Wer Chef sein will, muss auch dafür geeignet sein. Doch bevor man die Führung übernimmt, sollte

Wer Chef sein will, muss auch dafür geeignet sein. Doch bevor man die Führung übernimmt, sollte man sich gründlich fragen, was man im Leben wirklich erreichen will. Quelle: Sergey Nivens - Fotolia

Den Einstieg in die Festanstellung haben Sie hinter sich, die ersten Berufsjahre auch erfolgreich absolviert. Und Sie fragen sich nun, wie Ihre Karriere weiter gehen soll und ob Sie nicht Führungsverantwortung übernehmen sollen – oder müssen. Doch was bedeutet das? Und sind Sie dafür überhaupt geeignet? Und wenn ja, wie stellen Sie es geschickt an?

Bevor Sie über eine Führungsposition nachdenken, sollten Sie sich Gedanken über Ihre Vorstellung von Karriere machen – kurz-, mittel- und langfristig. In jungen Jahren ist für viele die Karriere mit Geld, Einfluss und Vergünstigungen verbunden. Der größere Firmenwagen, die Reise in der Business Class und das größere Spesenbudget stehen oftmals im Vordergrund und besiegen die Bedenken vor mehr Arbeitszeit, größerer Verantwortung und stärkerer Belastung. Doch müssen Sie dafür zwingend in eine Führungsposition?

Die Antwort lautet ganz klar: Jein! Leider sind in vielen Unternehmen die Karrierepfade – und damit verbunden auch die Verdienstmöglichkeiten – an Führungsverantwortung gekoppelt. Oftmals laufen Jahresgespräche so ab:
Chef: „Sie wollen mehr Geld? Dann übernehmen Sie Personalverantwortung und werden Teamleiterin.“
Mitarbeiter: „Ich fühle mich aber in der Technik wohl und würde gern dort Expertin werden. Außerdem weiß ich nicht, ob ich als Vorgesetzte geeignet bin.“
Chef: „Wenn Sie mehr Geld wollen, müssen Sie Führungsverantwortung übernehmen. Und das bisschen Führung bekommen Sie schon hin, das können Sie sich von mir abschauen!“

Motivation für die Führung

Sie können sich vorstellen, dass der Mitarbeiter hin- und hergerissen sein wird – und in den seltensten Fällen ein guter Vorgesetzter wird. Denn es fehlen die Motivation und die professionelle Ausbildung. Unternehmen sind aufgefordert, auch für Mitarbeiter Karrierepfade anzubieten, ohne Personalverantwortung übernehmen zu müssen. Nicht jeder Mitarbeiter ist als Führungsperson geeignet oder fühlt sich berufen.

Gerade international-geprägte Unternehmen haben reagiert und zum Beispiel neben der Junior beziehungsweise Associate Consultant und Consultant, den Senior und Principal Consultant eingerichtet. So kann und muss es durchaus möglich sein, dass ein Principal Consultant deutlich mehr verdient als der Vorgesetzte.

Tipp: Fragen Sie in einem Vorstellungsgespräch auch ganz explizit nach fachlich-orientierten Karrierepfaden – und den damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten!

Fachliche und disziplinarische Führung – wo liegt der Unterschied?

Sie haben sich für den Weg entschieden, Führungsperson oder Vorgesetzter zu werden? Dann sollten Sie den Unterschied zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung kennen und berücksichtigen.

In der Rolle als fachlicher Vorgesetzter, sagen Sie zum Beispiel Ihren Mitarbeitern, was sie zu tun haben und unterstützen bei fachlichen Fragen und Themen. Im Gegensatz zum disziplinarischen Vorgesetzten fehlen Ihnen aber Entscheidungsbefugnisse zu Themen wie Urlaubsplanung, Weiterbildung oder Gehalt.

In der Vergangenheit lagen fachliche und disziplinarische Führung oft in einer Hand, heute gehen Unternehmen mehr und mehr hin zu einer Matrix-Organisation, das heißt ein Mitarbeiter hat zwei Vorgesetzte – der eine kümmert sich um die fachlichen Themen, der andere um die disziplinarischen. Eine enge Abstimmung ist natürlich wünschenswert, doch oftmals haben beide unterschiedliche Zielsetzungen, wie etwa möglichst aktuelles Wissen und damit verbundene Weiterbildung auf der einen Seite gegenüber möglichst hoher Auslastung und Verfügbarkeit auf der anderen Seite.

Primus inter pares – Führen ohne Auftrag

Als Projektmanager werden Sie auch häufig in die Rolle des „nur“ fachlichen Vorgesetzten schlüpfen, denn viele Mitarbeiter Ihres Teams werden Ihnen für die Dauer des Projekts zugewiesen und berichten weiterhin an ihre disziplinarischen Vorgesetzten.

