Das heißt, ein Merkmal für einen narzisstischen Kollegen ist, dass er Kritik grundsätzlich von sich weist? Und selbst, wenn man versuchen würde, die Kritik mittels Ich-Botschaften ganz sanft zu vermitteln, würde er darauf nicht eingehen?

Ja, absolut. Kritik wäre ja eine Einschränkung auf die Perfektion dieser Person, und das ist im Narzissmus einfach nicht drin. Der Narzisst würde auch nicht auf den anderen eingehen und sagen: „So war das zwar nicht gemeint, aber beim nächsten Mal werde ich mir eine andere Wortwahl überlegen.“ In diesem Falle ist die Ausprägung noch nicht problematisch genug, dann würden wir noch nicht von Narzissmus sprechen. Ein Narzisst würde überhaupt kein Entgegenkommen zeigen und alles abblocken.

Und wie kann man einen Machiavellisten als Kollegen erkennen?

Am einfachsten ist der Machiavellist zu erkennen, wenn man dessen Ziel identifiziert hat, beispielsweise ob er Karriere machen oder einen bestimmten Kollegen loswerden möchte. Denn der Machiavellist wird nichts anderes tun als auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Wenn man das Ziel nicht genau identifiziert hat, dann ist es sehr schwer, den Machiavellisten zu erkennen. Einzelne Merkmale, die in Kombination darauf hinweisen können, dass eine hohe machiavellistische Ausprägungen vorliegt, sind: Taktieren, Intrigen streuen, beispielsweise fängt der Machiavellist bei jeder Abwesenheit eines Kollegen an, über diesen schlecht zu reden, oder fehlende Empathie. Der Machiavellist hilft beispielsweise nur, wenn er sich damit beim Chef profilieren kann.

Im Prinzip wäre das also ein Kollege, der nur an sich denkt, seine Ellenbogen ausfährt, sich gut darstellen und weiterkommen möchte, dem ich aber nicht trauen kann, weil er alles bei Gelegenheit ummünzt oder gegen mich verwendet?

Genau, und gleichzeitig ist diese Person nett! Und das ist das Problem, denn dadurch ist diese Person nicht so einfach zu erkennen wie der Narzisst oder der Psychopath. Zu echter Freundschaft oder zu Hilfestellung ohne Gegenleistung ist ein Machiavellist nicht bereit, aber trotzdem wäre diese Person oberflächlich nett, und die Ellbogen würde man immer nur mal hier und da spüren oder sogar erst dann, wenn es zu spät ist. Deshalb sind die Machiavellisten nach unserer Erfahrung diejenigen, die am längsten unentdeckt bleiben und noch am höchsten ins Topmanagement kommen, weil sie, sofern ihr eigenes Ziel dem Unternehmensziel gleicht, weiter gefördert werden.

Einen machiavellistischen Kollegen, der ein taktierender Egoist ist, kann man schlecht zur Rede stellen oder sich deswegen beim Chef beschweren. Eigentlich bleibt einem nur, vorsichtig im Umgang zu sein, oder? 

Ich glaube, dieser Eigenschutz ist ein wichtiger Punkt im Umgang mit dem Machiavellisten. Wenn man einen Anfangsverdacht hat, sollte man sehr vorsichtig sein und Inhalte, die von dieser Person transportiert werden, auf Wahrheitsgehalt und Unternehmensinteresse gegenprüfen, beispielsweise noch mal beim Chef nachfragen und sich Rückendeckung holen.

Das bleibt hängen

  • Bei jedem Menschen sind die drei Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie sowie weitere Persönlichkeitsmerkmale in unterschiedlich hoher Ausprägung vorhanden. Das heißt, diese Persönlichkeitsmerkmale haben auch ihre gesunde, positive Seite.
  • Unter der dunklen Triade der Persönlichkeit versteht man die Ausprägung eines oder mehrerer dieser drei Persönlichkeitsmerkmale, die so stark ist, dass sie im Arbeitsleben der Teamarbeit und damit dem Unternehmen erheblich schadet.
  • Je nach Studie sind etwa zwei bis vier Prozent der Menschen von einer dunklen Triade betroffen. Das heißt, statistisch gesehen befinden sich unter hundert Mitarbeitern zwei bis vier, die über eine dunkle Triade verfügen. Dabei findet man auf der Führungsebene mit vier bis sechs Prozent einen etwas höheren Anteil als bei Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung. Menschen mit einer dunklen Triade können allerdings im Arbeitsumfeld einen sehr hohen Schaden anrichten.
     

Und woran erkenne ich einen Psychopathen?

Eindeutig an der Impulsivität, also dem starken Umschwenken innerhalb kurzer Zeiträume, oder an Überreaktionen. Er reagiert sehr stark auf Reize, etwa mit einem cholerischen Ausbruch, wenn er vielleicht angerempelt wurde. Und an der starken Risikobereitschaft. Zum Beispiel wenn ein Kollege vorschlägt, während der Weihnachtsfeier mit dem Gabelstapler durch die Produktionshalle zu fahren und Videos davon auf Youtube hochzuladen. Andere Menschen würden sagen: „Das kann ich nicht machen, hier übertrete ich eine Linie.“ Diese Linie sieht der Psychopath nicht.

Wie kann ich mit dem Psychopathen umgehen?

Auch hier sollte man denjenigen ansprechen. Je nachdem wie stark die Ausprägung ist, kann derjenige das Risiko vielleicht wenigstens im Nachhinein sehen. Wenn wir von einem tatsächlichen Psychopathen sprechen, wird er das jedoch nicht einsehen und immer wieder gerne eingehen. Dann hilft es nur, die Rückmeldung an den Vorgesetzten zu geben, durch welche konkreten Handlungen des Kollegen das Unternehmenswohl gefährdet ist.