Sieben Fragen an Bernd Leiser (42), Facharbeiter im Bereich Entwicklung Betriebsmittel Konstruktion bei ebm-Papst

Wo sehen Sie Vor- und Nachteile der verschiedenen Arbeitszeitmodelle?
Ein großer Vorteil ist für mich, dass ich einmal pro Woche später anfangen kann, weil ich meine Kinder morgens für die Schule fertig mache beziehungsweise in den Kindergarten bringe. Denn meine Frau muss mittwochs bereits um 7 Uhr anfangen zu arbeiten und hat keine Gleitzeit. Deshalb profitiere ich von der neuen Arbeitszeitregelung. Auch wenn ich mal mittags einen Termin habe, kann ich diesen problemlos wahrnehmen.

Fallen Ihnen auch noch andere Beispiele ein?
Ja, ich bin zum Beispiel mal zweimal in einer Woche um 12.15 Uhr nach Hause gegangen, um im Wald zu arbeiten. Wenn ich um 16 Uhr Feierabend gemacht hätte, wäre ich erst gegen 17 Uhr im Wald gewesen und dann hätte es sich nicht mehr gelohnt. Ich nutze meine Gleitzeit also gelegentlich auch für solche Fälle. Ein anderes Beispiel ist, dass ich alle drei Monate meine Mutter nach Würzburg in die Uniklinik fahre und auch dafür problemlos für ein paar Stunden meinen Arbeitsplatz verlassen und wieder zurückkommen kann, ohne Urlaub nehmen zu müssen. In der Vergangenheit ging das nicht.

Welches Modell gefällt Ihnen besser: das anwesenheits- oder das ergebnisorientierte?
Der Vorteil beim ergebnisorientierten Modell ist, dass es keine Kernarbeitszeit mehr gibt. Früher musste ich unbedingt spätestens zur Frühstückspause da sein und konnte auch zwischendrin nicht ohne Weiteres verschwinden. Das ist nun nicht mehr so. Ich muss lediglich mindestens vier Stunden am Tag anwesend sein. Ich kenne Firmen, die mittlerweile auch ergebnisorientierte Arbeitszeitmodelle anwenden, allerdings gar keine Mindestanwesenheitszeit haben.

Wie teilen Sie sich Ihre flexible Arbeitszeit ein?
Ich fange normalerweise um 6 Uhr an, mittwochs aber eben um 8.30 Uhr, und arbeite in der Regel bis 16 Uhr.

Würden Sie sich weitere Flexibilisierungen wie zum Beispiel Homeoffice oder Jobsharing wünschen?
In meiner Abteilung werden Betriebsmittel für die Herstellung unserer Produkte konstruiert. Da ich praktische Versuche durchführe, Maschinen aufrüste und mechanische Teile selbst anfertige, käme Homeoffice für mich nicht in Frage, denn dafür muss ich vor Ort sein. Das Einzige, das vielleicht noch angepasst werden könnte, ist, das neue Modell auf andere Abteilungen auszuweiten. Natürlich ist das nicht in allen Bereichen umsetzbar, wie zum Beispiel in der Montage, wo Schichtarbeit und Maschinenlaufzeiten ein Hindernis für die flexible Arbeitszeit sind.

Sind Sie mit der Gleitzeitspanne von 5 bis 22 Uhr zufrieden oder würden Sie sich eine andere wünschen?
Ja, damit bin ich absolut zufrieden, denn ich hätte weder Interesse, vor 5 Uhr zu kommen, noch nach 22 Uhr immer noch da zu sein.

Denken Sie, dass viele Mitarbeiter die Gleitzeit nutzen?
Ich denke, dass sich im Vergleich zum alten Modell nicht viel an der Arbeitsweise der Kollegen geändert hat. Die meisten versuchen, ihr Pensum normal abzuleisten, haben allerdings den Vorteil, Flexibilität in Anspruch nehmen zu können, wenn es wirklich mal klemmt.

Das Interview führte Olga Possewnin, ebm-Papst