Die schnellere Eingriffsgeschwindigkeit der automatischen Lenksysteme kombiniert mit einem RTK-Korrektursignal ermöglicht auch einen Einsatz in Reihenkulturen oder im Versuchswesen die automatisierte Anlage von Parzellen. Besonders die Arbeit mit aufgesattelten oder angehängten Geräten am Hang erfordert zusätzlich noch eine GPS-Empfangseinheit auf dem Gerät. So kann die Position des Gerätes erfasst und durch den Schlepper ausgeglichen beziehungsweise durch eine aktive Lenkung des Gerätes auf der Ideallinie geführt werden.

Eine wesentliche Motivation für den Einsatz von manuellen oder automatischen Lenksystemen ist die Reduktion von Überlappungen auf ein Minimum und die Vermeidung von Fehlstellen. Praxiserhebungen haben gezeigt, dass Überlappungen bei der Bodenbearbeitung von vier bis zehn Prozent oder beim Anlegen von Fahrgassen von drei bis vier Prozent üblich sind.

Nachfolgende Tabelle geht von einer Überlappung von vier Prozent beim Anlegen der Fahrgassen aus:

 
  ohne Lenkhilfe manuelle Lenkhilfe automatisches Lenksystem
Überlappung [%] 4 0,92 0,2
Überlappung [m] 0,95 0,22 0,048
ges. Fläche durch Überlappung [ha] 1040 1009,2 1002

 

Die zu viel bearbeitete Fläche wird in dem genannten Beispiel um 40 Hektar also um 3,8 Prozent reduziert, wenn man 1000 ha Ausgangsfläche zugrunde legt. Jede Bewirtschaftungsmaßnahme (erste bis vierte Stickstoff-Düngung und die fünfte bis siebte Überfahrten für den Pflanzenschutz) kommen in den Genuss der exakten Fahrgassen und der Mittelaufwand wird in gleicher Größe pro Überfahrt reduziert.

Die in eigenen Versuchen ermittelten notwendigen Einsatzflächen für ein Lenksystem betragen etwa 120 Hektar für eine manuelle Parallelführung und 450 Hektar für ein automatisches Lenksystem. Die Einsparpotentiale im Ackerbau sind besonders beim Anlegen der Fahrgasse bei der Aussaat oder bei der ersten Pflanzenschutzmaßnahme nach dem Auflaufen sinnvoll.

Insgesamt führt der Einsatz von Lenksystemen zu einer effizienteren Ausnutzung der Maschinen, was sich einer Reduktion der Terminkosten niederschlägt. Unter Terminkosten werden die Kosten verstanden, die durch die verspätete Durchführung von Maßnahmen, insbesondere der Aussaat, entstehen. Bei einer angenommenen Steigerung der Schlagkraft von fünf bis zehn Prozent durch den Einsatz von Lenksystemen können auf einem 1000-Hektar-Betrieb in der gleichen Zeit 50 Hektar bis 100 Hektar mehr bestellt werden. Im Falle einer Verschlechterung der Witterungsbedingungen kann die entsprechende Fläche ohne Einsatz von Lenksystem unter Umständen erst später, zu einem suboptimalen Termin, gesät werden, so dass durch die Verkürzung der Vegetationsperiode Mindererträge zu erwarten sind.

Automatische Lenksysteme. Bild: FH Kiel
Einsparpotentiale automatischer Lenksysteme für verschiedene Bewirtschaftungsmaßnahmen und Betriebsgrößen. Bild: FH Kiel

Fazit

Bild: FH Kiel
Exaktes Anschlussfahren erhöht die Auslastung bei jedem Arbeitsgang. Bild: FH Kiel

Der Einsatz von Lenksystemen in der Landwirtschaft lohnt sich für jeden Betrieb. Besonders das Arbeiten ohne Fahrgassen oder bei schlechten Sichtbedingungen kann bereits mit manuellen Lenkhilfen eine deutlich bessere Maschinenauslastung mit sich bringen. Auch die verbesserte Wirkung der Betriebsmittel ist nicht zu vernachlässigen. Die so erreichte Effizienzsteigerung führt zu weiteren Einsparungen. Automatische Assistenz- und Lenksysteme sind mit hochgenauen Korrektursignalen um ein vielfaches genauer als manuelle Systeme und eignen sich daher zum Anlegen von Fahrgassen bei der Aussaat.

Der Vorteil der RTK-Korrekturdaten liegt in der hohen Genauigkeit (Spur zu Spur und Absolut) und damit der Wiederholbarkeit von Jahr zu Jahr. Damit werden neue Strategien in der Bewirtschaftung, wie das Controlled Traffic Farming oder das Strip Tillage, erst möglich. Diese Systeme sind mittlerweile auch ohne zusätzliche Investitionskosten nutzbar indem auf existierende Korrekturdienstnetzwerke (AxioNet, Geo-Konzept, Lohnunternehmerverband/Bauernverband S-H, Trimble VRSNow) zurückgegriffen werden kann. Auch hierfür fallen Lizenzgebühren für die Nutzung an, allerdings sind diese kaum höher als für die satellitengestützten Systeme. Der Vorteil der RTK-Netzwerkkorrekturdaten ist jedoch auch hier die höhere Genauigkeit von Jahr zu Jahr.

In Zeiten steigender Betriebsmittelpreise ist der Einsatz von Lenksystemen eine weitere Möglichkeit zur Reduktion des Aufwandes. Dieser ist zudem auch leicht messbar, da er nach jeder Bewirtschaftungsmaßnahe nachzuweisen ist und den Geldbeutel und die Umwelt entlastet.