Die größte Baumaschinenmesse der Welt, die Bauma in München, ist vorbei. Fazit: Viele Geschäfte wurden gemacht, Kunden, Anwender und Hersteller aus allen Teilen der Erde haben sich ausgetauscht und Tausende von privat Interessierten hatten die Gelegenheit, atemberaubende Megamaschinen aus nächster Nähe zu bewundern. Wir laden Sie hier noch einmal zu einem kleinen Rundgang zu den größten Highlights ein, bei denen natürlich auch die Hydraulik eine große Rolle spielt.

Unser Bauma-Tag ist der Eröffnungstag: Montag, bestes Wetter – die Sonne scheint. Schon in der Münchner U-Bahn kann man die Bauma-Besucher eindeutig ausmachen. Männer mit auffällig erwartungs­frohen Gesichtern, sehr viele Vater-Sohn-Gespanne in karierten Hemden neben Businessmen im eleganten Anzug – alle unterwegs zur Messestadt. Wer heute kommt, ist entweder geschäftlich dort oder hat sich extra Urlaub genommen, um dem Massenansturm am Wochenende zuvorzukommen. In der Tat sind die Hallen sehr gut besucht, aber es gibt noch kein unangenehmes Gedränge. Die Illusion indes, sich auch nur einen ernstzunehmenden Bruchteil des Angebotes wirklich ansehen zu können, gibt auch der Hoffnungsfroheste trotzdem nach spätestens einer halben Stunde auf. Das Gelände umfasst 570.000 Quadratmeter – 15.000 mehr als bei der letzten Bauma vor drei Jahren. Ein durchschnittliches bayerisches Dorf würde da dreimal hineinpassen. Im Freigelände fährt deswegen auch eine eigens eingerichtete Buslinie alle 10 Minuten die Straßen ab und transportiert diejenigen Besucher, die nicht so weit laufen möchten, von einem Ausstellungsblock zum nächsten.

Viele der Gebäude und Zufahrtsstraßen auf dem Gelände wurden eigens für die Bauma gebaut. Als dann der Aufbau der eigentlichen Ausstellungsfahrzeuge begann, kam es schon im Vorfeld überall im Einzugsgebiet der Messe zu aufsehenerregenden Szenen mit begeistertem Publikum. Die zum Teil enorm dimensionierten Exponate wurden nach Abschluss der Vorarbeiten im Gelände nächstens in lackschonenden schweren Plastikplanen verpackt und oft unter Polizeischutz auf insgesamt rund 500 Schwerlasttransportern am Messegelände angeliefert und dort tagsüber mit Kranen und anderen Hilfsfahrzeugen aufgestellt. Fast ein halbes Jahr hat der gesamte Aufbau gedauert.

T 264 - Liebherr

Das Prunkstück und ultimativer Publikums­magnet aus der Liebherr-Kollektion ist sicher der T 264 gewesen.

Fokus: Megamaschinen im Bergbaubereich

Wir steuern das Freigelände an, denn da sind die wirklich dicken Brummer zu erwarten. Unweigerlich ist das Erste, was man sieht, wenn man aus der Halle 6 herauskommt und das Freigelände betritt, der Monster-Muldenkipper von Liebherr – der Mining Truck T 264. Damit setzt Liebherr, bewusst oder unbewusst, ein Zeichen, das symbolisch sowohl für die Abmessungen der Bergbaumaschinen selber als auch deren Marktbedeutung gilt: groß.

Seit 2007 ist der Umsatz der Bergbaumaschinenhersteller im Fachverband Bergbaumaschinen im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) jährlich um durchschnittlich 13 Prozent gestiegen. Die Exportquote der deutschen Branche liegt bei 92 Prozent. Allein im Jahr 2012 wurden Maschinen im Wert von 5,33 Milliarden Euro exportiert. Diese Zahlen sind kein Zufall. Deutschland hat Rohstoffpartnerschaften mit der Mongolei und Kasachstan abgeschlossen, um einerseits die Rohstoffversorgung Deutschlands abzusichern, und andererseits gleichzeitig den Maschinenabsatz in diesen Ländern zu stärken. Ähnliche Abkommen mit Australien, Chile und Kanada sind geplant.

