Nicht für Anfänger geeignet: Dominik Gührs aus München holte mit gekonnten Sprüngen für das

Nicht für Anfänger geeignet: Dominik Gührs aus München holte mit gekonnten Sprüngen für das Team Rixen bereits mehrere internationale Titel.

Zugegeben, auf den ersten Blick sind Wasserski- und Wakeboardseilbahnen technisch nichts Aufregendes. Prickelnd ist aber das, was sich mit antriebstechnischer Unterstützung damit anstellen lässt. Spannend ist obendrein die Entwicklungsgeschichte des Wasserskilifts – die wir aufgrund des Besuchs bei der Firma Rixen Cableways in Dachau hier nachzeichnen.Was tun, wenn eine Minute des geliebten Wasserskifahrens hinter einem Motorboot her im Durchschnitt umgerechnet 2 Euro kostet, man sich das als Student aber nicht leisten kann? Ganz einfach: man lässt sich viel kostengünstiger von einem Lift über das Wasser ziehen. Aber was, wenn es so eine Wasserskiseilbahn überhaupt noch nicht gibt? Dann entwickelt man eben selber eine. So hat es jedenfalls Bruno Rixen gemacht, der im Jahre 1961 die Firma Rixen Seilbahnen gründete und heute mit über 255 in mehr als 45 Ländern der Erde verkauften Wasserskianlagen der mit Abstand größte Anbieter dieser Technik ist.

Lanz-Bulldog als Antrieb
Vier, fünf oder sechs Masten, ein umlaufendes Seil, an dem der Wasserskifahrer im Kreis herum über den See gezogen wird – das klingt einfach. Doch wie so oft liegt auch hier die Tücke im Detail. Natürlich kam diese Wasserskiseilbahn nicht voll ausgereift auf die Welt. Sie musste Stück für Stück selbst entwickelt werden, denn es gab ja kein Vorbild. Jede Schwachstelle des Systems wurde am eigenen Leib im wahrsten Sinne des Wortes durch Herrn Rixen „erfahren“ und durch Tüftelei und gute Ideen, viele davon patentiert, beseitigt. Solange, bis jedes Detail reibungslos funktionierte. Am Anfang stand dabei nicht recht viel mehr als ein Wunsch und eine Idee.

Bruno Rixen, der Gründer der Firma Rixen Seilbahnen, hat gut lachen: er hält sich nach wie vor durch Wasserskifahren fit.

Und das kam so: Nach  Abschluss seines Maschinenbaustudiums unternahm Bruno Rixen, 1931 in Kiel geboren, im Jahr 1958 in seiner BMW Isetta zusammen mit einem Kommilitonen eine Europareise. In Holland sahen sie Wasserskiläufer hinter einem Motorboot fahren und haben das dort gleich selber auch probiert. Ein Traum für Rixen, der diesen Sport bis dahin nur von Bildern in Zeitschriften kannte, aber ungemein faszinierend fand. Ab diesem Zeitpunkt war es um den Ingenieur endgültig geschehen und die Frage, wie es zu schaffen sei, dass er diesen Sport selbst weiter ausüben konnte, beschäftigte ihn fortan Tag und Nacht.

Sehr bald wurden aus Gedanken dann auch entsprechende Taten: Er beschloss, einen eigenen Wasserskilift zu bauen. Die Mittel waren Ende der 50er Jahre sehr beschränkt, aber man wusste sich zu helfen: Ein 600 Meter langes Seil kaufte ihm ein Freund und die benötigten Umlenkräder stammten vom Mähdrescher seines Bruders. Das Seil wurde kurzerhand in 6 Metern Höhe an den Bäumen am Uferrand befestigt, wofür der Förster 3 Mark bekam, was durchaus viel Geld war – man hätte dafür auch einen knappen Monatsbedarf an  Schweinekotelett kaufen können.

Den Antrieb besorgte ein geliehener Lanz-Bulldog und die Skier hatte Rixen in seinem Urlaub in dreitägiger Handarbeit selber gebastelt. Die erste Wasserskiseilbahn war gebaut! Es war eine Bahn in Form eines Dreiecks mit jeweils zwei Bäumen als Masten und einer freischwebenden Antriebsrolle als dritten Wendepunkt, die über ein Antriebsseil mit dem Lanz-Bulldog am Ufer verbunden war. Der Start hat auch sofort funktioniert, aber ebenso schnell offenbarte sich auch, wo die Schwierigkeiten lagen.

