Heller Werkzeugmaschinen auch am Standort Redditch in England
Seit 42 Jahren produziert Gebr. Heller Werkzeugmaschinen auch am Standort Redditch in England. Mit 150 Mitarbeitern werden dort rund 200 Werkzeugmaschinen im Jahr gebaut, ein großer Teil davon für den deutschen Markt. (Bild: Heller)

Bei dem Gedanken an den Brexit wird es Maschinenunternehmen mulmig. So hat die Gebr. Heller Maschinenfabrik aus Nürtingen bereits im Vorfeld der Brexit-Entscheidung ihre Bedenken formuliert. Seit 42 Jahren produziert der Hersteller von Werkzeug-
maschinen auch am Standort Redditch. Mit 150 Mitarbeitern werden dort rund 200 Werkzeugmaschinen im Jahr gebaut, ein großer Teil davon für den deutschen Markt. Eine Voraussetzung ist dabei, dass zwischen England und dem Hauptsitz in Nürtingen ungehindert Produkte und Materialien ausgetauscht werden und sich beide Produktionsstätten gegenseitig mit Fachpersonal unterstützen können. Die Vorstellung, dass das englische Werk demnächst außerhalb der EU liegen könnte, löst im Unternehmen einige Besorgnis aus. Denn in der täglichen Arbeit sind die Gebr. Heller Maschinenfabrik und die Heller Machine Tools eng verwachsen. In Redditch wird eine komplette Produktfamilie für die gesamte Gruppe gefertigt. Jede Woche machen sich drei bis vier Lkw mit Maschinen auf den Weg nach Deutschland.

So ist Matthias Meyer, Managing Director Heller Machine Tools in Redditch alarmiert, dass niemand den Unternehmern erklären konnte, wie ein EU-Austritt aussehen würde. Wäre Großbritannien noch Teil des EU-Binnenmarktes? Müsste das Land seine Handelsabkommen neu verhandeln? Würde sich etwas für EU-Ausländer, die in England arbeiten, ändern? Solche Fragen haben Auswirkungen darauf, wie sich ein Unternehmen strategisch ausrichtet.

Von den Befürwortern des Brexits werden Bedenken aus der Wirtschaft oft weggewischt mit dem Verweis auf die Schweiz oder Norwegen. Beiden Ländern gehe es schließlich blendend, auch ohne Teil der EU zu sein. Doch diese Sicht sei naiv, meint Meyer. Es mache einen Unterschied, ob ein Land niemals Mitglied der EU war oder als erstes überhaupt der Gemeinschaft den Rücken kehrt. Abspaltung bedeute eben, sich abzuspalten. Dass sich das Vereinigte Königreich auf diese Abspaltung einlassen will, ist nicht nur ein Problem für das Unternehmen Heller.

Im vergangenen Jahr war Großbritannien der viertgrößte Absatzmarkt für den Maschinenbau in Deutschland mit einem Handelsvolumen von knapp 7,2 Milliarden Euro – nur in die USA, China und Frankreich haben die deutschen Unternehmen mehr verkauft. Trotzdem braucht Großbritannien die EU sicher mehr als die EU Großbritannien. Viele Unternehmen in Großbritannien hätten sich gerade erst für den europäischen Markt geöffnet. Wohl kaum ein britischer Unternehmer hält den Brexit für eine gute Idee.

Experten fürchteten, dass Großbritannien in eine Rezession rutschen werde, meinte das Handelsblatt Ende August 2016. Deutsche Exporteure müssten mit Einbußen rechnen, sei das Land doch einer ihrer wichtigsten Kunden. Unternehmen mit starken Handelsbeziehungen zur Insel spürten dies bereits in ihren Auftragsbüchern – so seien die Exporterwartungen nach dem Brexit-Votum bereits deutlich zurückgegangen. Damit hat die Diskussion um den Austritt UK und seiner ohnehin gebeutelten Industrie eher geschadet. Es gibt Unternehmen, die derzeit abwarten und sich mit Investitionen zurückhalten. Manche spielten offen mit dem Gedanken, Großbritannien im Falle eines Austritts aus der EU zu verlassen. Für Heller steht fest, dem Standort Redditch treu zu bleiben. Das Unternehmen investiert gerade zwei Millionen Pfund, um seine Kapazitäten in England auszubauen.

 

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