Überlebensstrategie für Ihr Unternehmen 1

Im Jahre 1917 wurde vom Forbes-Magazine die Forbes-100-Liste der erfolgreichsten Unternehmen herausgegeben. 2001 existierten noch 17 von 100 Unternehmen. Heute, 2014, ist es nur noch eins – General Electric. Eine Studie, in deren Rahmen Forscher 6772 Unternehmen über einen Zeitraum von 23 Jahren beobachtet haben, weist in die gleiche Richtung. Die Firmen wurden nach ihrer Leistungsfähigkeit in superior (überlegen), modal (mittelmäßig) und inferior (unterlegen) eingeteilt. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Nur fünf Prozent aller Unternehmen konnten sich zehn Jahre oder länger im Superior-Segment behaupten. Und lediglich 0,5 Prozent der Firmen hielten sich über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren im Top-Segment.

Die untersuchten Unternehmen und auch die der Forbes-Liste gehören zwar sehr unterschiedlichen Branchen an. Generell kann aber über Unternehmen mit temporärer und hoher Leistungsfähigkeit gesagt werden, dass sie sehr effizient mit hoher Exzellenz auf ihre Umweltsituation eingestellt sind. Ändern sich diese wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen allerdings, verpassen sie wie fast alle Unternehmen den Anschluss. Nur wenigen Ausnahmen gelingt es, immer wieder neue Quellen für ihren wirtschaftlichen Erfolg zu erschließen und sich „neu zu erfinden“. Unternehmen wiederum, denen das gelingt, haben begriffen, dass Wettbewerbsvorteile temporär begrenzt sind und immer wieder neu aufgebaut werden müssen.

Vorsprung dank Know-how und Qualität

Der Vorsprung deutscher Unternehmen im globalen Wettbewerb liegt seit Jahrzehnten in Know-how und qualitativ hochwertigen Produkten. „Made in Germany“ und nicht zuletzt auch „Managed in Germany“ sind zurzeit noch vor allem in Asien sehr begehrt. Allerdings steigen überall auf der Welt das Bildungsniveau und die Kreativität der Menschen und damit die Innovationskraft.

In den kommenden Jahren wird die Wirtschaft immer mehr von einem Wettrennen um die besten Ideen, die talentiertesten Mitarbeiter und die nachhaltigste Zukunftsstrategie bestimmt werden. Ein  Wettbewerbsvorsprung von vor zehn Jahren kann morgen wertlos sein. Die Veränderungsfähigkeit jedes einzelnen Unternehmens und sogar jedes einzelnen Mitarbeiters stehen auf dem Prüfstand.

Insolvenzverfahren 2013

Insgesamt 129.269 Insolvenzverfahren wurden in Deutschland 2013 eröffnet. 2012 waren es noch 137.000 Verfahren.

Anteil der Firmeninsolvenzen 2013

33,9 Prozent der Unternehmen die 2013 insolvent gingen, waren älter als zehn Jahre. 26,7 Prozent bestanden maximal zwei Jahre.

Unternehmens-Neugründungen 2013

2013 wurden 128.675 Unternehmen neu gegründet. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 24.877 Gründungen.

Vor allem Unternehmen im B2B fällt es immer noch schwer, dem Wandel die passenden Strategien entgegenzusetzen und Veränderungen zuzulassen. Zu sehr bestimmen das dringende operative Tagesgeschäft und unsere auf Quartalszahlen ausgerichtete Wirtschaftskultur den Ablauf. Für durchaus als wichtig empfundene Veränderungen oder gar für die Beobachtung von Entwicklungen und Trends, auf die reagiert werden müsste, bleibt keine Zeit. Dringend schlägt wichtig, und so lange der Erfolg da ist, sehen viele Unternehmer auch keinen Grund, sich weiterführende Gedanken zu machen. Erfolg ist immer der Erfolg von Management und Geschäftsführung, Misserfolg wird immer der Marktsituation und ungünstigen Rahmenbedingungen zugesprochen.

So verschwinden nach und nach bekannte und weniger bekannte Unternehmen und Marken vom Markt; wenn ausländische Investoren Hauptanteile übernehmen oder Konzerne Familienunternehmen kaufen, sogar völlig unbemerkt.

Fünf Erfolgsprinzipien für Unternehmen der Zukunft

Die gute Nachricht ist: Jedes Unternehmen kann eine Future Company werden. Unter Berücksichtigung nur weniger Prinzipien lässt sich ein zukunftsfähiger Unternehmensstil entwickeln. Dabei geht es nicht um Veränderungen, sondern um Transformation. Eine Raupe bleibt eine Raupe, bleibt eine Raupe. Ich kann sie silbern anmalen, wenn ich sie verkaufen möchte, oder ihr Flügel ankleben.  Sie ist und bleibt eine Raupe. Erst durch die Transformation wird sie zum Schmetterling und damit zu etwas ganz Besonderem.

