| von Angela Unger
Aktualisiert am: 08. Okt. 2018

Für das Geld bieten die Schulen eine gründliche Ausbildung an: Fast die Hälfte aller EMBA-Programme haben ihre Lehrpläne auf folgende Themenbereiche ausgerichtet: Finanzierung, globales Business, Marketing, unternehmerisches Handeln und Strategie. Neun Prozent aller EMBA-Programme haben den Fokus auf eine spezielle Industrie gelegt, hierbei kommt Pharma am häufigsten vor. Zwei Drittel aller EMBA-Programme bieten einen Auslandsaufenthalt an. Die WHU Otto Beisheim School of Management verfügt beispielsweise für den EMBA-Studiengang über sieben Standorte. Neben Vallendar und Düsseldorf sind das: Toronto, Evanston/Chicago, Miami, Tel Aviv, Peking und Hongkong. Im zweiten Programmjahr wählen die Studenten unter den ausländischen Standorten mindestens einen aus. Aber auch mehr Auslandsaufenthalte sind möglich.

Was auf den ersten Blick nach Studentenabenteuer und große Freiheit aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als harte Arbeit: Die Weiterbildung findet über mehrere Monate in mehrtägigen Modulen vor Ort statt, für die man sich die Zeit von Familie und Beruf freischaufeln muss. Auch fallen zusätzliche Arbeiten, die man von zu Hause erledigen muss und die benotet werden, an. Dazu kommt noch, dass ein Executive MBA nicht im Alleingang zu bewältigen ist, da die Schulen viel Wert auf Gruppenarbeit legen. Dabei setzen sich die Gruppen aus internationalen Teilnehmern mit unterschiedlichen kulturellen und beruflichen Hintergründen zusammen. Auch angesichts des Zeitdrucks, unter dem alle Teilnehmer stehen, können sich dadurch Konflikte ergeben, die den Gruppenmitgliedern eine Weiterentwicklung der eigenen persönlichen Qualitäten abverlangen.

Entscheidend: sich vorab gut informieren

Viel Geld, Zeit und Kraft also, die EMBA-Studenten in ihre Zusatzausbildung stecken. Ob sich dies rentiert? „Eine weitere, vor Kurzem veröffentlichte Studie hat aufgezeigt, dass das Gehalt von EMBA-Studenten von Programm-Anfang bis Ende um 16,8 Prozent gestiegen ist, was ebenfalls den Wert der Programme unterstreicht“, schildert Michael Desiderio, leitender Direktor bei EMBAC. Doch auch wenn mehr als 90 Prozent aller EMBA-Programme ihren Studenten eine Berufsberatung zur Verfügung stellen: Eine Garantie, dass einen der Zusatzstudiengang in eine bessere berufliche Position katapultiert und sich innerhalb weniger Jahre finanziell amortisiert, gibt es nicht. Allerdings berichten Absolventen von dem Nutzen einer persönlichen Weiterentwicklung und raten Interessierten dazu, einen EMBA nicht alleine unter pekuniären Aspekten zu betrachten, sondern als Investition in sich selbst zu sehen. Und vor allem sollte ein interessierter Ingenieur eines tun: Sich vorab gründlich bei verschiedenen Anbietern informieren und prüfen, ob das dort angebotene Programm die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt und zu der eigenen Persönlichkeit passt. Und sich auch überlegen, ob man bereit ist, die enorme Doppel- bis Dreifachbelastung aus Beruf, EMBA-Studiengang und Familie über viele Monate in Kauf zu nehmen. Am Ende entscheidet sich nicht jeder Interessent dafür: Von sechs Personen, die gezielt Informationen über ein EMBA-Programm eingeholt haben, reicht nach der Mitgliederbefragung von EMBAC zirka einer tatsächlich eine Bewerbung ein.

 

 

Hintergrundwissen

MBA

Bei dem Master of Business Administration, so der vollständige Name, handelt es sich um ein generalistisches Management-Studium für Akademiker, die über einen Abschluss außerhalb der Betriebswirtschaft verfügen. Damit richtet es sich beispielsweise an Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler, Juristen und Mediziner, denen es das Rüstzeug für Managementpositionen mit auf den Weg geben will.

Ein MBA-Studium ist in Vollzeit oder auch in Teilzeit möglich. An der Mannheim Business School beispielsweise dauert ein Vollzeit-MBA zwölf Monate, der Teilzeit-MBA umfasst 24 Monate. Voraussetzung für die Zulassung dort sind unter anderem mindestens drei Jahre Berufserfahrung.

 

Executive MBA

Ein Executive MBA richtet sich an berufserfahrene Fachkräfte mit einem Abschluss außerhalb der Betriebswirtschaft, die zudem über einen bestimmten Mindestumfang an Führungserfahrung verfügen. Die Mannheim Business School verlangt beispielsweise mindestens acht Jahre Berufserfahrung. Der berufsbegleitende Studiengang dauert dort 18 Monate. Für das EMBA-Programm an der WHU Otto Beisheim School in Vallendar muss man zwei Jahre einkalkulieren, für den „Global Executive MBA“ an der HHL – Leipzig Graduate School of Management 21 Monate.

 

Zulassungsvoraussetzungen für den EMBA

Die Voraussetzungen für einen EMBA variieren von Anbieter zu Anbieter. Deshalb empfiehlt es sich für interessierte Ingenieure, sich bei den verschiedenen Schulen zu erkundigen. Voraussetzungen sind ein erster akademischer Abschluss sowie eine gewisse Mindestanzahl an Berufsjahren und sehr gute Englischkenntnisse, die man eventuell durch einen TOEFL-Test nachweisen muss. Auch Empfehlungsschreiben und spezielle Zulassungstests, Interviews, oder ein GMAT (Graduate Management Admission Test; ein weltweit standardisierter Test, der die Eignung für ein postgraduales Studium an betriebswirtschaftlichen Fakultäten abfragt) können notwendig werden.

Bei der Führungserfahrung sollte man nicht zu selbstkritisch sein oder jedenfalls beim jeweiligen Anbieter genau nachfragen, was er unter Führungserfahrung versteht. So zählt nicht unbedingt nur Mitarbeiterverantwortung, sondern auch Projekt- und Budgetverantwortung werden durchaus anerkannt.

 

Rankings

Wer sich orientieren möchte, welche Schulen über das beste Renommee verfügen, kann sich anhand diverser Rankings informieren. Die englischsprachigen Zeitungen Financial Times und The Economist veröffentlichen regelmäßig Rankings für unterschiedliche MBA-Programme (z.B. Vollzeit oder EMBA). Man sollte also auf den genauen Programm-Namen achten, der im Ranking genannt wird. Die Platzierung kann übrigens bei den verschiedenen Rankings unterschiedlich ausfallen.