Bild: © everythingpossible - Fotolia.com

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Eine Studie der H&Z Unternehmensberatung über den Maschinen- und Anlagenbau im DACH-Raum stößt auf Widersprüche zwischen Markttrends und Handlungen der Unternehmen.

Maschinen- und Anlagenbauer aus der DACH-Region sind unter Druck: Die Anteile am Weltmarkt verschieben sich zugunsten asiatischer Unternehmen. Schon heute entfällt auf diese fast die Hälfte des weltweiten Maschinenbauumsatzes. Auch den Anforderungen in den neuen aufstrebenden Märkten werden die Unternehmen aus dem DACH-Raum mit ihren High-End-Lösungen zunehmend weniger gerecht, so eine Studie, welche die Unternehmensberatung H&Z herausgegeben hat.

„Zu teuer, zu unflexibel und zu hochwertig, das sind die typischen Nachteile von DACH-Unternehmen im Weltmarkt “, fasst Christian Offergeld, Geschäftsführer H&Z Business Consulting Schweiz, die Studienergebnisse zusammen. „Überraschenderweise ergreifen die Unternehmen jedoch nicht entsprechende Lösungsansätze, obwohl sie erkannt haben, wohin der Weg geht.“

Für die Studie zur Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus in der DACH-Region wurden Anfang 2015 über 260 Führungskräfte zu den Trends und den ergriffenen Lösungsansätzen befragt, ergänzt durch 15 Tiefeninterviews. Mit Blick auf die Hannover Messe Mitte April gab es eine überraschend klare Einstellung zum Thema Industrie 4.0: Nur 18 Prozent der befragten Führungskräfte beschäftigen sich damit.

Neue Märkte – neue Anforderungen

Die beste Qualität ist im weltweiten Maschinen- und Anlagengeschäft zunehmend weniger von Bedeutung. „Gefragt sind innovative, qualitativ ausreichende Lösungen, die zu niedrigen Kosten schnell umgesetzt werden“, erklärt Christian Haas, Partner im Unternehmen. Dass es dazu regionale Lösungen braucht, darin sind sich drei Viertel der befragten Führungskräfte einig. Umso verwunderlicher ist es, dass nur 41 Prozent neue Märkte mit regionalen Produkten erfolgreich erschließen wollen.

Und nur 28 Prozent ziehen eine teilweise Auslagerung von Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten in Betracht. Dabei haben asiatische Unternehmen gerade durch ihr schnelles Engineering und ihre neuen, teilweise unkonventionellen Lösungsansätze zunehmend Absatzvorteile. Das sagen 59 Prozent der befragten Führungskräfte. Ganze 89 Prozent der erfolgreichen Unternehmen mit einem EBIT über zehn Prozent erkennen die hier wachsende Bedrohung für den einst im Engineering überzeugenden Maschinen- und Anlagenbau der DACH-Länder.

Überspezifizierte Anlagen

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Am Markt vorbei entwickelt, so könnte man den aktuellen Weg einiger Maschinen- und Anlagenbauer der DACH-Region bezeichnen. Ihre Produkte leiden teilweise an einem zu hohen technologischen Reifegrad. Über die Hälfte der befragten Unterne

hmen sieht darin eine der wichtigsten Herausforderung für die Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus im DACH-Raum.

Vor allem Materialstärken und Sicherheitsfaktoren, die dem europäischen Premiumstandard der Hersteller entsprechen, sind für den Markt der Schwellenländer meist zu hoch und zu teuer. Aber obwohl die europäischen Standards im Vergleich höher sind als die in Asien haben Unternehmen aus der DACH-Region ihre unangefochtene Stellung im Risikomanagement und bei Sicherheitsthemen verloren, sagen 59 Prozent der Befragten. Das schwächt zusätzlich die Rechtfertigung für ihre hohen Preise.

Lösungskompetenzen statt Komponenten

Auf dem Weltmarkt zählen heute Schnelligkeit und Flexibilität. Jedoch punkten auch darin nicht die DACH-Unternehmen, sondern die neuen asiatischen Konkurrenten. 81 Prozent der Befragten bestätigen, dass diese deutlich agiler und flexibler sind als ihre europäischen Wettbewerber. „Es ist ein Wettstreit um Lösungskompetenzen, statt um Komponenten entbrannt“, erklärt Christian Haas. Produkte müssten schnell und flexibel gestaltet und kontinuierlich angepasst werden. Dass haben 89 Prozent der erfolgreichen Unternehmen erkannt, aber nur 58 Prozent der weniger erfolgreichen.

Die falschen Kosten im Blick

Einfach zu teuer, so die selbstkritische Einschätzung der Hälfte aller befragten Maschinen- und Anlagenbauer des DACH-Raums. Selbst unter Betrachtung der Lebenszykluskosten sind die Hersteller preislich größtenteils nicht mehr konkurrenzfähig. Obwohl sie dringend ihre Kosten senken müssen, um mit ihren asiatischen Konkurrenten besser mithalten zu können, nutzen 40 Prozent der befragten Unternehmen nicht einmal die bekannten Werkzeuge zur Kostenkontrolle wie beispielsweise Design to Cost oder Target Costing.

Auch neue Umsatztreiber im Maschinen- und Anlagenbau wie beispielsweise das Aftersales-Geschäft, das deutlich höhere Margen aufweist als das umkämpfte Neuanlagengeschäft, werden selten genutzt. Aber eine Trendwende ist hier in Sicht: 91 Prozent der Befragten haben erkannt, dass Aftersales ein wesentliches Element der Unternehmensstrategie werden muss.

Lösungsansätze erfolgreicher Unternehmen

Die Studie zeigt, dass gerade die erfolgreichen Maschinen- und Anlagenbauer der DACH-Region mit einem EBIT über zehn Prozent nicht nur die Markttrends erkennen, sondern sie auch anpacken. Regelmäßig passen sie ihre Geschäftsstrategie den aktuellen Entwicklungen an (90 Prozent). Betrachtet man die Gesamtheit der befragten Unternehmen, offenbart sich hier die Lücke zwischen dem Erkennen von Trends und entsprechendem Handeln: Obwohl die große Mehrheit eine regelmäßige Anpassung der Geschäftsstrategie als erforderlich ansieht, ziehen nur 25 Prozent eine Transformation der Organisation oder eine Verringerung der Wertschöpfungstiefe in Betracht. Auch das Thema Make or Buy wird aktuell nicht aktiv verfolgt.

Offshoring als Möglichkeit, einzelne Schritte und Komponenten der Entwicklungsaktivitäten in Schwellenländer zu verlagern, wird bislang von 85 Prozent der Umfrageteilnehmer abgelehnt. Allerdings zeigt sich, dass gerade die befragten erfolgreichen Unternehmen eine partielle Verlagerung von Entwicklungstätigkeiten bereits durchführen, wobei Kernentwicklungen am europäischen Hauptstandort bleiben.

Um mit ihrer Innovationskompetenz weiterhin am Markt führend zu sein, müssten Hersteller aus der DACH-Region Innovation zielgerichtet gestalten; dazu gehöre auch, Lieferanten im Innovationsprozess stärker zu integrieren, schlussfolgern die Herausgeber der Studie. do

Anna Zipse, H&Z Unternehmensberatung