Anfänger, Könner, Familien oder Sonnenanbeter – ob als Schaulustige bei Wettbewerben oder als Liebhaber sportlicher Freizeitgestaltung: jeder kann im Wasserskipark auf seine Kosten kommen.

Als erstes musste das Problem der Kurven gelöst werden: Man kann nicht ohne weiteres bei 30 km/h um eine 90 Grad-Kurve fahren. Fährt man nämlich direkt unter dem Umlaufseil, lässt in der Kurve kurzzeitig die Geschwindigkeit und die Spannung des Schleppseiles nach. Der Fahrer bekommt dann das gefürchtete Schlaffseil. Zwar bewegt sich das umlaufende Seil oben mit konstanter Geschwindigkeit weiter, aber durch die kurvenbedingt verminderte Spannung sinkt der Fahrer etwas in das Wasser ein. Bei der Wiederanfahrt aus der Kurve heraus spürt der Fahrer am Haltegriff einen derartigen Ruck, dass es so gut wie jeden Fahrer, jedenfalls aber jeden Anfänger, unweigerlich von seinen Brettern hebt. Der Effekt ist umso folgenreicher, je spitzer der Winkel ist. Insofern war die erste Bahn mit ihren nur drei Wendepunkten sogar eine besondere Herausforderung.

Anfangs experimentierte Bruno Rixen, der in der Kurve auch so manches Mal im Schilf des Sees gelandet war, hier mit zwei verschieden langen Schleppleinen. In zehn Metern Abstand voneinander am Umlaufseil angebracht, ließ sich dann mit ihnen um die Kurve fahren. Die viel simplere Lösung fand sich aber durch Erfahrung beim Fahren und Konstruktionszeichnungen am Reißbrett. Fährt man nämlich vor der Umlenkstelle einen Bogen neun Meter weit nach außen, bleibt die Geschwindigkeit gleich der des Umlaufseiles und das Schleppseil die ganze Zeit über straff, so dass man ohne Probleme, aber dafür mit gehörigem Spaß, um die Kurve kommt.

Nicht für Anfänger geeignet: Dominik Gührs aus München holte mit gekonnten Sprüngen für das Team Rixen bereits mehrere internationale Titel.

Heute werden außerdem die Bahnen mit wenigstens vier, oft auch mit fünf oder sechs Masten gebaut, um die Winkel stumpfer zu machen und so das Kurvenproblem zu entschärfen. Denn wer möchte schon gerne öfter als nötig bereits nach der ersten Kurve aus dem Ring geworfen werden, mit Brettern im Arm an Land zurückschwimmen, zu Fuß zum Startplatz zurücklaufen und sich wieder anstellen? Mit dem entsprechenden Know-how lässt sich dagegen nach ein paar Übungsstunden fortlaufend im Kreis fahren und in den berühmten Flow kommen.

Ankupplungssystem für mehrere Fahrer
Genau diesen Flow vermisste Rixen in der Anfangszeit, denn zunächst konnte immer nur ein Fahrer an der Bahn fahren – wollte ein anderer starten, musste die Bahn angehalten werden, damit die Fahrer tauschen konnten. Sehr bald wurde klar, dass dieses Procedere umständlich und unwirtschaftlich ist. Also dachte Rixen über ein Ankupplungssystem für mehrere Fahrer nach.

Sinn würde das aber nur machen, wenn neue Fahrer während des laufenden Betriebes, also bei einer Geschwindigkeit des Umlaufseiles von bis zu 58 km/h, dazukommen könnten, denn sonst müsste für jeden neuen Start die Bahn trotzdem angehalten werden. Alle anderen Fahrer wären ins Wasser eingesunken und könnten vermutlich den Neustart nicht bewältigen. Wie konnte es also gehen? Unmöglich, die Fahrer direkt unter dem Umlaufseil starten zu lassen, da sie dort augenblicklich auf die volle Geschwindigkeit beschleunigt werden würden, was mehr Stürze als gelungene Starts zur Folge hätte.

Autorin Ragna Sonderleittner beim geglückten Selbstversuch!

Monatelang beschäftigte den Tüftler diese Aufgabenstellung, bis sich irgendwann die Lösung klar vor seinen Augen abzeichnete: Die weiteren Fahrer starten nicht unter dem Umlaufseil, sondern in einem 90 Grad-Winkel seitlich zum Umlaufseil im Abstand der Länge ihrer Schleppleine. So werden sie in einem Bogen unter das Seil gezogen und dabei gleichmäßig und schonend beschleunigt – bis sie unter dem Umlaufseil angekommen sind und die laufende Rundengeschwindigkeit erreicht haben. Zum ein- und auskoppeln der Fahrer bei laufendem Betrieb dient ein ebenfalls selbstentwickelter Mechanismus.

