Oliver Kowalski, Unternehmensberatung Hays

Oliver Kowalski, Unternehmensberatung Hays

Die Vernetzung in der Industrie nimmt immer stärker zu. In der  Industrie 4.o sollen Maschinen selbstständig untereinander kommunizieren und agieren. Doch wo bleibt hier der Mensch? ke NEXT fragte bei Oliver Kowalski, Unternehmensberatung Hays, nach, welche Rolle der Mensch in der Zukunftsfabrik spielen wird.

In Zukunft wird die Industrie 4.0 immer wichtiger, die Vernetzung von Maschinen und Prozessen. Was denken Sie: Ist der Faktor Mensch in der Produktion und in den Prozessen weiterhin wichtig?

Ja das glaube ich definitiv. Es gibt hier unheimlich viele Security- und Compliance-Themen, die weiter berücksichtigt werden müssen. Gerade auch das Thema Security ist ein unheimlich wichtiger Punkt. Hier braucht es dann noch Menschen, die die ganzen Prozesse im Blick haben. Und auch das Thema Einsatzplanung, also wie werden Mitarbeiter in den Fabriken und in der Produktion letztendlich eingesetzt, das kann letztendlich nur vom Menschen gesteuert werden. Insofern glaube ich, dass Menschen in Zukunft genauso wichtig sind und auch weiter arbeiten. Nur das Aufgabenfeld wird sich selber komplett wandeln.

Und welche Aufgaben kommen hier hinzu? Sie haben zum Beispiel schon die Security angesprochen…

Oliver Kowalski von Hays

Oliver Kowalski, Unternehmensberatung Hays

Industrie 4.0 geht dahin, dass man deutlich flexibler produziert, weg von dieser Massenfertigung hin zur Einzelfertigung. Und ich glaube, dass die Mitarbeiter ganz anders eingesetzt werden. Wörtlich: Flexibler eingesetzt werden müssen, als es aktuell der Fall ist. Weil man einfach an die Anforderungen des Marktes denken und deutlich näher am Markt produzieren muss.

Würden Sie dann sagen, dass es wahrscheinlich in Zukunft keinen reinen Maschinenbauer gibt, sondern er muss einfach mehr in die Breite lernen?

Genau. Industrie 4.0 bedeutet letztendlich auch, dass die Themen Fertigung und Maschinenbau mit Telekommunikation und auch mit IT verschmelzen. Und hier werden die Mitarbeiter dann in Zukunft wirklich mehr Schnittstellen-Know-how mitbringen müssen. Die Maschinenbauer müssen sich auch mit Elementen der Telekommunikation und IT auskennen; und die IT-Experten müssen sich umgekehrt auch mit Teilen der Telekommunikation und des Maschinenbaus auskennen. Man muss deutlich Interdisziplinärer unterwegs sein, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Was glauben Sie, wie Unternehmen das in Zukunft stemmen können? Ihre Mitarbeiter haben in den meisten Fällen ja die klassische Maschinenbau-Ausbildung. Wie kann man denn Mitarbeiter für Industrie 4.0 schulen?

Das hängt von jedem Unternehmen ab, wie Industrie 4.0 wirklich gelebt wird. Das wird nicht gleich für alle Bereiche ein Thema sein. Im Automotive ist es schon ein großes Thema und wird sich dann sukzessive auf andere Branchen ausweiten. Insofern glaube ich, dass im Moment eine Entwicklung stattfindet. Da wird sich nicht von jetzt auf gleich alles umstellen. Es ist eher ein Entwicklungsprozess, und die Unternehmen müssen einfach sehen, dass sie Ihre Mitarbeiter durch Weiterbildungen an diese Materie heranführen. Das ist der springende Punkt.

Ein springender Punkt wäre auch, dass sich natürlich die Ausbildung an der Universität oder im Betrieb wandelt…

Da ist man gerade dran. Ich weiß von Studiengängen, die ganz neu aufgesetzt worden sind und die ein kombiniertes Studium aus Maschinenbau und IT anbieten. Und gerade arbeiten auch die Verbände daran die ganzen Ausbildungsstrukturen dementsprechend anzupassen. Aber ich weiß jetzt nicht, ob man schon überall final das Ganze durchgesetzt hat.

