Andreas Schierenbeck, CEO ThyssenKrupp, Bild: ThyssenKrupp
"Indien ist der am schnellsten wachsende Markt für Aufzüge weltweit“, so Andreas Schierenbeck, CEO bei ThyssenKrupp. Bild: ThyssenKrupp

ThyssenKrupp rechnet damit, dass es in Indien aufwärts geht und baut mit einer Investitionssumme von 22 Millionen Euro in Pune ein Aufzugswerk, das 2017 seinen Betrieb aufnehmen soll. Indien sei der am schnellsten wachsende Markt für Aufzüge, erklärt Andreas Schierenbeck, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp Elevator. In den nächsten drei bis vier Jahren beabsichtigt der Konzern den Anteil der lokalen Produktion in Indien auf 95 Prozent zu steigen. „Indien hat mit seinen ambitionierten Projekten Make in India und 100 Smart Cities einen Paradigmenwechsel eingeleitet“, sagt Schierenbeck. Städte tragen bereits einen großen Teil zum Bruttoinlandsprodukt Indiens bei. Dieser Teil wird sich jetzt weiter vergrößern, da die Regierung den Bau intelligenter Städte, neuer Wohnkomplexe, Flughäfen, Einkaufszentren, Bahnhöfe und Häfen fördert. Thyssen Krupp will an diesem Wachstum teilhaben und nimmt daher eine Vorreiterrolle ein. Mit dem Bau des Werkes reagiert das Unternehmen nach eigenen Angaben auf das Make-in-India-Programm der indischen Regierung, das die heimische Fertigung fördert.

Indischer Maschinen- und Anlagenbau wächst

Positives Wachstum vermeldet die Automobil- und Textilindustrie. Bauwirtschaft, Bergbau und Stromerzeugung legen jetzt ebenfalls zu. Die Investitionstätigkeit der Firmen ist insgesamt jedoch schwach. Der Maschinen- und Anlagenbau zeigt daher niedrige Wachstumsraten. Indische Maschinenbauer bedienen zumeist das untere bis mittlere Preissegment. Bei hochwertigen Maschinen und Ausrüstungen bleibt Indien stark importabhängig.

Die indische Kfz-Industrie zeigt im laufenden Finanzjahr 2015/16 wieder Wachstumsraten. Den stärksten Zuwachs verzeichneten Nutzfahrzeuge mit einem Anstieg um 30,7 Prozent. Laut dem Fachverband Society of Indian Automobile Manufacturers (SIAM) soll das Marktvolumen der Branche bis 2020 auf 300 Milliarden US-Dollar ansteigen. Doch gerade in der Fahrzeugbranche lagen in der Vergangenheit die Prognosen oft weit über dem tatsächlichen Wachstum. Da Indien China als Land mit den weltweit am stärksten verschmutzten Städten ablöst, sollen umfassende Fahrverbote für Kraftfahrzeuge oder das Verbot des Verkaufs von Dieselfahrzeugen diese dramatische Lage einschränken.

Energiewirtschaft boomt

Indien muss seine Stromversorgung weiter stark ausbauen. Der 12. Fünfjahresplan (2012 bis 2017) sieht neue Kapazitäten in Höhe von 119 Gigawatt (GW) vor. Für die Zukunft will Indien auf erneuerbare Energien setzen, diese sollen mehr zur Leistung beitragen als der aktuelle Anteil von knapp 30 Prozent. Bis 2022 sollen die netzgebundenen Kapazitäten bei regenerativen Quellen von heute rund 72 auf 137 GW fast verdoppelt werden. Außerdem sollen im Hochspannungsbereich 110.000 neue Netzkilometer entstehen. Im Finanzjahr 2014/15 wurden gute Fortschritte erzielt. Verzögerungen bei Genehmigungen von Projekten, die mangelnde Zahlungsfähigkeit von Versorgungsunternehmen sowie Engpässe bei den Kohlelieferungen wirken sich jedoch bremsend auf Neuprojekte aus.

Kremlchef Wladimir Putin erklärte im Dezember 2015 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem indischen Ministerpräsidenten Modi in Moskau, Russland werde in den nächsten 20 Jahren mindestens sechs Atomkraftwerke in Indien bauen. Modi ergänzte, es könnten auch bis zu zwölf Reaktoren werden.

Doch Modi setzt auch stark auf alternative Energieträger. „Investitionen, Joint Ventures, Technologietransfer – das alles kann Indien helfen, sich zu der grünen Volkswirtschaft zu entwickeln, von der wir alle sprechen. Das Gute ist ja, dass wir in Indien durchaus Menschen mit technischen Fähigkeiten haben. Diese Fähigkeiten müssen nur mit etwas Geld von außen weiter entwickelt werden“, sagte Modi auf der jüngsten Weltklimakonferenz.

Drei Fragen an Dirk Matter, Deutsch-Indische Handelskammer

Dirk Matter, Deutsch-Indische Handelskammer, Bild: AHK
Dirk Matter ist Direktor des Düsseldorfer Büros der Deutsch-Indischen Handelskammer. Bild: AHK

Herr Matter, was berichten deutsche Unternehmen derzeit aus Indien?

Die Signale, die wir von unseren Kammermitgliedern bekommen, sind durchweg positiv. Wichtige Reformen sind eingeleitet, mit der Wirtschaft geht es aufwärts. In einzelnen Branchen ist eine deutliche Zunahme der Auftragsbestände zu sehen.

In welchen Branchen gibt es zukünftig neue interessante Geschäftsmöglichkeiten?

Der Bereich neue Energien und hier hauptsächlich Photovoltaik wird stark ausgebaut. Hohe Wachstumsraten verzeichnet die Verkehrsinfrastruktur; auch Hochgeschwindigkeits-Bahnsysteme sind für deutsche Zulieferer zukünftig von Interesse. Aber auch klassische Branchen wie Maschinenbau oder Automobilproduktion bleiben weiterhin für deutsche Unternehmen wichtig.

Was sind die schwierigsten Hürden im Indiengeschäft?

Trotz der Verbesserungen dauern Geschäftsanbahnungen in der Regel sehr lange. Das kostet Zeit und Geld. Es ist schwierig und aufwendig, die richtigen Geschäftspartner zu finden. Auch daher bauen viele Unternehmen eigene Vertretungen vor Ort auf.

Die Fragen stellte Dr. Thomas Kiefer, freier Autor für ke NEXT

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