Bis zum Erreichen der Endgeschwindigkeit wird die Transportkapsel über elektrisch angetriebene Räder beschleunigt, die von der Kunststofftechnikfirma Asma entwickelt und herstellt wurden. Trotz der hohen Geschwindigkeit können sie den Pod in der Spur halten, falls der Schwebezustand – der dank starker Permanentmagneten ab 100 Stundenkilometern in einem Zentimeter Höhe über dem Boden eintreten soll – nicht erreicht werden sollte. Verlangsamt wird über zwei Systeme. Zum einen mit einem Reibbremssystem, das bei Stromausfall zur Sicherheit automatisch aktiviert wird. Zum anderen kommen magnetisch gesteuerte Wirbelstrombremsen zum Einsatz.

Das zweiteilige Gleichstrom-Batteriesystem mit Lithium-Ionen-Zellen von Kokam kann zwei Minuten lang die volle Leistung bereitstellen und hält eine Stunde im Standby-Betrieb. Eine 0,9 Kilowattstunden starke Einheit versorgt bei einer Spannung von 450 Volt den elektrischen Antrieb von Kompressor und Rädern mit 60 Ampere. Eine zweite Batterie mit 48 Volt liefert 36,6 Ampere für die Elektronik. Deren Komponenten kommunizieren intern über einen Canbus. Über Positionssensoren von Leuze electronic wird sichergestellt, dass sich der Pod im erlaubten Bereich innerhalb der Transportröhre bewegt.

Besonders ausschlaggebend für die kurze Realisierungsphase war die Unterstützung des Makerspace von UnternehmerTUM, dem Innovations- und Gründerzentrum der TU München, wo das Team Zugriff auf alle Fertigungsmaschinen und einen speziellen Werkstattbereich zur Verfügung hatte. Getestet wurde der Pod unter vakuumähnlichen Zuständen mit Elektronenstrahlschweißmaschinen von Steigerwald. Die Räder wurden beim TÜV Süd einer separaten Prüfung unterzogen.

Prototyp eines Pods, Bild: WARR Hyperloop
Prototyp eines Pods für den Hyperloop: eine solche Kapsel soll Menschen in Zukunft in einer Röhre mit Überschallgeschwindigkeit von A nach B transportieren. Bild: WARR Hyperloop

Der Transport eines Pods – ohne Hyperloop

Der Transport zur 1,6 Kilometer langen SpaceX-Teststrecke nahe Los Angeles ist etwas verzwickt, da weder Magnete und Batterieeinheit, noch der als Militärgut eingestufte Kompressor per Flugzeug transportiert werden dürfen. Die Zeit spielt dem Team jedoch in die Hände. SpaceX hat den ursprünglich für Herbst 2016 anberaumten Testlauf auf Ende Januar 2017 verschoben.

Sollte nach erfolgreichem Test eine Ausgründung geplant sein, hat das Team der TU München, die ihre Forscher mit dem hauseigenen Netzwerk aus Professoren und Fachabteilungen unterstützt, beste Voraussetzungen. Denn die Universität verfügt mit UnternehmerTUM über eines der größten Innovations- und Gründerzentren Europas, das mit einem eigenen Venture Capital Fonds ausgestattet ist. Seit 1990 wurden aus der TUM rund 700 Unternehmen ausgegründet. Damit ist die Universität förderungsstärkste Hochschule in Deutschland.

Eine gute Gelegenheit für Firmen Innovation hautnah zu erfahren, wird in diesem Jahr der Tag der offenen Tür am 22. Oktober in Garching sein. Dort stellen sich 25 studentische Teams der TU mit ihren Projekten vor. Wer das WARR-Hyperloop-Team jetzt schon finanziell unterstützen möchte, kann dies auch über die Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo machen. jl

Vier Fragen an Dr. Peter Hunkel, Airbus Defence and Space

Dr. Peter Hunkel, VP, Head of Research & Technology Innovation, Airbus Defence and Space. Bild: Airbus

Wie wurden Sie auf das Projekt aufmerksam?

Die TU München und die Airbus Group inklusive Partner haben in der Vergangenheit bereits an mehreren Projekten zusammengearbeitet. Anfang Februar, kurz nachdem das WARR-Hyperloop-Team in Texas als Finalisten für den Wettbewerb ausgewählt wurde, setzten wir uns mit ihnen und der TUM in Verbindung.

In welchem Umfang haben Sie das WARR Team unterstützt?

Die Airbus Gruppe mit ihren Fachbereichen unterstützt weltweit verschiedenste Projekte dieser Art mit finanziellem und technischem Sponsoring. Im Falle des WARR-Teams haben wir uns für drei Arten der Unterstützung entschieden: Erstens mit finanziellen Mitteln. Zweitens standen Experten der Airbus Gruppe allgemein und von Airbus Defence und Space dem Team als Wissensträger zur Verfügung. Es gab dabei kein spezielles Team, vielmehr wurden Fragen bei Bedarf ad hoc von einer Handvoll Experten beantwortet, die das Design und die Technik des Pods überprüften. Drittens haben wir dem WARR-Team unsere Testeinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Welche Erkenntnisse haben Sie bisher aus dem Projekt mitgenommen?

Wir sehen die Unterstützung des WARR-Teams bei dem Hyperloop-Pod-Wettbewerb genau wie bei ähnlichen Sponsorships und technischen Partnerschaften in der grundsätzlichen Förderung von Innovation und von Projekten, die neue Technologien erforschen. Die Intention ist daher nicht, die Technologie oder die innovativen Konzepte, die das WARR-Team entwickelt, in das Kerngeschäft der Airbus Gruppe oder einzelne Bereiche zu integrieren. Allerdings hat uns unser Engagement bei diesem Projekt erneut gezeigt, wie wichtig es für die Airbus Gruppe und ihre Bereiche ist und bleibt, eine proaktive Rolle im Startup-Ecosystem einzunehmen. Denn die Studenten, die wir heute bei ihren innovativen Startup-Ideen unterstützen, könnten zukünftig als Ingenieure und Experten innerhalb der Airbus Gruppe arbeiten, um die nächste Generation von Technologien und Kons-truktionen für die Luft- und Raumfahrt zu entwickeln.

Arbeitet die Airbus Gruppe aktuell an eigenen Entwicklungsprojekten, die dem Hyperloop-Konzept ähnlich sind oder die zukünftig sogar damit in Konkurrenz treten könnten?

Nein, das tun wir nicht. Unser Kerngeschäft bleibt die Luft- und Raumfahrt. Einige Technologien, die innerhalb des Hyperloop-Konzepts realisiert werden könnten, wie beispielsweise der Elektroantrieb, sind bereits Kernbereiche der Forschung und Entwicklung innerhalb der Airbus Gruppe. Hier ist das Anschauungsflugzeug der Airbus Gruppe mit E-Fan-Technologie zu nennen, das bereits mit vollelektrischer Ausstattung geflogen und jetzt auch mit Hybrid-Antrieb ausgestattet wurde.

Die Fragen stellte Britta Muzyk, freie Autorin für ke NEXT