Verena Majuntke, Bosch Software Innovations, Bild: Bosch Software Innovations
Verena Majuntke, Senior Solution Architect Bosch Software Innovations, Bild: Bosch Software Innovations

Welchen Nutzen bietet die Industrie 4.0 für KMUs?
KMUs spielen in der Industrie 4.0 eine wichtige Rolle, denn die flexible, dynamische und transparente Produktion beginnt nicht erst im Werk, in dem ein Produkt gefertigt wird, sondern betrifft das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk vom Rohstofflieferanten bis hin zum Endkunden. Da KMUs elementarer Bestandteil des Wertschöpfungsnetzwerkes sind, gelingt die vernetzte Fertigung nur, wenn große Unternehmen und KMUs an einem Strang ziehen. Beispielsweise kann der Lebenszyklus eines Produkts nicht vollständig transparent sein, wenn der entsprechende Wertschöpfungsschritt bei einem zuliefernden KMU nicht transparent ist. Deswegen haben auch große produzierende Unternehmen Interesse, dass KMUs an der Entwicklung von Industrie 4.0 aktiv teilnehmen. So können KMUs einerseits von den Lösungen der „Großen“ profitieren, andererseits sollten sie ihre Position und ihr Angebot im Wertschöpfungsnetzwerk aktiv gestalten und vorantreiben.

Wie können die bereits heute gesammelten Massen an Daten (auch von älteren Maschinen) sinnvoll und effizient genutzt werden?
Produzierende Unternehmen wünschen sich die sinnvolle und effiziente Nutzung von Daten. Unsere Erfahrung zeigt, dass deren Verfügbarkeit und zielgruppengerechte Visualisierung herausfordernd ist. Bleiben wir beim Thema Verfügbarkeit: Hier gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Quellen, die Daten im Produktionskontext generieren und verfügbar machen, zum Beispiel neue Sensoren und Software, bestehende Machine Execution Systems (MES), Qualitätsdatenbanken oder Daten, die direkt von der Maschinensteuerung stammen.

Um Daten im Produktionsprozess sinnvoll und effizient zu verarbeiten, müssen sie häufig korreliert werden. Dabei ist ein wichtiger erster Schritt, gleichzeitig Daten verschiedener Quellen zu nutzen. Mithilfe von Software können sie dann so visualisiert werden, dass die für die Zielgruppe wesentlichen Informationen transportiert werden. Unsere Softwarelösung, der „Production Rules Configurator“, adressiert genau diese Herausforderung. Durch Integratoren werden Daten diverser Systeme verfügbar gemacht und mithilfe visueller Regeln korreliert, um Produktionsabläufe zu automatisieren.

Wie behandeln Sie das Thema Datensicherheit und Zugriffsschutz?
Mit zunehmender Vernetzung steigen der Bedarf an Datensicherheit und das Bedürfnis nach Datenschutz. Entscheidend für die breite Akzeptanz vernetzter Lösungen werden der Datenschutz und damit das Vertrauen der Menschen sein. Im Bereich der Datensicherheit ist Bosch bereits gut aufgestellt und beschäftigt mehr als 100 Spezialisten für sichere Datenübertragung. In einem „Center of Competence“ bündelt Bosch beispielsweise relevantes Know-how wie kryptografische Algorithmen und Zertifikatsmanagement.

Welcher Aufwand ist mit der Software-Implementierung verbunden?
Wir nutzen tagtäglich Software. Oft wird aber der Aufwand für qualitativ hochwertige Software unterschätzt. Neben dem eigentlichen Schreiben von Programmcode gibt es eine Vielzahl von Tätigkeiten, die im Rahmen der Softwareentwicklung Aufwand generieren. Dazu zählt insbesondere die Erhebung von Anforderungen und darauf aufbauend das Design und die Architektur der Software.

Darüber hinaus generieren Aktivitäten wie das Projektmanagement, das das Vorhaben auf Kurs hält, essentiellen Aufwand. Schlussendlich wird die Software für die Qualitätsprüfung einer Vielzahl umfangreicher Tests unterzogen. Da Testszenarien von der jeweiligen Software abhängen, generiert die Erstellung ebenfalls Aufwand. Entscheidet man sich für ein Softwareentwicklungsprojekt, so werden die unterschiedlichen Aspekte auf Basis unserer jahrelangen Erfahrung in der Softwareentwicklung geschätzt und der Gesamtaufwand kalkuliert.

Wie sieht so eine Implementierung Schritt für Schritt aus? Vom Auftrag bis Umsetzung.
Für diese Frage kann ich keine allgemeingültige Antwort geben. Zwei bekannte Vorgehensweisen sind beispielsweise die Softwareentwicklung gemäß dem Wasserfallmodell oder die agile Softwareentwicklung. Im ersten Fall wird Software linear entlang verschiedener Phasen – Anforderung, Analyse, Design, Codierung und Testen – entwickelt. Erst wenn eine Phase abgeschlossen ist, kann mit der nächsten Phase begonnen werden. Dieses Vorgehen lohnt sich, wenn sich Anforderungen an die Software und Leistungen präzise beschreiben lassen und sich im Zeitverlauf wenig ändert.

Man kann dies gut mit der Entwicklung von Hardware vergleichen. Wenn Sie ein Auto bauen wollen, brauchen Sie einen detaillierten Plan. Sie können sich nicht überlegen, dass Sie lieber einen Kombi haben wollen, wenn das Cabrio bereits vor Ihnen steht. Software kann man jedoch nicht anfassen, was oft dazu verleitet, Anforderungen im Zeitverlauf anzupassen. Die agile Softwareentwicklung ist nicht linear, sondern iterativ. Das bedeutet, dass die verschiedenen Phasen für jeden Entwicklungsschritt der Software durchlaufen werden. Dafür wird der Kunde sehr stark in die Entwicklung vom Anfang bis zum Ende eingebunden. Welche Vorgehensweise für das eigene Projekt gewählt werden sollte, hängt von den Rahmenbedingungen des Vorhabens ab.

Das Interview führte Felicitas Heimann, Redaktion

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