Am Startplatz ist am Mastausleger ein Magazin angebracht, in dem mehrere Schleppleinen hintereinander anliegen. Das oberes Ende jeder dieser Leinen schließt mit einer Metallkugel ab, die beim Einkuppeln von einer Magazin-Ladestange nach vorne bis in die Bahn der Mitnehmer geschoben wird. Beim Auskuppeln bewegt sich eine Fanggabel unter die ankommenden Mitnehmer, nimmt die Kugel der Schleppleine auf und führt sie mittels einer zweiten kleinen Transportseilbahn in ein unteres Magazin. Dabei wird die Fanggabel pneumatisch bewegt und von einer zeitgemäßen und sicheren Industrieanlagensteuerung von Siemens gesteuert.

Diese Steuerung erlaubt dem Bediener des Liftes am Startplatz nicht nur das gezielte Ein- und Auskoppeln, sondern gibt auch genaue Informationen darüber, wie schnell die Mitnehmer fahren und wieviele Runden welcher Mitnehmer bereits absolviert hat. Eine derart angelegte Seilbahn hat die Kapazität von 30 Motorbooten und so konnte sich das Wasserskifahren überhaupt erst zu einem Breitensport entwickeln – erschwinglich und nahezu überall zu realisieren. Egal ob auf einem Natursee, einem Baggersee oder einer künstlich angelegten Wasserfläche, dank mobiler kleiner Anlagen sogar in einem Schwimmbad – überall und jederzeit kann gefahren werden.

Wakeboarden wird eventuell olympische Disziplin
Natürlich ist man bei solchen Anlagen nicht alleine auf das klassische Wasserskifahren beschränkt. Monoskifahren, eine Technik, bei der beide Füße hintereinander auf einem Ski stehen, ist genauso möglich wie das mittlerweile extrem populäre Wakeboarden. Wakeboarden ist dem Snowboarden vergleichbar. Gefahren wird mit einem Brett, wobei die Körperachse im 90°-Winkel zur Fahrtrichtung steht.

Die Autorin hat im Selbstversuch den hohen Spaßfaktor beim Wakeboarden entdeckt – natürlich beim ersten Mal am Anfängerlift.

Inzwischen hat das Internationale Olympische Kommitee das Wakeboarden als eine von drei Sportarten auf die sogenannte Short List für die olympischen Spiele 2020 gesetzt, von denen dann eventuelle neue Disziplinen ausgewählt werden. Die endgültige Entscheidung, ob und welche der Sportarten aufgenommen werden, fällt 2013 und Wakeboarden hat gute Chancen, als olympische Disziplin anerkannt und eingeführt zu werden.

Doch zurück zu den technischen Entwicklungen die nötig waren, um den heutigen technischen Stand zu erreichen. Bald zeigte sich nämlich das nächste Problem: Das Umlaufseil fing nach einigen Stunden Fahrzeit an, sich um sich selbst zu drehen. Dieser sogenannte Seildrall, das Bestreben eines Seils, sich entgegen seiner Schlagrichtung zu drehen, bewirkt eine Spannung in dem Seil, die sich nicht mehr zurückbildet und zwischen den Seilscheiben gefangen ist.

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Die Lebensdauer eines derart belasteten Seiles leidet darunter erheblich. Immerhin liegen die Anschaffungskosten bei rund 5000 bis 8000 Euro pro Seil für eine durchschnittliche Anlage. Abgesehen davon besteht, sobald der Fahrer seinen Griff loslässt, die Gefahr, dass durch den Drall des Umlaufseiles die Schleppleine ruckartig nach oben schnalzt und sich um das Umlaufseil wickelt. Aber auch ohne ein derartiges Missgeschick dreht sich auf jeden Fall der Mitnehmerhaken ebenfalls um das Seil und fährt dann mit dem Rücken in die Seilrille der nächsten Umlenkrolle ein, hebelt das Seil aus der Rille aus und es kommt zur Entgleisung und dem Abriss des Seiles. Solche Unfälle bedeuteten für Bruno Rixen in der Anfangszeit oft ausdauerndes und geduldiges wieder Zusammenspleißen der Seilenden.