Mittel- bis langfristig stehen die Zeichen für die Bergbaumaschinenhersteller also klar auf Wachstum. Insbesondere in Brasilien, Russland, Indien und China beginnt sich eine immer größer werdende kaufkräftige und konsumfreudige Mittelschicht zu bilden. Um diese, sowie die weiterhin stark wachsende Weltbevölkerung zu versorgen, steigt der Bedarf an Rohstoffen. Davon werden die Hersteller von Bergbaumaschinen allgemein weiter profitieren.

Downsizing auf hohem Niveau

Zurück zum T 264. Mit Reifen, die doppelt so hoch sind wie der Fahrer lang und pro Stück 23.000 Euro kosten, einer Aufstiegstreppe zur Führerkabine, auf der man eine durchschnittliche Belegschaft unterbrächte sowie seinem 2500 PS starken Motor könnte er einem oberflächlichen Betrachter vielleicht als enorme Klotzerei erscheinen. In Wahrheit ist er aber das Ergebnis von massivem Downsizing: Zwar erreicht der T264 mit seiner maximalen Nutzlast von 218 Tonnen bei einem Leergewicht von 167 Tonnen ein maximales Einsatzgewicht von 385 Tonnen, aber sein Vorgänger und großer Bruder, der T282 wartete mit 4000 PS und einem Gewicht von 600 Tonnen auf. Mit dem T 264 ist Liebherr zur 220-Tonnen-Klasse zurückgekehrt, um Synergien mit der Produktlinie der Miningbagger zu ermöglichen. Er passt größenmäßig und im Hinblick auf eine optimale Leistungsfähigkeit zu den Liebherr-Miningbaggern R 996 B und R 9800 sowie zu Elektrobaggern und Radladern. Understatement a la Liebherr in der Dickschiffklasse also.

bauma

Die Autorin hatte viel Spaß auf der Bauma und kam sich trotz beachtlicher Körpergröße gelegentlich auch mal wirklich klein vor.

Die Anforderungen im Bergbaubetrieb sind hoch: Harter Mehrschichtbetrieb bei maximaler Tagesförderleistung, schwerste Beladung, Geländeeinsatz und hohe Staubbelastung. Miningfahrzeuge müssen deshalb sehr robust sein, eine hohe Nutzlast aufweisen, über kraftvolle Motoren verfügen und zugleich mit wirtschaftlichem Betrieb überzeugen. Die Größe der Fahrzeugflotte eines Tagebaues liegt meist nur im unteren zweistelligen Bereich. Die Fahrzeuge laufen in der Regel 24 Stunden täglich. Ein Ausfall eines oder mehrerer Fahrzeuge hat daher große Auswirkungen auf die Förderleistung eines Bergwerks. Deshalb wird bei der Entwicklung von Miningfahrzeugen großes Gewicht auf hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit bei gleichzeitiger Reduktion der Betriebs­kosten gelegt. Alle Elemente des Fahrzeugs wurden daher auf weitgehende Wartungsfreiheit hin gestaltet. Der treibstoffsparende Muldenkipper T 264 ist auf Sicherheit und Zuverlässigkeit ausgelegt. Sein 4920 Liter fassende Dieseltank ermöglicht je nach Einsatz eine ununterbrochene Betriebszeit von 24 Stunden.

Wo ein Muldenkipper ist, ist ein Bagger nicht weit

Ein besonders großes und beeindruckendes Exemplar von Hydraulikbagger steht in der Caterpillar-Halle B6, direkt am Rande des Freigeländes. Zahl­lose Besucher haben sich oder gleich ihr ganzes Team in der zwei Tonnen schweren und zwölf Kubikmeter fassenden Schaufel stehend fotografieren lassen, denn es geht um Abmessungen, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Macht man da kein Foto, glaubt einem das hinterher womöglich keiner.

Beim ersten Betreten der Caterpillar-Halle kann man den Koloss ironischer weise erst mal sogar übersehen. Der in weitem Bogen aufragende Arm ist an seiner höchsten Stelle so weit von der am Boden abgesetzten Schaufel entfernt, dass man schon zwei Blicke, am besten aus einiger Entfernung, riskieren muss, um zu erkennen, dass das alles zu einer einzigen Maschine gehört.

