Vitus Zeller - Bild: ke NEXT / wk

„Je kleiner und je komplexer die Bauteile sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit der additiven Fertigung Sinn ergibt.“ Vitus Zeller ist Geschäftsführer und kaufmännischer Leiter der Firma Zmart Part in Rosenheim. Der Betriebswirt baut seit drei Jahren sein Startup auf. Bild: ke NEXT / wk

Was hat Sie auf die Idee für Zmart Part gebracht?
Unsere Firma ist aus dem Konstruktionsbüro meines Geschäftspartners Markus Krapfl entstanden. Er wollte eine Veränderung und ich wollte ein Unternehmen gründen. Das hat sehr gut zusammengepasst. So haben wir entschieden, uns mit der additiven Fertigung zu beschäftigen, weil wir gemerkt haben, dass es eine Lücke gibt zwischen Maschinenbauern, Sondermaschinenbauern, und denjenigen Lohnfertigern, die additive Fertigung und 3D-Druck anbieten. Wir haben gemerkt, dass man im Maschinenbau oft nicht weiß, was man überhaupt mit der additiven Fertigung anfangen soll. Auf Seiten der Dienstleister, die überwiegend aus dem Formen- oder Modellbau kommen, konnten wir feststellen, dass die meisten eigentlich keinen Schimmer von der Maschinenbau-Technik haben. Da haben wir eine fehlende Schnittstelle, und genau hier sehen wir die Firma Zmart Part. Wir bringen einerseits das technische Know-how aus der Konstruktion mit, um die Potenziale aufzuzeigen. Auf der anderen Seite haben wir auch das Fertigungs- und Engineering-Know-how, das man braucht, damit man die Vorteile der additiven Fertigung nutzen kann.

Welche Dienstleistungen bieten Sie genau an?
Wir bieten zunächst die Information, was man überhaupt mit der Technologie machen kann. Am liebsten fahren wir zu einem neuen Kunden erst mal hin, schauen uns seine Maschinen an, was er produziert, und beraten ihn, ob es zum aktuellen Stand der Technik überhaupt Potenzial mit der additiven Fertigung gibt. Wenn wir sehen, da gibt es Kosteneinsparpotenziale, aber auch Potenziale bezüglich einer schnelleren Produktions- und Entwicklungszeit, dann helfen wir, das Projekt mit unseren Kunden auch umzusetzen. Wenn der Kunde das möchte, organisieren wir sogar die komplette additive Fertigung samt Kontakt zum Dienstleister. Er bekommt dann alles aus einer Hand.

Sie haben gesagt, Sie analysieren den Prozess des Kunden. Was sind typische Fälle, bei denen Sie Potenziale sehen?
Es ist ein bisschen schwierig aktuell, aber man kann dahingehend verallgemeinern: Je kleiner und je komplexer die Bauteile sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit der additiven Fertigung Sinn ergibt. Das würde ich mal ganz kurz und knapp so sagen.

Wie ist es kostenseitig? Die Materialien sind teurer als herkömmliche Materialien, die Maschinen sind noch recht teuer, es ist viel Nacharbeit nötig. Ist das noch so oder tut sich da was?
Das ist natürlich so. Da bin ich absolut bei Ihnen. Ich denke, da muss man auch die Drucker-Hersteller ein bisschen in die Pflicht nehmen. Da bewegt sich relativ wenig, die Preise fallen nicht. Das ist bei einer neuen Technologie aber einfach notwendig, damit sie sich verbreiten kann und am Ende wirklich Erfolg hat. Aber es kommt wie gesagt auf die Anwendung an. Bei passenden Anwendungen macht die additive Fertigung mittlerweile schon sehr viel Sinn.

Gibt es Stückzahlen, ab denen sich es lohnt?
Anhaltspunkte gibt es, aber es hängt vom Material, von der Größe der Bauteile und deren Komplexität ab. Man kann schon ein paar hundert Teile mit Metall machen und das kann sich durchaus lohnen. Im Kunststoffbereich ist es ein Stück besser, da sind die Preise nicht mehr so extrem hoch.

Haben Sie sich auf irgendein Fertigungsverfahren spezialisiert?
Nein, wir nicht. Unsere Fertigungsdienstleister natürlich schon, aber wir wollen unsere Kunden voll umfänglich beraten. Wenn der Kunde nur Prototypen braucht, muss er eine andere Technologie benutzen als wenn er Kleinserien braucht. Wir nutzen alles, was es gibt und was Sinn macht.

Wie glauben Sie wird sich die Branche in den kommenden Jahren entwickeln?
Wie es sich genau entwickeln wird, weiß ich natürlich nicht. Ich erwarte, dass die Maschinen besser automatisiert werden, dass da viel weniger Handarbeit notwendig ist und dass die Maschinen schneller werden. Außerdem, dass die Materialien günstiger werden. Ich erwarte, dass die Technologie insgesamt für viel mehr Anwendungen interessant wird.