Tropical Islands: Von der Luftschiff- zur Freizeithalle 1

“Entdecken Sie ein Stück der Tropen auf 66.000 Quadratmetern.” Das lässt sich hören. Die Besucher reiben sich staunend die Augen. Auf einer Fläche von acht Fußballfeldern erleben sie mitten im Winter Traumtemperaturen von 26 Grad, den größten Indoor-Regenwald der Welt, Europas größte tropische Sauna-Landschaft und nachgestellte Südsee mit 200 Metern Sandstrand. 70 Kilometer südlich von Berlin-Mitte ist auf flachem Land eine Erlebniswelt der ganz besonderen Art geschaffen worden.

Freilich waren die Wege ein wenig verschlungen, bis die Besucher in 55 Meter Höhe in einem Ballon über dem Regenwald schweben, Schildkröten im Mangrovensumpf beobachten, entspannt in der Bali-Lagune liegen oder sich vom Wasserrutschen-Turm in rasender Schussfahrt ins gar nicht so kühle Nass stürzen konnten. Und zwar  ganzjährig rund um die Uhr. Auch von außen ist der Eindruck stark, denn die stützenfreie Halle mit ihren Statik-Elementen mutet an wie ein in die Landschaft herabgeschwebtes Ufo, zugleich gigantisch und filigran.

Ursprünglich sollte alles ganz anders sein. Die Vision des Gründers Carl von Gablenz war ein auf Helium-Luftschiffen basierendes globales Transportsystem für Schwerlasten. Point-to-point zu beliebigen Bestimmungsorten kreuzend sollte das Flaggschiff, der CL 160, mit einer Länge von 260 Metern und einem Durchmesser von 65 Metern, in Serie gehen. Imponierend muten auch die angestrebten Flugleistungen an: Reichweite 10.000 km bei einer maximalen Flughöhe von 2000 Metern und einem Volumen des Flugkörpers von 550.000 m³. Die Nutzlast dieses fliegenden Krans sollte 160 Tonnen betragen bei einem Gesamtgewicht von 480 Tonnen. Zum Vergleich: Das ist um ein Drittel mehr als ein vollbeladener Jumbo-Jet.

Luftschiff CL 160, Bild:
2013 sollten 50 solcher fliegenden Kraftprotze weltweit im Einsatz sein, doch der CL 160 blieb nur ein Modell.

Das geplante Top-Modell der CargoLifter AG protzte mit nie da gewesenen Dimensionen. Allein der Laderahmen dieses ersten Großluftschiffs seit 60 Jahren hat Abmessungen von 50 m x 8 m x 8 m. Im Modell wird das Transportgut über Seilwinden und am Boden verankerte Haltepunkte heraufgezogen und am Zielpunkt wieder herabgelassen. Um Gesamtgewicht und Flugeigenschaften in der Balance zu halten, wird die Fracht bei Bedarf gegen Ballastwasser ausgetauscht. Vor zehn Jahren schossen die Pläne optimistisch ins Kraut und zeichneten sich Lösungen für die kniffligsten Beförderungen durch die Luft ab. Um das Jahr 2013, war damals zu lesen, sollten mindestens 50 solcher fliegenden Kraftprotze weltweit im Einsatz sein.

Mit vier Antriebsmotoren ausgestattet, die zusammen 8200 PS auf die Propeller von je 6,5 Meter Durchmesser bringen, wurde den schwebenden High-Tech-Zigarren eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometer zugetraut. Als Spritverbrauch waren 4,5 Liter pro Kilometer angesetzt. Für die Lastaufnahme und das Absetzverfahren kam eine kurzfristig verfügbare Spitzenleistung von bis zu 24.500 PS ins Gespräch.

Neues Spiel, neues Glück in Brand

Familie im Sand im Tropical Island, Bild: Tropical Island
Im Tropical Islands lassen sich Sandburgen ohne das Risiko bauen, dass die Flut wieder alles kaputt macht. Bild: Tropical Island

Marktstudien des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen und der Universitäten in Frankfurt und Mainz bescheinigten diesem Mammut-Projekt ein riesiges Potenzial. Vor allem der Maschinen- und Anlagenbau, das Bauwesen, der Automobilbau, die Offshore-Branche sowie Hilfs- und Katastropheneinsätze waren als Logistik-Zielmärkte ausgeguckt. Doch die Pläne waren allzu hochfliegend, und so kamen 2002 nach Nine-Eleven und dem folgenden Einbruch der Luftfahrtindustrie sowie dem Crash der Kapitalmärkte mit dem Platzen der DotCom-Blase Insolvenz und vorläufiges Aus für die Giganten der Lüfte.

Mit dem Stopp für die faszinierende Leichter-Als-Luft-Technologie ist auf Brandenburgs Boden aber noch nicht alles zu Ende. Neues Spiel, neues Glück, sagten sich wagemutige Investoren aus Malaysia und Hongkong und stellten vor den Toren Berlins auf den boomenden Freizeitmarkt um. Die Riesenhalle bietet jetzt alles, was sportliche Betätigung, Entspannung und leibliche Genüsse fordern. “Wenn es draußen kühler wird, lockt es mehr Gäste in die tropische Wärme unserer Halle”, sagt Pressesprecher Patrick Kastner. In der Zeppelinhalle in Brand (Dahme-Spreewald) wird es dann sehr lebendig am künstlichen Südseestrand, in der Lagune, im Regenwald und im Tropendorf. Besonders Kinder sind sehr angetan von den Wasserfahrten in Becken mit rotierenden Inseln und von der Wasserrutsche.