Nicht nur die CAD-Tools, auch das Kino wird dreidimensional: In James Camerons „Avatar“ spielten

Nicht nur die CAD-Tools, auch das Kino wird dreidimensional: In James Camerons „Avatar“ spielten 3D-animierte Wesen in einer 3D-animierten Welt, was mit passender Brille im Kino sogar dreidimensional zu sehen war.

Jedes Kind weiß: Die Welt ist dreidimensional – heute auch die virtuelle. 3D-Konstruktionstools sind im Maschinenbau State-of-the-Art und sogar die Unterhaltungsindustrie springt mittlerweile auf den 3D-Zug auf. Die dazu notwendige Rechenleistung holen sich Filmstudios aus Hochleistungsrechennetzen. Und auch für CAD soll nun die Cloud bemüht werden.

Nicht nur die CAD-Tools, auch das Kino wird dreidimensional: In James Camerons „Avatar“ spielten 3D-animierte Wesen in einer 3D-animierten Welt, was mit passender Brille im Kino sogar dreidimensional zu sehen war.

Glauben Sie mir, in fünf oder zehn Jahren werden wir nicht mehr wissen, welche Betriebssysteme auf unseren elektronischen Geräten laufen. Es wird uns egal sein. Hauptsache, die gewünschten Applikationen laufen. Bei Mobilfunkgeräten ist es uns ja heute schon egal.“ Mit diesen und ähnlichen Ausblicken erstaunte der Gastredner der Solidworks User Conference 2010 im kalifornischen Anaheim seine Zuhörer. Die Keynote sprach indes kein Techniker oder IT-Spezialist, sondern ein Hollywood-Regisseur – James Cameron. Dass er sich für moderne Technik interessiert, stellte er mit seinen Ausführungen zu seinem Blockbuster „Avatar“ auf beeindruckende Weise dar.

Mit modernster 3D-Animation erweckte er Fabelwesen zum Leben. Die zur lebensechten Berechnung der viruellen Filmwelt nötige Rechenpower konnte nur durch verteilte, ausgelagerte CPU-Leistung erbracht werden. Womit Cameron in seinem Vortrag auch gleich zwei Visionen von Solidworks vereinte: 3D-Konstruktion und Cloud-Computing.

Cameron konnte seine Rede standesgemäß halten: Auf einer großen Bühne und vor großem Publikum. Mehr als 5000 Besucher konnte die User Conference verbuchen, darunter mehrere Dutzend internationale Journalisten. Die Aufmachung war typisch amerikanisch. Statt einer Powerpoint-Leinwand gab es mehrere Multimedia-Screens mit Light-Show, statt eines Moderators einen Entertainer und statt ruhiger Arbeitsatmosphäre die passende Musikuntermahlung für jeden Gast. Solidworks-CEO Jeff Ray wurde begrüßt wie ein Superstar.

Entsprechend groß war die Vision, die Jeff Ray den Anwendern und Journalisten präsentierte: 3D-Konstruktion mittels Cloud-Computing. Der Haupt-Vorteil dabei: Die Leistungsfähigkeit des Endgeräts wird irrelevant. Komplexe Belastungssimulationen im 3D-Modell lassen sich auch auf einem schwachbrüstigen Netbook mit Atom-Prozessor darstellen, wenn nur Kontakt zur Rechnerfarm besteht. Selbst auf Smartphones lassen sich Applikationen betreiben, was Solidworks-CEO Jeff Ray auch stolz vorführte. Der Nutzwert von CAD auf dem iPhone mag fragwürdig sein, die durch Cloud-Computing mögliche Unabhängigkeit von Betriebssystemen ist es nicht. Künftig sollen Solidworks-Berechnungen auf Apple- oder Linux-Rechnern genauso gut laufen wie unter Windows-Systemen. Remote-Aufrufe sollen mit Firefox oder Chrome als Browser ebenso gut funktionieren wie mit dem Internet Explorer.

Rechenleistung aus der Steckdose
„Wenn Sie heute elektrischen Strom brauchen, stellen Sie sich auch kein Kraftwerk in den Keller, sie holen ihn aus der Steckdose“ erklärt Bernard Charlès, CEO von Dassault Systèmes, „und ebenso ist es mit Rechenleistung. Sie brauchen keinen Hochleistungsserver, sie holen die Rechenleistung aus der Netzwerkdose.“ Dassault Systèmes ist der Konzern, zu dem Solidworks gehört und der daneben so rennommierte Programme wie Catia oder Enovia im Programm hat. Seine Vision ist also eine globale. Für all seine Systeme will Dassault in Zukunft externe Rechenleistung bieten. Möglich werden soll das ganze durch den Aufbau einer eigenen Cloud, also einer Serverfarm, sowie durch die Kooperation mit externen Cloud-Anbietern.

Egal ob Windows, Apple oder Linux, egal ob Workstation oder Netbook, egal ob Maus oder Touch-Screen, ja sogar Smart- und iPhones: Dank Cloud-Computing sind Rechenleistung und Betriebssystem des lokalen Endgeräts irrelevant.

Dabei steht die Sicherheit von Daten ganz weit vorn auf der Agenda. Denn die Konstruktionsdaten des aktuellsten Projektes sollen ja auf keinen Fall in die Hände der Konkurrenz fallen. Dies sei kein Problem, bekräftigt Jeff Ray, die Daten auf den Serverfarmen professioneller Dienstleister seien in der Regel sogar sicherer als innerhalb der IT-Infrastruktur der meisten mittelständischen Unternehmen. Und schon jetzt würden die Firmen regelmäßig Daten mit Projektpartnern austauschen – oft über unsichere Wege wie gebrannte DVD oder gar E-Mail. Ein zentraler Server sei da wesentlich sicherer, zumal jeder Zugriff protokolliert und alle Daten zudem redundant vorgehalten würden. Die Zukunft wird spannend.

„Cloud-Computing wird bald ebenso normal werden wie Strom aus der Steckdose“
James Cameron, Regisseur und Oscar-Preisträger