Interview: Günter Schrank, Geschäftsführer von Parker Hannifin, Kaarst 1

Mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden US-Dollar in 2010 ist Parker Hannifin einer der weltweit führenden Hersteller von Antriebs- und Steuerungstechnologien und -systemen. Parker ist seit 47 Jahren in Deutschland aktiv.

Über die Bedeutung des deutschen Marktes für das Unternehmen sprach fluid-Redakteurin Ingrid Fackler mit dem Geschäftsführer Günter Schrank. fluid: Wie wichtig ist der deutsche Markt für Parker Hannifin?

Seit der Eröffnung unseres europäischen Hauptsitzes in der Schweiz verfügt Parker über eine leistungsstarke Zentrale für ganz Europa, den Nahen Osten und Afrika. Der Parker-Konzern setzt auf Europa und stärkt die Region. Dabei ist Deutschland, das nach den USA das umsatzstärkste Land ist, der wichtigste Markt.

fluid: Wie viel Umsatz generieren Sie in Deutschland?

Mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2010 ist Parker weltweit die Nummer 1 in der Antriebs- und Steuerungstechnologie. Rund 40 Prozent davon wurden außerhalb Nordamerikas erzielt. Für einzelne Geschäftsfelder und Märkte weisen wir keine gesonderten Zahlen aus. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

fluid: Welche Branchen sind Ihre Hauptabnehmer?

Unser Kundenstamm umfasst über 450 000 Unternehmen, die aus unserem umfassenden Produktportfolio mit Komponenten und Systemen aus einer Hand beliefert werden. Parker entwickelt und konstruiert Präzisionslösungen für mobile und industrielle Anwendungen sowie den Luft- und Raumfahrtsektor.

In Deutschland sind wir in allen Branchen vertreten. Sei es im Bauwesen, in der Schwerindustrie oder in Life Science Anwendungen – in fast allem, was sich bewegt, sind heute Technologien von Parker enthalten. Da fällt es schwer, sich auf einige Hauptabnehmer zu begrenzen.

fluid: In welchen neuen Märkten ist Parker Hannifin unterwegs?

Parker bedient mehr als 1000 Märkte, da kann ich Ihnen gar keinen Markt nennen, in dem wir nicht unterwegs sind. Durch die erfolgreiche Integration der Geschäftsbereiche Domnick Hunter, Hiross und Zander in den Parker-Konzern erschließen sich weitere Möglichkeiten, komplette kundenspezifische Systeme aus der gesamten Parker-Produktpalette zum Beispiel für die Medizintechnik, die Lebensmittelindustrie oder die Biotechnologie zu entwickeln.

Die Komponenten müssen hier nicht nur zuverlässig für Effizienz sorgen, sondern auch hohe Hygieneanforderungen erfüllen sowie der Behandlung mit starken Reinigungsmitteln standhalten.

Im Bereich erneuerbarer Energien, sei es Solar-, Wind- oder Wellenkraft, ist Parker mit den aufeinander abgestimmten Systemkomponenten der richtige Partner bereits in der Planungsphase.

fluid: Welche Regionen weltweit sehen Sie als Wachstumsmärkte?

Der Fokus liegt auf Europa, dabei konzentrieren wir uns natürlich auch auf Osteuropa, wie beispielsweise Russland als wichtigen Zukunftsmarkt. Dank des globalen Netzwerks von Parker und seinen zertifizierten Handelspartnern sind wir weltweit vertreten, und unsere Produkte und Systeme überall verfügbar.

fluid: Welche Branchen haben Sie für sich als Wachstumsbranchen identifiziert?

Wir wollen Lösungen entwickeln, die sich mit den Themen beschäftigen, die für die Menschheit wichtig sind, den Lebensstandard erhalten oder verbessern können. Dazu gehören Energie, Lebensmittelindustrie und Life Science genauso wie Umweltthemen.

Im Bereich der erneuerbaren Energien ist insbesondere die Windenergie sicherlich eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbranchen. Für diese Branche stellen wir neben Hydraulikaggregaten, elektromechanischen Blatt-Pitch-Regelsystemen, Bremssystemen, Pumpen und -motoren, Hydraulikventilen, Kupplungen, Hydraulikspeichern, Umrichter-Systemen und Schläuchen auch Filter, Messgeräte und Verbindungstechnik.

Als weitere Wachstumsmärkte haben wir Life Science im Fokus. Aufgrund des demografischen Wandels konzentrieren wir uns auch auf die Pharma- und Medizintechnik. Wir können Komplettlösungen anbieten, die die Produktivität erhöhen, ohne dabei die hohen Anforderungen dieser Industrien und den Umweltschutz zu vernachlässigen.

fluid: Was tut Parker Hannifin denn in Sachen Nachhaltigkeit?

Wir betrachten den gesamten Lebenszyklus unserer Lösungen von der Produktion bis hin zur Verpackung und nutzen unter anderem biobasierte Rohstoffe und umweltfreundliche Materialien bei der Produktion. Von der Produktion bis hin zur Verpackung ist Umweltschutz für uns selbstverständlich.

Die aus umweltschonenden Materialien entwickelten Filtertechnologien etwa erhöhen die Laufzeiten und die Zuverlässigkeit der Windenergieanlagen. Dank integrierender Lösungen, einzigartiger Konstruktionsmerkmale und weltweit synchronisierter Services wie Kanban, Kitting oder vormontierter, geprüfter Baugruppen lassen sich die Produktionskosten und -zeiten reduzieren.

Für Anwender ergeben sich höhere Wirkungsgrade, verkürzte Ausfallzeiten und geringerer Wartungsaufwand bei verbesserter Rentabilität.

fluid: Was halten Sie für die größte Herausforderung in der deutschen Industrie?

