Möchte die Elternzeit auf keinen Fall missen: Niko Haubensack, Produktmanager im Geschäftsbereich
Möchte die Elternzeit auf keinen Fall missen: Niko Haubensack, Produktmanager im Geschäftsbereich Zubehör bei Balluff. Sein Team hat er vorher darauf gut vorbereitet.

Herr Haubensack, wie lange haben Sie damals als Teamleiter Elternzeit genommen?

Ich habe zwei Kinder und bei beiden habe ich das Minimum genommen, also die zwei Monate Elternzeit pro Kind.

Und hat Ihnen das gereicht?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite möchte man seinen Job gut machen, auf der anderen Seite könnte es aus Sicht der Familie durchaus länger sein. Von der Arbeit her gesehen waren zwei Monate gut und ich fand das einen vernünftigen Kompromiss.

Und wie haben Ihre Kollegen reagiert? Haben die einen dummen Spruch gebracht, so von wegen Wickelvolontariat?

Nein, ganz und gar nicht. Die meisten haben es toll gefunden, vor allem die Frauen. Und bei den Männern, da war es gemischt. Ich habe auch negative Dinge gehört. Wobei niemand vorbei kam und gesagt hat: Das finde ich nicht gut. Bei mir persönlich ist es aber eher positiv angekommen.

Sie sind nicht einfach zu Ihrem Chef gegangen und haben gesagt: „In sieben Wochen nehme ich Elternzeit“, sondern hatten schon vorab ein Konzept, oder?

Absolut. Zu der Zeit war ich sogar Teamleiter und hatte ein Team von vier Personen unter mir. Den Kollegen hat also ihr direkter Vorgesetzter gefehlt. Und nicht nur das. Ich hatte dort zwei Rollen: Zum einen als Vorgesetzter und zum anderen als Mitarbeiter im Team, der die anfallende tägliche Arbeit mit bewältigt. Auch als Teammitglied bin ich also weggefallen. Man spricht sich natürlich ab: Wer kann Urlaub machen, wo fehlt jemand, dass das Team arbeitsfähig bleibt. Und da war es natürlich etwas ungünstig, dass ich als Teammitglied gefehlt hatte. Mit den Kollegen hatte ich es aber besprochen und wir haben ganz genau betrachtet: Wann sind Urlaubszeiten? Wann kann ich einen Monat nehmen und wann einen weiteren Monat? Wann gibt es nicht zu viele Kundenanrufe? Genau diese Dinge galt es im Vorfeld abzuklären, um dann mit dieser Argumentationskette dem Chef die Sorgen zu nehmen.

Wie waren denn die Reaktionen aus Ihrem Team?

Auch hier hat keiner gesagt, er gönnt es mir nicht. Aber natürlich haben die sich schon Gedanken gemacht: Jetzt ist der Kollege zwei Monate weg, auch wenn es gesplittet ist, wie kriegt man das Geschäft unter? Ich habe aber angeboten, dass ich bei Fragen telefonisch erreichbar bin. Und dass ich auch mal eine E-Mail verfassen kann. Dass ich nicht rund um die Uhr nur noch mit dem Kind beschäftigt bin, sondern selbstverständlich da bin, wenn etwas ist. Aber klar: Im Büro saß ich in dieser Zeit nicht. Im Endeffekt haben wir uns gut arrangieren können. Es gab keine negativen Sprüche.

Und so rückblickend betrachtet: Wie hat es insgesamt geklappt?

Hervorragend! Die Kollegen haben die Arbeit mehr oder weniger auch ohne meine Hilfe hinbekommen. Auch meinem Vorgesetzen hatte ich angeboten, wenn es irgendwas gäbe, wie eine wichtige Besprechung, dann wäre ich da. Aber es war in dieser Zeit auch ohne meine Hilfe regelbar.

Was raten Sie anderen Männern, die überlegen, ob sie in Elternzeit gehen wollen?

Ich kann jedem nur empfehlen, es zu machen. Schließlich sind zwei Monate im Vergleich zum restlichen Arbeitsleben nur ein Bruchteil. Ich habe es sehr genossen und ich würde jedem dazu raten, es zu tun. Es war eine wunderschöne Zeit, die mich persönlich weitergebracht hat und ich denke, ich kann die Erfahrung mit in die Firma nehmen. Es ist sicherlich eine Win-Win-Situation, auch wenn es in diesen zwei Monaten etwas enger werden könnte für Kollegen.

Die Fragen stellte Angela Unger, Redaktion