Diese Maschine wurde komplett neu entwickelt, es ist also kein Facelift einer bereits vorhandenen Serie. In Gesprächen mit Anwendern und Entscheidern hat Caterpillar Input gesammelt, um den Miningbagger sozusagen maßgeschneidert zu entwerfen. Das Ergebnis ist ein Hydraulikbagger, motorisiert mit einem Caterpillar C32 Motor der 787 kW leistet und die größte aller ausgestellten Cat-Maschinen geworden ist. Ihr Transport vom Werk in Dortmund bis zur Messe nach München benötigte acht Tieflader und der Aufbau in der Ausstellungshalle beschäftigte ein sechsköpfiges Team zehn Tage lang – allein vier Manntage dauerte die Installa­tion der Schutzgeländer.

Der Unterwagen samt Raupenketten bringt 76 Tonnen auf die Waage, so dass für die exakte Platzierung in der Halle zwei Autokräne vorfuhren. Insgesamt wiegt das gute Stück 220 Tonnen bei einer Nutzlast von 20 Tonnen. Unter Maximallast von 350 bar fließen 2350 Liter Hydraulikflüssigkeit durch das System. Damit erreicht die Baggerschaufel eine Leistung von 665 kN. Ganz allgemein gesprochen gilt aber auch: Wo viel Leitung anliegt, entsteht in der Regel auch viel Abgas.

Emissionseinsparung als roter Faden

Ein großes Thema auf der Bauma war immer wieder die ‚Einhaltung der Emissionseinsparungsnormen‘ und damit auch die Kraftstoffeinsparung. Die internationalen Abgasnormen treiben die Entwickler dazu an, Antriebe zu entwickeln, deren Rußpartikel- und Stickstoffemissionen gegenüber den Vormodellen drastisch sinken.

Bei den Nutzfahrzeugen gilt die Euro-6-Norm, nach der Abgase von Nutzfahrzeugen gegenüber der vorhergehenden Norm um 80 bis 90 Prozent weiter reduziert werden müssen. Für die Baumaschinen gelten moderatere Grenzwerte nach den EU-Emissionsrichtlinie Stufe III B, ab 2014 der Stufe IV, aber auch hier sind intensive Überarbeitungen der Modelle nötig. Dabei werden die Konstrukteure zum Teil mit dem Widerspruch konfrontiert, dass ein schadstoff­armes Verbrennungsverfahren oft einen erhöhten Kraftstoffverbrauch hervorruft. Die zunehmende Verschärfung der Grenzwerte verstärkt diesen ökologischen Konflikt. In vielen Fällen läuft es auf eine nachmotorische Abgasbehandlung hinaus. Diese ist allerdings in der Regel nicht als Standardlösung machbar, da jede Anwendung unterschiedliche Gegebenheiten mit sich bringt. Deshalb definieren die Hersteller Betriebsbedingungen, etwa Abgastemperaturen, um einerseits den Reinigungsprozess des Filters in Abhängigkeit von der Rußbeladung und andererseits die Harnstoffdosierung zur Stickoxidminderung – je nach Motorleistung – zu ermöglichen.
Bei unterschiedlichen Einsatzsituationen sind diese Betriebsbedingungen nicht immer durchgehend gegeben, so dass Verfahren zur aktiven Regeneration zum Einsatz kommen müssen. In dem Fall erzeugen Abgassysteme die benötigte Temperatur selbst. Dabei wird die Abgastemperatur entweder durch einen Flammenbrenner oder eine Kombination aus Flammenbrenner und katalytischem Brenner eingestellt. Ein kompliziertes und teureres Verfahren. Andere Entwicklungen zeichnen sich aber ebenfalls ab.

Antransport der Exponate

Antransport der Exponate: Mit insgesamt rund 500 Schwerlasttransporten wurden die Einzelteile der Megamaschinen angeliefert.

Hybridtechnik auf vorsichtigem Vormarsch

Sowohl Caterpillar als auch Liebherr nutzen zur Kraftstoffein­sparung bei ihren großen Baggern ein System der Energiespeicherung und Reaktivierung. Der Hybridbagger 336E H von Caterpillar speichert beispielsweise die kinetische Energie des abgebremsten Oberwagens in einem Druckspeicher und nutzt sie dann zum erneuten Drehen. Das technisch sehr anspruchsvolle Wiederein­leiten der hydraulischen Energie spart nach Angaben von Caterpillar rund 25 Prozent Sprit.

