Die Türkei verfügt über eine breite industrielle Basis aus überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen. Hier hätten viele Betriebe einen enormen Modernisierungsbedarf, schrieb gtai im Mai 2016. Insbesondere exportorientierte Branchen wie die Kfz-, die Nahrungsmittel-, die Textil- und die Metallindustrie müssten ihre Anlagen technisch aufrüsten. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten türkische Betriebe ihre Wertschöpfung erhöhen und diese zu globalen Anbietern von Hochtechnologieprodukten entwickeln.

Um diese Betriebe gezielt zu fördern, hat die türkische Regierung einen 94 Maßnahmen umfassenden Aktionsplan für den Zeitraum 2015 bis 2018 verkündet. Von dieser Förderung könnten auch deutsche Mittelständler, die in der Türkei investiert haben sowie deutsche Exportfirmen, die türkische KMU beliefern, profitieren. Aufgrund der aktuellen Situation verzögere sich jedoch die Verabschiedung eines weitergehenden Programms, berichtet Turkish Machinery im August 2016. Doch lägen dem Branchenverband bereits Informationen über die Inhalte eines zusätzlichen Förderprogramms vor, welches in Kürze veröffentlicht werden soll. So sehen die weiteren geplanten Maßnahmen aus:

  • Subventionen und Förderungen richten sich sowohl an inländische als auch an ausländische Investoren
  • Investoren sollen über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg steuerliche Befreiungen erhalten
  • Investoren sollen über zehn Jahre einen Festpreis für Energie erhalten
  • bei Aufnahme von Krediten ist die Übernahme von Zinskosten in einem gewissen Rahmen geplant
  • die Kosten für Betriebsgrundstücke sollen subventioniert werden
  • beim Neubau von Produktionsstätten notwendige Infrastrukturmaßnahmen sollen staatlich gefördert werden.
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit dem BME auf der Hannover Messe 2016. Bild: Turkish Machinery

Die Deutsch-Türkische Handelskammer in Istanbul AHK hat unter ihr angeschlossenen Firmen die Stimmungslage eruiert: drei Viertel der befragten Betriebe hielten trotz der angespannten Lage an ihren Jahreszielen fest, so AHK-Chef Jan Noether, schreibt Business Insider. Über die Hälfte der befragten Unternehmen würden auch Geschäftspartnern weiterhin empfehlen in der Türkei zu investieren. Eine ebenso große Anzahl würde bereits gemachte Investitionsentscheidungen auch umsetzen. Nur eines von 20 befragten Unternehmen – da-
runter mehrere DAX-Konzerne – werde seine Aktivitäten im Land aufgeben. Dies habe allerdings wirtschaftliche Gründe, und die Entscheidung sei auch bereits vor den politischen Turbulenzen gefallen gewesen. Darüber hinaus rät Noether davon ab, politische Aussagen der Regierung auf die Wirtschaft zu übertragen.

Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen der Türkei und Deutschland seien über Jahrzehnte gewachsen. „Die Wirtschaft hat noch immer eine Antwort gefunden“, verweist Noether auf frühere Herausforderungen wie die Wirtschaftskrise von 2001. Gleichwohl räumt Noether ein, dass es zum Beispiel durch die Säuberungen in Ämtern und Behörden zu Irritationen komme. Es gebe Verfahren, die bis zur Unterschriftsreife durchlaufen worden seien, „und dann ändern sich die Ansprechpartner“. Auch funktionierten Lieferbeziehungen bislang einwandfrei, betont Noether.

Die Türkei sei für Deutschland ein wichtiger Abnehmer von Autos und Zubehör, liefere aber auch alle klassischen Industrieprodukte vom Maschinenbau bis zur Chemie. Auch in der Textilbranche gebe es intensiven Warenaustausch. Im letzten Jahr lag das Exportvolumen bei 22,4 Milliarden Euro.

Gleichwohl empfiehlt Wirtschaftsförderer Noether deutschen Firmen, die in die Türkei liefern, möglichst prompte Zahlung zu verlangen und die Geldtransfers nicht wie sonst üblich in die Zukunft zu verlagern. So könnten etwaige Zahlungsausfälle vermieden werden. Auch sollten Unternehmen Teile, die sie von Zulieferern aus der Türkei erhielten, möglichst bevorraten. Denn mögliche Auswirkungen der Situation auf die türkische Wirtschaft seien jetzt noch nicht abzusehen.

Die Rechtssicherheit für Investoren sieht Noether indes in jedem Falle gewahrt. Vor dem Kammer eigenen Schiedsgericht habe es seit dessen Bestehen noch nicht einen einzigen Fall gegeben.  

Bauprojekt
Zahlreiche Bauprojekte in der Türkei wie der dreistöckige Tunnel unter dem Bosporus müssen finanziert werden. Bild: Thomas Ernsting