Am 10. Mai 2015 hatte TBM Elizabeth, die Schwestermaschine von Victoria, Durchbruch. Gemeinsam haben

Am 10. Mai 2015 hatte TBM Elizabeth, die Schwestermaschine von Victoria, Durchbruch. Gemeinsam haben die beiden EPB-Schilde die 8,3 Kilometer lange Zwillingsröhre von Limmo Peninsula bis Farringdon aufgefahren. Auf ihrem Weg durchfuhren sie die Canary Wharf station box, Stepney Green shaft, Whitechapel station und Liverpool Street station (Bild: Herrenknecht).

London ist die eigentliche Wiege des modernen Tunnelbaus. Hier begann 1825 die erste erfolgreiche Flussunterquerung mithilfe einer mechanischen Vortriebskonstruktion. Um dem sandig weichen Boden unter der Themse Herr zu werden, entwarf der Architekt Marc Brunel mit seinem Sohn Isambard Kingdom Brunel ein spezielles Stahlgerüst. In dessen Schutz gruben Arbeiter den Tunnel, während gleich dahinter Maurer die Wände mit Ziegeln verstärkten. Das war die Geburtsstunde der Schildvortriebsmaschine. Bis zur Fertigstellung des Themse-Tunnel brauchte es 18 Jahre – damals eine außerordentliche Pionierleistung.

Das Prinzip, in weichen Böden die Ortsbrust abzustützen und im Schutz eines Schildes den Tunnel auszubauen, ist geblieben. Doch bohren sich heutzutage Tunnelvortriebsmaschinen mit Durchmessern von bis zu 19 Metern durch das Erdreich. Mit moderner Vortriebstechnik entstehen so Pionierbauwerke ganz anderer Dimension, wie das Crossrail-Projekt in London. Der dreijährige Tunnelbaumarathon wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen.

Mit dem Durchbruch der auf den Namen „Victoria“ getauften Herrenknecht Tunnelbohrmaschine (TBM) am 23. Mai schreibt London erneut Tunnelbaugeschichte. Victoria ist die letzte von acht TBM, die gemeinsam 42 Kilometer mitten durch das Herz von London gegraben haben. Das Team aus Victoria, Elizabeth, Phyllis, Ada, Jessica, Ellie, Sophia und Mary hat dabei enorm Tempo gemacht.

Bei der offiziellen Durchbruchsfeier am 4. Juni sagte Großbritanniens Premier Minister David Cameron: „Crossrail stellt eine ingenieurstechnische Höchstleistung dar, die dazu beitragen wird, die Lebensqualität der berufstätigen Bevölkerung in London und den umliegenden Gebieten zu verbessern.“

Unter Fluss und Stadt

David Cameron vor Tunnelbohrmaschine und Arbeitern
Der britische Premier Minister David Cameron zeigt sich bei der offiziellen Durchbruchsfeier am 4. Juni 2015 zeigt sich von der Arbeit der Ingenieure beeindruckt (Bild: Herrenknecht).

Crossrail bildet eine neue West-Ost-Verbindung durch die acht-Millionen-Einwohner-Metropole. Fünf zweiröhrige Tunnel von insgesamt 21 Kilometern Länge mit zehn neuen Stationen verbinden die vorhandenen Ost- und Westlondoner Bahnnetzte. Die neue Bahnstrecke wird sich von Reading und Heathrow im Westen durch das Londoner Zentrum bis nach Shenfield und Abbey Wood im Osten erstrecken.

Der Bauherr hatte drei Joint Ventures mit dem Bau der fünf Tunnelabschnitte beauftragt; die Technologie lieferte Herrenknecht. Das Unternehmen lieferte sechs Erddruckschilde für den Bau der Eastern- und Western Tunnels durch Londoner Ton, Sand und Kies. Zwei Mixschilde fuhren den Thames Tunnel bis zu 15 Meter tief unter dem Flussbett auf.

Das Projekt schafft eine neue 118 Kilometer lange Bahnverbindung von Reading und Heathrow im Westen über das Londoner Zentrum  bis nach Shenfield und Abbey Wood im Osten. Die Strecke verbindet 40 Stationen, zehn davon sind neu. Die Fahrzeit von London Heathrow bis zum Finanzzentrum in der Londoner City (Liverpool Street) verkürzt sich von 55 auf 32 Minuten. Es wird mit 200 Millionen Passagieren im Jahr gerechnet.

Crossrail in Zahlen

Die Tunnelbohrmaschinen bahnten sich bis zu 40 Meter tief ihren Weg unter einigen der teuersten Immobilien der Welt, vorbei an vorhandenen Metrolinien, Abwasser-, Ver- und Entsorgungskanälen sowie Gebäudefundamenten. Die Maschinen mit einem Schilddurchmesser von 7,08 Metern sind 147 Meter lang, wiegen bis zu 1100 Tonnen und haben eine Antriebsleistung von bis zu 1920 Kilowatt. Für die zielgenaue Steuerung waren alle acht Maschinen mit Navigationssystemen der Herrenknecht-Tochter VMT ausgestattet.

Betrieben von maximal 20 Mann pro Schicht – zwölf Mann auf der TBM, acht auf dem Nachläufer und über Tage – fuhren die Maschinen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Sie erreichten Vortriebswerte von bis zu 72 Metern (45 Tübbingringen) am Tag. do