Bild: everythingpossible - Fotolia.com

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Prinzip 1: Transformation zur kollaborativen Führungskultur

Die Führungs- und Kommunikationskultur eines Unternehmens entscheidet über seine Veränderungsfähigkeit. In Zukunft wird nicht mehr der unfehlbare Manager an der Spitze der Organisation gefragt sein, sondern der Gestalter und Veränderer. Mitarbeiter wollen nicht mehr kontrolliert werden, sie möchten, dass ihnen vertraut wird. Die jungen, nach 1990 geborenen Mitarbeiter verursachen einen Wertewandel, der nicht aufzuhalten ist. In der Old Economy bedeutete Führung Macht, Kontrolle und Herrschaft. In Zukunft werden Vertrauen, Wertschätzung und Leidenschaft für den Erfolg verantwortlich sein.

Prinzip 2: Transformation durch Talent-Management

Über die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel ist schon viel geschrieben worden (Emotionale Mitarbeiterbindung, Wissensverlust und Fachkräftemangel vorbeugen). Tatsächlich ist die Belegschaft in vielen Unternehmen überaltert. Wenn Mitarbeiter in Rente gehen, verlassen auch große Erfahrung und unschätzbares Wissen das Unternehmen. Dabei steht und fällt der Unternehmenserfolg genau damit. Das Talent der Mitarbeiter ist das wertvollste Gut, das ein Unternehmen besitzt. Doch die wenigsten Unternehmen haben nachhaltige Strategien für Talent-Management. Der Gewinnung bestens qualifizierter neuer Mitarbeiter und der Bindung von talentierten Mitarbeitern wird immer noch zu wenig Beachtung geschenkt. Viel zu oft wird noch mit finanziellen Anreizen und einem sicheren Arbeitsplatz geworben. Dabei sind das schon längst nicht mehr die Kriterien, nach denen die jungen Generationen ihre Arbeitgeber auswählen. Viel wichtiger sind ihnen eine offene Unternehmenskultur, die Werte, für die ein Unternehmen steht, und die Frage nach individuell auf die Leidenschaften und Lebensstile abgestimmten Karriereoptionen.

Prinzip 3: Transformation durch Bildung

Drei „K“ machen Unternehmen intelligenter: Kommunikation, Kollaboration und Kreativität. Ein Unternehmen ist nur so intelligent, wie es seine Mitarbeiter sein dürfen. Die Zukunft gehört Unternehmen, die sich selbst als „lernende Organisation“ betrachten. Bisher wurde viel von der Wissensökonomie geschrieben und über ihre Bedeutung als wichtigste Ressource in Zeiten der Digitalisierung. Aber Wissen allein nutzt niemanden. Entscheidend wird die Fähigkeit sein, Wissen anzuwenden und neu zu kombinieren. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Raum geben, ihre Ressourcen einzusetzen. Das geht über das bisherige Verständnis von Teambuilding, das in der Regel ein konkretes Ziel verfolgt, weit hinaus.

Prinzip 4: Transformation durch kreative Innovationskultur

Kunden kaufen heute nicht mehr ungefragt, was ihnen Unternehmen vorsetzen. Kunden wollen gefragt werden und sie wollen den Dialog. Zukunftsfähige Unternehmen lernen, damit umzugehen statt sich nach dem alten Zustand zurückzusehnen. Open Innovation und Cross Innovation werden immer wichtiger werden. Eine zukunftsfähige Innovationskultur bedient sich nicht nur am Wissen anderer Branchen, sondern gezielt am Wissen von Kunden, Lieferanten und sogar der „Crowd“ im Internet. Sie lässt Einflüsse von außen zu und setzt auf den Experimentierwillen der Mitarbeiter. Laut einer Studie der Economist Intelligence Unit stammen nur neun Prozent der Innovationen von Experten aus den F&E-Abteilungen. 29 Prozent kommen von Mitarbeitern aus anderen Abteilungen und 46 Prozent stammen aus den Reihen der Kunden und Zulieferer.

Prinzip 5: Transformation durch Vernetzung

Wandlungsfähigkeit ist in hohem Maße auch eine Frage der Kooperation, die in einer immer stärker vernetzten und globalisierten Welt zu einer Frage des Überlebens wird. Um am Puls der Zeit zu bleiben und Veränderungen in der internationalen Wirtschaft und Gesellschaft mitzubekommen, müssen Unternehmen sich öffnen und in den Dialog mit ihren Stakeholdern, aber auch mit ihren Kritikern eintreten. Es gibt unendlich viele Impulse für Veränderungen, Unternehmen müssen sie nur wahrnehmen. Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und vor allem Kritiker kennen die blinden Flecken und ungenutzten Chancen eines Unternehmens.

Autor: Jürgen Schöntauf, Amedes