Wie war der Executive MBA zeitlich organisiert?

Das Studium war in Präsenz-Modulen organisiert, die - abgesehen von wenigen Ausnahmen - von Mittwoch bis Mittwoch stattfanden. Mein Arbeitgeber hat mich für diese Module freigestellt; hierfür benötige ich also keinen extra Urlaub. Zwischen den Modulen musste ich mich in Heimarbeit auf die nächsten Kurse vorbereiten bzw. alleine oder in Teams Studienarbeiten und Projektaufgaben bearbeiten.

Wie haben Sie den Executive MBA erlebt? Das ist ja eine komplett andere Welt als die technische.

Obwohl ich „nur Maschinenbau“ studiert hatte, war ich mit betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen vertraut, da ich über die Jahre in diversen Positionen bereits praktische Erfahrungen zu verschiedenen Themenbereichen sammeln konnte. Insofern fiel es mir nicht schwer, mich nun umfassender und intensiver damit zu beschäftigen.

Was waren neue Aspekte oder neue Erfahrungen für Sie?

Ich habe mich sowohl persönlich als auch fachlich weiterentwickelt. Bei vielen Themen ging es deutlich mehr in die Tiefe. Insbesondere im Bereich Finanzen. Davor wusste ich ungefähr, was eine Bilanz ist und konnte eine Gewinn & Verlustrechnung nur grob interpretieren; heute fühle ich mich da deutlich sicherer. Ich bin zwar immer noch kein Analyst und könnte auch nicht morgen als Finanzchef anfangen, aber ich kann heute auf Augenhöhe mit diesen Spezialisten diskutieren.

Am meisten dürfte ich aber davon profitieren, dass ich nun einen fundierten Gesamtüberblick über die verschiedenen Aspekte der Unternehmensführung und der strategischen Planung habe.

Und die persönliche Weiterentwicklung?

Ein wichtiger Punkt ist der Umgang mit dem Thema Work-Life-Balance.
Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, die zum Glück schon etwas älter sind und mich nicht mehr ständig brauchen.
Trotzdem: Beruf, die Familie und den MBA unter einen Hut zu bekommen und allen Ansprüchen einigermaßen gerecht zu werden ist eine große Herausforderung.

Dabei muss man seine Ansprüche an allen Stellen auf das machbare reduzieren und Prioritäten setzen. Von dieser Erfahrung profitiere ich heute.

Es gab allerdings Kollegen, die deutlich mehr Probleme mit dem Thema Work-Life-Balance hatten. Interessanterweise waren das nicht unbedingt die Kollegen mit Familie.

Wie sind Sie beim Thema Work-Life-Balance genau vorgegangen?

Es war mein Ziel, so viel wie möglich für mich persönlich mitzunehmen und nicht, akademischen Lorbeeren zu ernten. Für mich war klar: Wenn ich vor Ort in einem Modul bin, konzentriere ich mich voll auf den MBA, zuhause gibt es dagegen noch wichtigere Dinge.

Neben den Präsenzmodulen bestand das Studium aus zeitintensiver Heimarbeit zur Vor- und Nacharbeit der Vorlesungen und der Erledigung der Projektarbeiten. Wer die Zeit hat, kann damit auch einen Vollzeitjob ersetzen. Hier musste ich andere Prioritäten setzen und mir sagen: „Ich habe Familie und einen Beruf, deshalb kann ich hierfür nur so viel Zeit investieren, wie absolut notwendig ist.“

Das war für mich ein Lernprozess: „Zu wissen , dass ich mit nur zwei, drei Stunden zusätzlicher Arbeit eine wesentlich bessere Note bekommen würde und diese Zeit trotzdem nicht zu investieren.“
Meine Familie stand für mich immer noch an erster Stelle. Man muss die Prioritäten für sich selbst setzen und dann auch konsequent bleiben. Ansonsten nimmt irgendetwas Schaden.

Aber Freunde, Bekannte und Verwandte mussten vermutlich zurückstecken?

Ja, ich habe in diesen anderthalb Jahren die sozialen Kontakte außerhalb der Familie stark reduziert. Unter der Woche zum Vereinssport zu gehen, war beispielsweise nicht mehr drin.

Sie waren ja zeitweise in Paris. Wie haben Sie denn die Zeit im Ausland empfunden?

Neben Paris gab es auch ein Modul in New York und zwei Module in Asien. Aber dadurch, dass ich zu Beginn meiner Karriere über ein Jahr in Frankreich gearbeitet hatte und mich in meiner beruflichen Praxis international bewege, waren diese Auslandsaufenthalte für mich nicht so außergewöhnlich.

Viel wesentlicher war für mich die internationale Mischung der Studenten und der Professoren. Ein amerikanischer Professor für Finance oder Marketing hat beispielsweise eine andere Grundeinstellung und unterrichtet ganz anders als ein europäischer und das französische Verständnis von Personalführung unterscheidet sich in manchen Aspekten signifikant zu dem deutschen.

Was würden Sie anderen Ingenieuren, die überlegen, ob sie einen MBA machen sollen, raten?

Ich würde mir die Frage stellen, ob ich mir diese Mehrfachbelastung tatsächlich antun will. Wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich vor einer Entscheidung zumindest etwas länger gezögert. Vermutlich würde ich mich aber wieder dafür entscheiden,

Für mich ist ein MBA-Studium auch keine Investition mit einem erwarteten Return on Invest. Es ist eine Investition in mich persönlich. Gerade bei einem Ingenieur, der vorher keine entsprechende Position hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass sein Gehalt unmittelbar wegen des MBA plötzlich steigt oder er nur dadurch höhere Positionen erreichen kann.

Trotzdem kann ein MBA sinnvoll sein und wird wahrscheinlich auch positive Auswirkungen auf die berufliche Karriere haben. Aber ich sehe da nicht zwingend eine Eins-zu-eins-Verbindung in dem Sinne: Ich mache den MBA und dann ergattere ich einen Job, durch den sich die Kosten innerhalb von drei bis fünf Jahren amortisieren.