(v.li.) MWK-Abteilungsleiter Carsten Mühlenmeier, TU-Präsident Professor Jürgen Hesselbach,

(v.li.) MWK-Abteilungsleiter Carsten Mühlenmeier, TU-Präsident Professor Jürgen Hesselbach, Renate Müller-Steinweg vom Staatlichen Baumanagemen und IFAS-Leiter Professor Jens Friedrichs bei der Eröffnung des Prüfstands.

Flugzeugantriebe der nächsten Generation. Die will das Institut für Flugantriebe und Strömungsmaschinen (IFAS) mit seinem neuen Prüfstand entwickeln. Der umweltfreundliche Windkanal in Braunschweig ist in seiner Art in den westlichen Forschungs- und Industrienationen einzigartig.

Der so genannte Propulsor-Prüfstand dient der Erforschung derjenigen Flugantriebskomponenten, die den Schub zum Fliegen erzeugen. Ziel ist es, die Grundlagen für Flugzeugantriebe der nächsten Generationen zu verbessern. Damit sollen Flugantrieben effizienter und leiser werden. Professor Jens Friedrichs und sein Team am Institut für Flugantriebe und Strömungsmaschinen wollen untersuchen, wie Triebwerke und Propeller der Zukunft gestaltet und in Flugzeuge integriert werden müssen, um den Verbrauch und die Emissionen in der Luftfahrt weiter deutlich zu reduzieren.

Ganz ohne Kerosin forschen

„Einen solchen Prüfstand gibt es in dieser Form zumindest in der westlichen Welt nur bei uns am Campus Forschungsflughafen in Braunschweig“, erläutert Friedrichs. Allein seine Planung habe knapp zwei Jahre gedauert. Untersuchungen, wie sie ab jetzt in Braunschweig durchgeführt werden können, waren bisher nur in sehr großen Windkanälen beziehungsweise mit realen Triebwerken möglich. Beides kostet sehr viel Geld und findet typischerweise sehr spät in einer Technologieentwicklung statt.

Umweltverträglichkeit ist dabei nicht nur ein Forschungsziel, sondern auch eine Eigenschaft des Prüfstands selbst. „Weil hier nur der so genannte kalte Triebwerksstrahl untersucht wird, wird dazu kein Kerosin benötigt. Wir können das Triebwerk umweltfreundlich mit Strom betreiben.“ 3,5 Megawatt werden jeweils im Betrieb benötigt. Das entspricht etwa der Leistung einer Windkraftanlage. Davon entfallen etwa zwei Megawatt auf den Antrieb des Propulsors und knapp 1,5 Megawatt auf den Windkanal.

Breite Forschungsausstattung

Sechs Millionen Euro wurden in den Propulsor-Prüfstand, der eigens ein neues Gebäude erhielt, investiert. Mit dem bereits in Betrieb gegangenen Mehrphasen-Vereisungskanal, der Multipanel-Testanlage, der Beschichtungsanlage und dem großen Wasserkanal macht er die insgesamt sehr gute Forschungsausstattung am NFL aus.

„Gerade in der Luftfahrt bündeln wir hier mit den Stärken der TU Braunschweig, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Mitgliedsinstitute aus der Leibnitz-Universität Hannover eine fachlich hervorragende Kompetenz und bieten hervorragende experimentelle Möglichkeiten“, erläutert Professor Jürgen Hesselbach, Präsident der TU Braunschweig. Neben der Luftfahrttechnik ist die Fahrzeug- und Verkehrstechnik eine Kernkompetenz der TU Braunschweig, die ihre Aktivitäten rund um das Thema Mobilität seit Jahren erfolgreich bündelt.

Fakten zum Prüfstand im Überblick:

  • Das neue Gebäude ist mit seinen Abmessungen von 50m x 18m x 12m die Hülle für einen Windkanal.
  • In dem Windkanal wird die „schuberzeugende Komponente“ des Triebwerksinstalliert, der sogenannte Propulsor, erforscht.
  • Die Gesamtantriebsleistung des Prüfstands liegt bei ca. 3,5 Megawatt.
  • Der jeweils untersuchte Propulsor kann einen Durchmesser von 70 Zentimetern haben.
  • Der Prüfstand wird also nicht mit „echten“ Propulsoren bestückt, sondern mit kleineren, für die Grundlagenforschung entwickelten Modellen.
  • Die Kosten für den Prüfstand betragen 6 Millionen Euro und wurden im Forschungsbauprogramm des Bundes und der Länder als Teil des Forschungsbaus Niedersächsisches Forschungszentrum für Luftfahrt“ eingeworben.
  • Bauherr ist das Staatliche Baumanagement Braunschweig. Die Planung dauerte zwei Jahre, der Bau selbst wurde in ebenfalls zwei Jahren fertig gestellt.

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