| von Dr. Thomas Isenburg, freier Autor für ke NEXT
Modell Rotorblatt, Bild: Thomas Isenburg
Ein Trend bei der Windenergie sind größere Rotorblätter, auch um die Stromentstehungskosten zu reduzieren. Bild: Thomas Isenburg

Im neuen Entwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) steht daher eine deutliche Reduzierung des Ausbaus der Windleistung. Hinzu kommt eine Änderung des Ausschreibungsmodells. Wurde bislang nach einer Festvergütung vergeben, erfolgt die Vergabe nun im Ausschreibungsmodell. Das kritisiert die Branche vehement, wie Wolfram Axthelm vom Bundesverband Windenergie weiß: „Wir steuern mit dem EEG 2017 und zwei Übergangsjahren 2017 und 2018 auf die mit Ausschreibungen deutlich verringerten Zubaukorridore zu.“ Projekte, die bis zum 31.12.2016 noch eine BlmSchG-Genehmigung erreichen, können bis zum 31.12.2018 noch unter Fortschreibung des EEG bei allerdings deutlicher Vergütungsdegression umgesetzt werden. Die starken Vergütungskürzungen (ab 1.3.2017 mit 6 x 1,05 Prozent und ab 1.10.2017 pro Quartal weitere 2,4 Prozent) erhöhen den Druck zu effizienten Anlagen. Dazu Axthelm: „Schon in der Vergangenheit gelang es, sinkende Vergütungen teilweise durch höhere Erträge der Anlagen zu kompensieren.“

Siemens kritisiert insbesondere kleinere Ausbaukorridore für den Offshore-Markt. Gunnar Liehr, Leiter Windenergie Deutschland der Siemens Wind Power and Renewables Division, dazu: „Mit einem geplanten Zubau von 500 Megawatt in den Jahren 2021 und 2022 und von 700 Megawatt in den Jahren 2023 bis 2025 kann die Branche ihre Kostensenkungsziele kaum erreichen. Das Volumen beschränkt sich auf kaum mehr als ein Offshore-Projekt pro Jahr. Das reicht für eine erfolgreiche Industrialisierung nicht aus.“

Windenergie an Land

Rotorblattmontage Modell, Bild: Thomas Isenburg
Durch das novellierte EEG wird die Ausbaugeschwindigkeit bei der Windenergie in Deutschland zurückgehen. Bild: Thomas Isenburg

Der Ausbaukorridor für Windenergie an Land beträgt künftig 2800 Megawatt (brutto), ab 2020 sind es 2900 Megawatt. Eine fünfprozentige Sonderdegression soll auf mehrere Monate aufgeteilt werden. Das Ausschreibungsmodell könnte diesen Markt sehr verändern, auch wenn besondere Ausschreibungsbedingungen für Bürgerenergiegesellschaften zum Erhalt der Akteursvielfalt berücksichtigt wurden. „Als großer Anbieter werden wir hier auch stärker beratend gegenüber unseren Kunden auftreten, um die Hürden für neue Projekte möglichst klein zu halten“, sagt Gunnar Liehr, Leiter Windenergie Deutschland der Siemens Wind Power and Renewables Division. Wolfram Axthelm erwartet, dass es durch das geänderte Ausschreibungsmodell zu höheren Anlagen begleitet von einem Innovationsdruck kommen kann.

Gunnar Lehr von Siemens präzisiert hierzu: „Große Rotoren und hohe Türme sind aktuell gefragt, um wirtschaftliche Projekte auch in Regionen mit schwachen bis mittleren Windstärken realisieren zu können. Darauf stellen wir uns ein. Darüber hinaus werden Energiespeicher zunehmend interessanter, je weiter der Ausbau erneuerbarer Energien voranschreitet. Auch für diese Entwicklung sind wir bei Siemens mit unterschiedlichen Technologien vorbereitet.“

Technischer Ausblick

Technisch gehen viele Marktbeobachter auch von einem Trend zu einer steigenden Digitalisierung aus. Dieses stellte auch Nils de Baar, President Vestas Business Unit Central Europe fest, indem er auf der Vorpressekonferenz zur Messe äußerte: „Gesammelt werden meteorologische Daten. Mit diesen können Windfarmen dann optimal betrieben werden.“

Die europäische Perspektive der Windenergie zum Thema Offshore-Windenergie zeigte Giles Dickson, CEO WindEurope. Es gehe darum, die Effekte bei Energiesystemen zu studieren. Der Geschäftsführer zielte dabei insbesondere auf die Effekte bei Energietransformationen in den Bereichen Kühlung, Erwärmung und Transport ab. Zudem sei es wichtig zu beobachten, welchen Einfluss große Verbraucher von Elektrizität wie Amazon, Google, Unilever sowie Ikea auf die Windenergie nehmen. In Europa war die Windenergie für 11,5 Prozent der Elektrizitätsversorgung verantwortlich, so Dickson. Bis 2030 sollen dann 23 Prozent erreicht sein.

Sensoren am Rotorblatt Modell, Bild: Thomas Isenburg
Bei der Messe in Hamburg können sich die Besucher über die ganze Prozesskette bei der Windenergie informieren. Bild: Thomas Isenburg

Besonderes Potenzial sieht er in den Emerging Markets. So hat China im letzten Jahr in weitere 30 Gigawatt Windkraftanlagen investiert, im Vergleich hierzu waren es in Europa nur etwa 13 Gigawatt. Dazu kommen noch große Projekte in Indien, Marokko und Ägypten sowie Tunesien, Iran und Lateinamerika. Dies sei ein positiver Prozess für Europa, denn an 39 Prozent dieser Projekte waren europäische Unternehmen beteiligt. In diesen Märkten hat Europa einen Wettbewerbsvorsprung.

Die Rahmenbedingungen deuten auf den wohl übergreifenden technischen Trend hin, günstige Voraussetzungen für niedrige Stromentstehungskosten zu schaffen. Wirtschaftlich richtet sich der Blick stärker auch auf die aufstrebenden Emerging Markets. Es wird sicher interessant werden, in Hamburg den Weg dorthin zu beobachten. hei

Blitzschutz für Windkraft: ke NEXT TV besucht Phoenix Contact (Quelle: ke NEXT TV)