Neigung zu einfachen aber pfiffigen Lösungen
Diesen Seildrall gleicht Rixen mit einer neuen, ebenfalls patentierten Idee aus: Er verwendet zwei übereinander angeordnete Zugseile, von denen das obere nach rechts geschlagen ist und das untere nach links, so dass der Seildrall in dem Doppelsystem ausgeglichen wird. Beide Seile haben einen Abstand von etwa 40 Zentimetern und sind durch den Mitnehmer fest miteinander verbunden. Den Mitnehmer bilden dabei zwei Metallrohre, Vor- und Nachläufer, sowie zwei diagonal dazwischen verspannte Seile. Die beiden Umlaufseile laufen somit parallel über die ebenfalls gedoppelten Umlaufräder, die an den Auslegern der Masten befestigt sind. Diese Umlaufräder haben einen möglichst großen Radius, damit die Seile nicht zu stark gebogen werden und so länger halten. In den Anfängen hatte ein Umlenkrad einen Durchmesser von 35 cm – heute sind 140 cm üblich.

Auch in anderer Hinsicht hat sich hier etwas getan. Die Seilenden werden heute nicht mehr verspleißt. Dieses Verfahren ist enorm zeitaufwendig und daher auch sehr teuer. Aus verschiedenen Gründen müssen die Seile aber geöffnet und nachgespannt werden können. Zum einen erleben Seile nach einiger Zeit generell eine Längenausdehnung und müssen gekürzt werden, damit die Spannung in der Anlage konstant bleibt. Nach der Einlaufzeit findet das etwa einmal im Jahr statt. Andererseits sind die beiden Seile des doppelten Umlaufseiles immer unterschiedlich lang, da die Umlenkrollen nicht exakt waagerecht, sondern um einige Grad geneigt ausgerichtet sind. Dadurch variiert auch die jeweilige Längenausdehnung, beide Seile dehnen sich in unterschiedlichem Tempo und müssen jeweils exakt nachspannbar sein.

Als eine solche, zuverlässig feste, aber jederzeit leicht zu öffnende Verbindung der Seilenden, hat Tüftler Rixen eine Keilklemme entwickelt, die rein mechanisch nur mit dem Zug und der Reibung der Seile gegen die Klemme arbeitet. Die Seilenden werden dabei durch eine Bohrung in einem Stahlbügel geführt und von der anderen Seite mit einem sich selbst festziehenden Keil verklemmt.

All diese Verbesserungen und noch unzählige mehr hat Bruno Rixen im Laufe von 50 Jahren entwickelt. Viele seiner Erfindungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie scheinbar recht simpel daherkommen, aber sich in der Anwendung als langlebig, zuverlässig und belastbar erweisen. Er selbst führt diese Neigung zu einfachen aber pfiffigen Lösungen auf seine Herkunft aus der Landwirtschaft zurück. Dort hätten die Maschinen und Werkzeuge eben einfach funktionieren müssen, wenn es in der Erntezeit darauf ankam, und außerdem mussten sie im Zweifel auch mal mit Hammer und Kneifzange zu reparieren sein.

Bodenständige Bescheidenheit
Dass aus seiner Erfindung, dem Wasserskilift, einmal eine weltweit operierende Firma hervorgehen würde, kommentiert er stets mit bodenständiger Bescheidenheit und betont, dass seinem Fleiß, Können und Durchhaltevermögen doch sehr oft Glück und Zufall geholfen hätten – sonst hätte all das nicht klappen können.

Die Autorin dieser Reportage hat Bruno Rixen in seiner Firma in Dachau getroffen. Nach dem Gespräch zeigt er beim Hinausgehen im Lager mit dem Finger noch auf einen neuen Seilbahnantrieb – fertiggestellt und bereit zur Auslieferung für die nächste Anlage. „Da, schauen Sie mal, von denen geht im Sommer gerade jede Woche einer raus.“ Nach dieser beiläufigen Bemerkung verabschiedet sich Rixen, schließt das Gebäude ab, setzt sich auf sein altes, aber geliebtes Hollandfahrrad und fährt nach Hause.

Um es abschließend noch etwas transparenter zu machen: Eine durchschnittliche Wasserskiliftanlage mit einem großen Lift und ein paar Wakeboard-Sprungrampen, einem kleinen Anfängerlift, den Seilen, der Montage, der Antriebstechnik und der Steuerung kostet durchaus gute 300.000 Euro – je nach Eigenleistung des Kunden.

Autorin: Ragna Sonderleittner, freie Journalistin für antriebspraxis