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Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich wurden in den vergangenen 40 Jahren immer enger. (Bild: industrieblick)

691 vom DIHK befragte Maschinenbauunternehmen erwarten sowohl kurz- als auch mittelfristig im Saldo eine schwächere Entwicklung der Ex- und Importe. Während der Verhandlungsphase gehen etwas mehr als zwei Drittel der Unternehmen von einem konstanten bilateralen Handel aus. Nach einem vollzogenen EU-Austritt reduziert sich der Anteil auf rund 50 Prozent. Sowohl die Investitionsausgaben als auch die Beschäftigtenzahl der deutschen Unternehmen im Vereinigten Königreich werden in Folge der Brexit-Entscheidung sinken. Die Auswirkungen der Brexit-Entscheidung hinsichtlich Investitionen und Beschäftigte am Standort Deutschland dürften minimal sein, fasst Anke Uhlig vom VDMA die Umfrageergebnisse zusammen.

Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU fielen die Vorteile des Binnenmarktes weg. Die größten Risiken sehen die Unternehmen in einer Zunahme der nicht-tarifären und tarifären Handelshemmnisse. Aber auch die Pfundabwertung und das Thema Wechselkursrisiken, die politische und rechtliche Unsicherheit sowie eine Verlangsamung des britischen Wirtschaftswachstums für mehrere Jahre sehen die Unternehmen als große Risiken. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in der EU für mehrere Jahre aufgrund des britischen EU-Austritts wird lediglich von knapp einem Fünftel der Antwortenden befürchtet.

Weiterhin Wachstumspotenzial im Vereinigten Königreich

UK ist gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU. In den Jahren 2016 und 2017 soll das BIP um real 1,6 beziehungsweise 1,9 Prozent zulegen. Angetrieben wird die Entwicklung vor allem durch die Kauflaune der Briten, die sich über sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Reallohneinkommen freuen. Das schrieb Germany Trade & Invest gtai noch Mitte 2016 in seinen Exportchancen 2016/2017. Denn für Deutschland war das Königreich 2015 der drittwichtigste Absatzmarkt. Die engen Handelsbeziehungen dürften 2016 und 2017 angesichts steigender britischer Importe und der Bedeutung Deutschlands als wichtigstem Lieferland (2015: 15 Prozent der Gesamteinfuhr) weiter ausgebaut werden. Für deutsche Unternehmen böten sich in nahezu allen Sektoren gute Geschäftschancen, zumal die Regierung die Reindustrialisierung der Wirtschaft stark forciere und Deutsche gern gesehene Geschäftspartner seien. Auch im Maschinenbau seien die Aussichten positiv, so gtai.

 

UK und der Brexit

Es ist alles noch offen

Sehr viele grundlegende Fragen sind derzeit völlig offen. Unklar ist zum Beispiel auch, ab wann das Vereinigte Königreich juristisch nicht mehr EU-Mitglied sein wird. Artikel 50 des Vertrags von Lissabon schreibt vor, dass der betreffende Mitgliedstaat dem Europäischen Rat zunächst formal seine Austrittsabsicht mitzuteilen hat. Nach dieser Absichtserklärung kann der betreffende Staat mit der verbleibenden EU-27-Gruppe ein Abkommen über die Einzelheiten des Austritts aushandeln. Sollte es zu keinem Austrittsabkommen kommen, endet die EU-Mitgliedschaft automatisch nach zwei Jahren, „es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese Frist zu verlängern“ (Artikel 50, Absatz 2).

 

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