jahr den Strati das erste Mal auf die Straße schickte. Viele der insgesamt nur 49 Komponenten des Fahrzeugs wie Chassis, Rahmen, Außenkarosserie und einige Teile des Interieurs waren innerhalb von 44 Stunden dem 3D-Drucker entsprungen. Die mechanischen Komponenten, elektrischer Antriebsstrang und Verkabelung stammten von Renaults Twizy. Doch welche Chancen hat diese Fertigungstechnologie in der Automobilindustrie?

Fragt man Local Motors, dann ergibt sich ein vollkommen neuer Ansatz. Ziel der Firma ist es, gemeinsam mit einer wachsenden Community aus Hobby-Innovatoren und professionellen Designern umweltfreundliche und nachhaltige Fahrzeuge zu entwickeln. Diese laufen zukünftig nicht vom Band, sondern werden kundennah in dezentralen, Micosites genannten Werkstätten montiert. Sogenannte BAAM (Big Area Added Manufacturing)-Maschinen, sechs mal zweieinhalb Meter lange und gut eineinhalb Meter hohe große Brüder von 3D-Druckern, fertigen vor Ort die benötigten Teile aus karbonfaserverstärktem ABS-Verbundmaterial mit einer Druckgeschwindigkeit von etwa 20 Kilogramm pro Stunde.

Kostenpunkt der Maschine: etwa eine Million Euro. Gearbeitet wird nach dem DDM (Direct Digital Manufacturing) Konzept, bei dem die Daten direkt aus dem Cloud-basierten CAD-Tool, in diesem Fall OnShape, an die Maschine geliefert werden. Fahrzeuge wie der Strati sollen zukünftig innerhalb von 24 Stunden gefertigt sein. Bei Verkauf durch Local Motors erhalten Entwickler je nach eingebrachtem Aufwand eine anteilige Vergütung.

Auf der Community-Seite im Web sind zahlreiche Wettbewerbe und Projekte zu finden. Bei der Urban Mobility Challenge: Berlin 2030 im Sommer dieses Jahres gewann eine Idee für einen smarten Elektro-Mini-Bus. Jüngster Coup neben der Entwicklung einer Fahrzeugplattform für elektrische Sportwägen wie den LM_SF_01 ist die Zusammenarbeit mit Universitäten zu autonomen Fahrzeugen. Die LoCo genannten Smart Karts dienen beispielsweise der Universität von Michigan dazu, Präferenzen und Erwartungen von Fahrern zu erforschen oder Routenplanungen für Flottenfahrzeuge und Anforderungen an die Logistik zu untersuchen. Getestet wird in Ann Arbors MCity, einem im Juli 2015 eröffneten, eigens für autonom fahrende Fahrzeuge eingerichteten, halbstaatlichen Testgelände, das bereits starkes Interesse seitens Apple geweckt hat. Doch nicht nur in den USA werden Schlagzeilen zum 3D-Druck im Automobilbereich gemacht.