Tipp: Klären Sie frühzeitig für sich, welche Art der Führung Sie übernehmen möchten – vielleicht ist der Zwischenschritt als Projektleiter für Sie der richtige!

Betrachten wir folgende Situation: Sie arbeiten in einem Team und fühlen sich dazu berufen, die nächste Stufe zu erklimmen und Vorgesetzter, oftmals des jetzigen Teams, zu werden. Sie wollen die Rolle des Kollegen zum Weisungsbefugten verändern. Dabei sollten Sie …
… prüfen, in wie weit die Position vakant ist. Ist der Platz belegt und steht keine personelle Veränderung an, dann sollten Sie sich in Geduld üben oder extern, aber eventuell im gleichen Unternehmen, nach einer Möglichkeit suchen.

Tipp: „Der Königsmörder wird nicht immer der nächste König!“

… sicherstellen, dass eine andere Person Ihren Job übernehmen kann. Gerade deutsche Arbeitnehmer machen sich gern unentbehrlich und wundern sich, warum andere, oftmals schlechtere Kollegen, befördert werden. Doch aus unternehmerischer Sicht ist es verständlich – wenn Ihre Beförderung eine Lücke reißen würde, dann müssen Sie an Ort und Stelle bleiben.

Tipp: Machen Sie sich entbehrlich und sorgen Sie frühzeitig für Ihren Ersatz!

… so agieren, als ob Sie den Posten schon hätten. Viele Mitarbeiter warten, bis jemand auf sie zukommt und sie fragt, ob sie nicht Vorgesetzter werden wollen. Dann machen Sie sich Gedanken, entscheiden sich für ein „Ja“ und wenn sie dann in der Position sind, überlegen sie sich, wie sie diese ausfüllen möchten. Das ist definitiv der falsche Ansatz! Denn a) ist es zu passiv, gibt b) dem Unternehmen keine Möglichkeit, Vertrauen in die Führungs-Fähigkeiten der Mitarbeiter zu erhalten und bereitet c) auch die Kollegen nicht auf den Wechsel vor.

Tipp: Leben Sie die Position, bevor Sie sie offiziell bekommen!

… überprüfen, in wie weit Ihre jetzigen Kollegen Ihnen wohlgesonnen sind und Ihnen in der neuen Rolle folgen werden. Es wäre fatal, wenn sich – für Sie überraschend – ein weiterer Kollege für diese Stelle in Position bringt und Sie darauf nicht vorbereitet sind und entsprechende Maßnahmen getroffen haben. Oder die Kollegen dem Management gegenüber zum Ausdruck bringen, dass sie Ihnen nicht folgen würden, sondern das Verlassen des Unternehmens in Erwägung ziehen.

Tipp: Fehlt Ihnen die Unterstützung oder zumindest die Neutralität der Kollegen, sollten Sie es extern versuchen!

… frühzeitig in die Entwicklung Ihrer eigenen Führungskompetenzen investieren. Warten Sie nicht, bis Ihnen das Unternehmen eine Ausbildung zur Führungsperson zur Verfügung stellt. Das könnte sich wie in dem Theaterstück „Warten auf Godot“ gestalten. Investieren Sie in eine professionelle Ausbildung, die zu Ihnen und Ihrem Umfeld, etwa Unternehmen, zukünftige Kollegen und Mitarbeiter, passt. Der Job und die damit verbundene Verantwortung sind zu wichtig, um ihn „intuitiv“ zu machen.

Tipp: Investieren Sie selbst in die Entwicklung Ihrer Führungskompetenz!

… Ihre Motivation überprüfen. Immer wieder streben Mitarbeiter die Position des Vorgesetzten nur an, um Dinge abgeben zu können, die sie nicht mehr selbst machen möchten. Oder weil es mehr Geld und Status gibt. Auf die Frage: „Was macht Sie zu einem guten Vorgesetzten und würden Sie sich selbst motiviert folgen?“ herrscht sehr häufig betretenes Schweigen.

Tipp: Werden Sie zum Vorgesetzten, unter dem Sie selbst arbeiten möchten!

Nicht Fleisch, nicht Fisch – aller Anfang ist schwer

Erfolg im Beruf haben von Fotolia

Wenn Sie nach Höherem streben, dürfen Sie sich nicht auf der ihrer Position ausruhen. Denn zum einen drängen von unten andere nach, zum anderen wird die Erwartungshaltung von oben nicht weniger. Quelle: Kamaga – Fotolia

Glückwunsch – Sie haben es geschafft! Sie wurden offiziell befördert – und jetzt? Vielen fällt gerade diese Zeit sehr schwer und lässt sie oftmals verzweifeln. Warum ist das so? Sie vermissen die Zusammengehörigkeit zum alten Team, die jetzt Ihre Mitarbeiter sind. Die Mitarbeiter gehen ohne Sie in die Pause, verstummen, wenn Sie den Raum betreten oder gehen abends ohne Sie „noch einen trinken“. Vielleicht sitzen Sie jetzt auch in einem anderen Raum oder Standort und fühlen sich abgeschnitten.

