| von Ingrid Fackler

Der Beitrag der Industrie zum Bruttosozialprodukt stagniert in Indien seit einigen Jahren bei rund einem Viertel. Für ein Schwellenland untypisch, dominiert in Indien der Service-Sektor, der für 59 Prozent der Wirtschaftsleistung steht. Und obwohl mehr als jeder zweite Einwohner in der Landwirtschaft arbeitet, trägt diese nur 14 Prozent zum Bruttosozialprodukt bei.

Es ist deshalb das erklärte Ziel der neuen indischen Regierung, die Industrialisierung voranzutreiben, denn nur die Industrie kann genügend Arbeitsplätze für die große Masse der gering qualifizierten Menschen schaffen. Dazu will die Regierung sowohl regulatorische und bürokratische Hemmnisse abbauen als auch die Infrastruktur verbessern. Mit einem Handelsvolumen von 16,1 Milliarden Euro ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU.

Der deutsche Handelsüberschuss von rund 3,4 Milliarden Euro (2012/13) zeugt von der hohen indischen Nachfrage insbesondere nach Investitionsgütern. In erster Linie nach Maschinen, die etwa ein Drittel der Gesamtexporte nach Indien ausmachen. Nach einer Umfrage der Deutsch-Indischen Handelskammer erwarten deutsche Unternehmen aufgrund des wirtschaftsfreundlichen Kurses der neu gewählten indischen Regierung mittelfristig eine zusätzliche Konjunkturbelebung. Wenn von den Motoren der Weltwirtschaft die Rede ist, dann geht es meist um drei Länder: China, USA und Indien. Im Vergleich zu den USA und China ist Indien, trotz seines enormen Wirtschaftswachstums bis 2011, im Moment noch das am wenigsten industrialisierte Land. Die Volkswirtschaft ist, historisch gewachsen, stark auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Der Export erreicht nach Berechnungen der Deutschen Außenhandelskammer nur rund 15 Prozent des Wertes von China. Das hängt auch mit der Struktur der indischen Volkswirtschaft zusammen.

Wachstumsstarke Volkswirtschaft

Trotz zuletzt deutlich abgeschwächter Steigerungen gehört Indien weiterhin zu den wachstumsstarken Volkswirtschaften der Welt. Die Asian Development Bank erwartet für 2014 ein Wachstum von 5,5 Prozent, das sich 2015 sogar auf 6,3 Prozent steigern wird. Regierungspläne, die Industrialisierung massiv voranzutreiben, machen das Land besonders für den Maschinen- und Anlagenbau interessant. Daneben besteht ein hoher Modernisierungsbedarf im Bergbau und der Stahlindustrie. Hinzu kommen hohe Investitionen in die Infrastruktur.

Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von zehn Prozent im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und aktuell rund fünf Prozent gehört Indien zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Um das Wachstum voranzutreiben, öffnet sich das Land weiter für ausländische Investoren und will die Infrastruktur und Industrieanlagen modernisieren. Allein die Bundesregierung hat Indien 2014 rund eine Milliarde Euro an Krediten zugesagt. Das Geld soll vor allem für die Bereiche Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen genutzt werden.

9,3 Milliarden: Das ist der Warenwert, den Deutschland 2013 nach Indien exportierte.

43 Prozent: So weit stieg Indiens Anteil am Welthandel seit 1980.

6,8 Prozent: Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukes Indiens 2014.

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