Auch Liebherr hat für seinen Hydroseilbagger HS 8300 HD eine Hybridlösung auf Hydraulikbasis gefunden. Die bewährte Technik der hydraulischen Speicherung garantiert dabei einen geringen Wartungsaufwand und damit eine hohe Zuverlässigkeit bei extrem hoher Leistungsdichte. Grundsätzlich hatten es Hybrid­antriebe dabei aber in der Vergangenheit schon bei den Pkws schwer, sich ernsthaft durchzusetzen – bei den Riesenmaschinen mit ihrer geringen Stückzahl und hoher Lebensdauer darf man insgesamt nur eine vorsichtige Entwicklung erwarten. Aber: Nach der Bauma ist vor der Bauma, und die Baumaschinenbranche arbeitet zur Hybridtechnologie an vielen Innovationen, die 2016 auf der nächsten Bauma vorgestellt werden dürften. Eine Innovation, die auf einem Festakt vor Öffnung der Bauma in der Münchener Residenz mit dem Bauma-Innovationspreis 2013 ausgezeichnet wurde, und einen weiteren Riesen darstellt, befördert ebenfalls den weiteren Ausbau der regenerativen Energiegewinnung und den Umweltschutz: Die Max Bögl Bauunternehmung hat zusammen mit der Firma Liebherr ein Verfahren entwickelt, Windkrafträder mit einer Nabenhöhe von bis zu 150 Metern mithilfe eines selbstkletternden Turmdrehkrans zu errichten oder rückzubauen.

So entfallen schwere Raupenkrane und die dazugehörigen Schwertransporte. Auch der Platzbedarf reduziert sich gegenüber herkömmlichen Methoden auf fast ein Drittel. Windkraftanlagen in Schwachwindgebieten sind in der Regel nicht Bestandteile großer Windparks, sondern werden in Waldgebieten oder schwer zugänglichen Gebieten errichtet. Für solche Lagen bietet die Anwendung dieses Turmdrehkrans besondere Vorteile. Zum einen werden im An- und Abtransport auf oftmals nicht speziell befestigten Wegen keine Transportfahrzeuge mit Sondergenehmigungen benötigt, und zum anderen ist die Montage des Krans und der Windkraftanlage auf vergleichsweise kleiner Fläche möglich.

Die Neumarkter Firma Bögl mit 80 jähriger Firmenhistorie ist bislang schwerpunktmäßig in allen Bereichen und Schwierigkeitsgraden des modernen Bauwesens heimisch gewesen – vom Hochbau und Verkehrswegebau über den Ingenieurbau und Tunnelbau bis hin zum Stahl- und Anlagenbau, dem Fertigteilbau sowie der Ver- und Entsorgung. In Zukunft will man sich aber verstärkt damit beschäftigen, auch regenerative Energien effizienter und interessanter werden zu lassen, also zum Beispiel auch die Errichtung von Windkraftanlagen in Schwachwindgebieten. Der Mangel an Wind beispielsweise gegenüber Offshoreparks lässt sich durch eine besonders große Höhe des Turms kompensieren, so dass mit dem neuen Verfahren auch in diesen Gegenden die regenerative Energiegewinnung schneller vorangetrieben werden kann.

Nach all diesen Informationen, Superlativen und bestaunenswerten Entwicklungen ist auch ein neugieriger und hartgesottener Bauma-Besucher reif für eine Stärkung. Mitten im Freigelände über die gesperrte Paul-Henri-Spaak-Straße lustwandeln und in dem verlockend nach Braten duftenden Miniaturbiergarten niedersinken, eine Bratensemmel und ein kühles Bier vor sich versammeln und gegen die Sonne nach oben blinzeln, wo sich wagemutige Pressevertreter an einem Kran 50 Meter haben in die Höhe ziehen lassen und nun über der Bauma schweben, das wäre es jetzt. Gedacht, getan. Auf der Bauma werden eben nicht nur Technik-Träume wahr.

Autor: Ragna Sonderleittner, freie Journalistin für fluid