Es gibt natürlich nicht nur den Maschinenbauer, der an der Maschine oder in der Halle arbeitet, sondern eben auch den Konstrukteur, der die Maschine konstruieren muss. Was würden Sie sagen, was auf diesen Menschen zukommt?

Die Maschine an sich ändert sich. Früher bestand eine Maschine aus Schrauben und Rädern und war sehr mechanisch. Heutzutage sind Maschinen ja auch extrem IT-geprägt. Wenn Sie mal an einen Mähdrescher denken, hat dieser vollautomatisierte Programme mit minutenaktuellen Wettervorhersagen, die letztendlich auf dem Monitor abgebildet werden, ob es in den nächsten Minuten regnet und ob dann die Mähleistung entsprechend erhöht werden muss. Also das ist immer mehr vollautomatisiert. Das heißt, der Konstrukteur muss sicherlich auch in Zukunft mehr Erfahrung haben, was diese Schnittstellen in Richtung Telekommunikation und in Richtung IT betreffen. Weil diese Maschinen eben mehr mit der Internet-Anbindung zu tun haben und auch untereinander verknüpft sind. Insofern ist es auch für den Konstrukteur wichtig, dass er auch über den Tellerrand hinaussieht.

Das Thema Securtiy haben Sie vorhin ja schon angesprochen. Das ist ja auch bei Industrie 4.0 ein wichtigeres Thema. Sehen Sie hier neue Entwicklungen?

Das ganze Thema Security, auch im Internet, ist ja nicht nur ein Thema von Industrie 4.0, sondern es wird auch für andere Wirtschaftsbereiche sehr stark diskutiert. Zum Beispiel wenn man an Cyber-Terror denkt, wie sicher sind unsere Atomkraftwerke oder andere Systemrelevanten Einrichtungen. Also wenn man früher beispielsweise ein Kraftwerk als separaten Block gesehen hat, dann war es relativ einfach diesen vor externen Angriffen zu schützen. Wenn man sich aber überlegt, dass ganze Systeme online über das Internet gesteuert werden, über Protokolle miteinander vernetzt sind, dann bietet das natürlich auch für Hacker entsprechende Ansatzpunkte, wo man auch in der Volkswirtschaft einen Schaden anrichten kann. Und das sind momentan  wichtige Themen. Wie mache ich diese Systeme Ausfallsicher, das ist ja auch nochmal ein ganz wichtiger Punkt, und wie mache ich sie sicher, dass keinerlei Hacker-Angriffe passieren können. Und da müssen sich auch in Zukunftganz andere Standards entwickeln.

Welche Themen werden in Hinblick auf den Mensch in der Zukunftsfarbik noch wichtig sein?

Besonders die Flexibilisierung der Arbeitskräfte wird immer wichtiger. Das ist auch ein wichtiger Punkt von Industrie 4.0. Dass sich die ganzen Entwicklungszyklen deutlich verkürzen. Dass durch die Globalisierung die Anforderungen an die Unternehmen unterschiedlicher werden. Und früher haben Unternehmen 3-Jahres-Verträge gemacht und dann ihre Mitarbeiterplanung darauf ausgerichtet. Dann hat man gesagt, die Wirtschaft fängt gerade wieder an zu steigen, der Konjunktur geht es gut und das wird in den nächsten zwei bis drei Jahren bleiben. Das ändert sich alles heutzutage. Die Zyklen sind viel kürzer, die ganzen Märkte sind unterschiedlicher und da wird es sicherlich auch eine große Veränderung auf Mitarbeiterseite geben.

Besonders was die Flexibilität allgemein angeht. Die Unternehmen müssen schauen, dass sie mit der Stammbelegschaft eine flexiblere Arbeitsform einführen können, Stichpunkt Arbeitszeit-Konten. Das wird sicherlich ganz wichtig. Aber auch auf der anderen Seite müssen sie auch schauen, wie man Bedarfsspitzen durch temporäre Kräfte wie Zeitarbeiter oder auch Freiberufler abfackeln kann. Die Anforderungen an die Flexibilität der Mitarbeiter werden deutlich mehr zunehmen.

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Von Felicitas Heimann
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Redaktion, ke NEXT