Sie sind mit den neuen Kollegen, mit denen Sie jetzt ein Team bilden, noch nicht richtig warm geworden. Die unterhalten sich über Dinge, von denen Sie (noch) keine Ahnung haben, verwenden Abkürzungen, die Sie nicht verstehen (und sich nicht trauen, zu fragen, was sie heißen) und sehen in Ihnen erst einmal „den Neuen“.

Sie vermissen Ihre alten Aufgaben, die Sie locker erledigt haben. Sie erklären dem Mitarbeiter, der diese Aufgaben übernommen hat, alles immer wieder und geben ungefragt Tipps über Tipps für die Umsetzung – und wundern sich, dass der Mitarbeiter darüber nicht glücklich oder gar dankbar ist.
Ihre neue Aufgabe überfordert Sie (noch). Neben den neuen Kollegen, Prozessen, Softwareprogrammen, Informationen und Zielen sollen Sie sich – anders als in der Vergangenheit – auch noch um Ihre Mitarbeiter kümmern. Die wollen Dinge von Ihnen, die Sie selbst nicht können oder verlangen Entscheidungen zu Themen, in denen Sie sich (noch) nicht sattelfest fühlen.

Sie spüren den Neid anderer auf Ihre neue Position oder erfahren nicht die Unterstützung, die Sie sich erhofft haben. Sie merken, dass die Luft „da oben“ dünner wird und mehr und mehr Politik Ihr Tagesgeschäft bestimmt. Sie fühlen sich unter Beobachtung und möchten alles richtig machen – und stellen fest, dass das nicht geht.

Professionelle Vorbereitung

Sind Sie jetzt frustriert oder abgeschreckt, wenn Sie das gelesen haben? Trösten Sie sich, hier wurde der „worst case“ beschrieben! Und Ihre Reaktion ist ganz normal. So ist es vor Ihnen schon anderen so ergangen – und die haben es auch geschafft!

Denken Sie an eine frühzeitige professionelle Vorbereitung auf die Position und eine externe Begleitung während der Anfangszeit für Fragen, für die Sie keinen internen geeigneten Ansprechpartner haben. Sich beim neuen Chef, den Kollegen oder gar den Mitarbeitern „auszuheulen“ ist tabu. Nutzen Sie dazu Ihr Netzwerk, zum Beispiel den VDI, zum Austausch und für neue Impulse. Und sagen Sie sich immer wieder: „Everybody’s darling is everybody’s fool!“

Tipp: Glauben Sie an sich! Sie haben es so gewollt!

Angekommen in der Führung – und jetzt?

Sie haben es durch professionelle Planung und geschickte Umsetzung geschafft, in eine Führungsposition zu kommen. Sie haben die ersten stürmischen Zeiten überstanden und Ihren Führungsstil gefunden, der zu Ihnen und Ihrem Umfeld passt. Auch das Tagesgeschäft bereitet Ihnen keine Sorgen mehr. Doch was jetzt? Das Ganze noch einmal von vorn, um die nächste Stufe zu erklimmen? Warum nicht – Sie wissen ja, wie es geht. Doch vermeiden Sie unbedingt, selbst dem „Peter Prinzip“ (Laurence J. Peter) zu unterliegen.

Mit der Zeit erkennen aber viele, dass es neben der beruflichen Karriere auch eine private geben kann. Sei es die Gründung einer Familie, dem verstärkten ehrenamtlichen Engagement im Verein oder einfach nur das Genießen der Freizeit, ohne ständig über den Job nachdenken zu müssen. Auch das ist völlig okay.

Absolut untersagt ist aber, sich auf der derzeitigen Position auszuruhen. Zum einen drängen von unten andere nach, zum anderen wird die Erwartungshaltung von oben auch nicht weniger. Sich und Ihren Bereich – und damit verbunden auch Ihre Mitarbeiter – jeden Tag konstruktiv zu hinterfragen und zu neuen (!) Höchstleistungen zu motivieren, ist die Kunst einer guten Führungskraft.

Tipp: Das einzig Beständige ist der Wandel – stellen Sie sich also darauf ein!

Lesen Sie dazu auch:

Autor: Marcus Holzheimer, mh3 Beratung