Eine der größten Herausforderungen auch an uns als Hersteller ist es, die Energieversorgung sicherer und klimaverträglicher zu gestalten sowie die Umweltbelastungen zu verringern. Aufgrund der begrenzten Energiereserven muss verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt werden.

Wir konzentrieren uns gemeinsam mit unseren Kunden auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse Gesundheit, Klima- und Ressourcenschutz, Sicherheit, Mobilität und Energie. Bereits in der Planungsphase arbeitet Parker partnerschaftlich mit seinen Kunden zusammen, um Energiesparpotenziale aufzuspüren.

Hier entwickeln unsere Systemingenieure smarte Lösungen, beispielsweise durch die Kombination von Elektromechanik und Hydraulik in Maschinen und Anlagen. In beinahe jedem industriellen Prozess, in dem Hydraulikpumpen eingesetzt werden, können hohe Energieeinsparungen und damit eine Verringerung des CO2-Ausstoßes erzielt werden.

Die individuelle Betrachtung des Lastprofils einer Anwendung gibt Aufschluss über die Höhe des Einsparpotenzials. Mit den energiesparenden Frequenzumrichtern bietet Parker zum Beispiel eine Systemkomponente, um die Verlustleistungen von Hydrauliksystemen zu verringern.

fluid: Neben mehr Energieeffizienz – worin liegen weitere Forschungsschwerpunkte für Parker Hannifin?

In unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit konzentrieren wir uns auch auf die Entwicklung leichter und kompakter Komponenten, die auch in engen Bauräumen verlässlich und produktiv sind. Die Miniaturisierung wird immer wichtiger.

fluid: Wie sehen Sie die Entwicklungschancen für weitere Automatisierungsmaßnahmen in Deutschland und weltweit vor dem Hintergrund der derzeitigen Auftragsauslastung in der Industrie?

Um weiterhin in Deutschland sowie in Europa wettbewerbsfähig zu bleiben, muss der Automatisierungsgrad ständig erhöht werden. Dies bedeutet aber nicht immer zwangsläufig, neue Maschinen zu entwickeln oder zu liefern. Parker hat gerade auch bei bestehenden Maschinen und Anlagen Antriebs- und Steuerungskonzepte entwickelt, mit denen unsere Kunden sehr viel Energie und somit auch Geld sparen können.

Durch den Einsatz von Energiespar-Umrichtern speziell bei Hydraulik-Anlagen können unsere Kunden bis zu 50 Prozent der Energiekosten einsparen. Diese Umrichter lassen sich während kurzer Stillstandszeiten in die vorhandenen Maschinen integrieren.

Auch bietet Parker Software-Lösungen zur Optimierung von Zykluszeiten an, um die Produktivität der Maschinen zu erhöhen. Mit solchen kleinen Maßnahmen können Produktionssteigerungen erzielt und der Energieverbrauch gesenkt werden, und dies alles ohne große Stillstandszeiten.

Außerdem verlangt die Industrie nach immer schnelleren, präziseren Maschinen und Anlagen. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden innovative Automatisierungs- und Energieeinsparlösungen.

Ohne ständige Automatisierungsmaßnahmen hätten unsere Kunden und somit auch wir langfristig keine Überlebenschance.

fluid: Wie sehen Sie die Chancen für die Hydraulik, sich gegenüber anderen Antriebstechnologien langfristig zu behaupten?

Durch die innovativen Systemlösungen mit hoher Leistungsdichte ist die hydraulische Antriebstechnologie nicht durch andere Antriebstechnologien ersetzbar. Die Hydraulik hat neben der Pneumatik und der Elektromechanik ihre Existenzberechtigung, und man kann langfristig nicht auf die Hydraulik verzichten.

Bei der Betrachtung der Energiebilanz hat die hydraulische Antriebstechnologie große Vorteile gegenüber alternativer Antriebstechnologie.

fluid: Welche Neuheiten stellen Sie zur Hannover Messe 2011 vor?

Parker ist in den Hallen 20, 23 und 26 präsent und stellt auf einem großen Außenbereich den Notfall- und Reparaturservice Hose Doctor, den mobilen Werkstattcontainer ParkerStore sowie weitere Services des ParkerStore Konzeptes vor.

Auf unserem 1200 m2 großen Hauptstand in Halle 23, Stand A50, zeigen wir alle Parker-Technologiebereiche und Systemlösungen. Mit den Marken Hiross, Zander und Domnick Hunter präsentieren wir innovative Lösungen für die Druckluft- und Gasaufbereitung.

Mit den neuen Filtern der GL-Serie bietet Parker Zander beispielsweise eine effiziente Alternative zur Reinigung industrieller Druckluft bei äußerst geringem Energieeinsatz. Wir zeigen neben neuen umweltfreundlichen und haltbaren Pneumatiksystemen von Parker Legris, Origa und KV auch aus der Elektromechanik das erweiterte Angebot an Servomotoren.

Die neuen gehäuse- und bürstenlosen Motoren der Baureihe HKW sind wassergekühlt. Der neue NX1 etwa gehört sogar zu den kleinsten weltweit verfügbaren Servomotoren.

Unseren Ruf als führender Hersteller in der Fluidtechnik stellen wir mit innovativen Verbindungs- und Rohrsystemen unter Beweis. Die Messebesucher finden bei uns effiziente und umweltschonende Lösungen für vielfältige Anwendungsbereiche.

Wir freuen uns auf interessante Gespräche mit unseren Kunden über Neuheiten sowie unsere Value Added Services. Und wir möchten auch neue Kunden von Parkers Innovationskraft und unserem umfassenden Angebot an alternativen, kostensparenden Antriebskonzepten überzeugen.

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