Martin Beims ist Gründer und Geschäftsführer von Aretas. Bild: Aretas

Martin Beims ist Gründer und Geschäftsführer von Aretas. Bild: Aretas

Herr Beims, wie kann ein Ingenieur mit einem Veränderungsprozess konstruktiv umgehen, wenn er merkt, dass er seine Arbeit lieber so wie bisher machen würde? Wie motiviert er sich? Wie kann er für sich positive Aspekte raus arbeiten oder soll er sich besser ein anderes Unternehmen suchen?

Da fällt mir eine ganz alte Lebensweisheit ein: „Love it, chance it or leave it.“ Ich muss mir zunächst Gedanken darüber  machen, was ich will. Also, was stört mich an dieser Veränderung? Und dann kann ich mir zwischen diesen drei Optionen aussuchen, was ich machen möchte. Erstens: Ich akzeptiere die anstehenden Veränderungen und bringe mich aktiv ein. Das heißt, ich muss mir überlegen, wie ich mich persönlich entwickeln muss, welche neuen Fähigkeiten ich mir vielleicht aneignen muss und welche neuen Regeln ich möglicherweise bereit bin zu akzeptieren und welche nicht. Dann kann ich die Umsetzung dieser Veränderung durch meine  aktive Einflussnahme so beeinflussen, wie es für mich passt.

Und wenn ich die anstehenden Veränderungen nicht akzeptieren kann?

Dann bringe ich mich ebenfalls aktiv in den Veränderungsprozess ein, zwar nicht mit Umsetzungsvorschlägen, sondern mit Änderungsvorschlägen. Das heißt, ich kann in dem Prozess zum Innovationstreiber werden und versuchen, die Veränderung so beeinflussen, dass sie für mich passt. Das muss natürlich konstruktiv und im Unternehmenssinne geschehen.

Was mache ich aber, wenn ich das auch nicht möchte?

Ich finde es heutzutage nicht mehr verwerflich zu sagen: „Das passt für mich nicht mehr.“ Dann suche ich mir eine neue Aufgabe. Das muss nicht immer gleich die Kündigung sein, sondern es kann sich auch um eine andere Aufgabe im eigenen Unternehmen handeln. Es kann aber auch eine Aufgabe in einem ganz anderen Unternehmen sein. Aus meiner Sicht sind die Zeiten, wo man 40 Jahre im gleichen Unternehmen bleibt, ohnehin vorbei. Heutzutage wird es sogar eher positiv gesehen, wenn man ab und zu mal einen Entwicklungsschritt macht und sich etwas Neues sucht, was besser zur eigenen Entwicklung passt.

Welche Dinge stören denn Ihrer Erfahrung nach die Mitarbeiter beim Veränderungsprozess am meisten?

Oft sind es nicht die großen Dinge, die einen stören, sondern die kleinen Dinge. Beispielsweise wenn ich meine Position gefährdet sehe, die ich mir in klassischen hierarchischen Unternehmen über Jahre erarbeitet habe, und ich diese so nicht verlieren möchte. Oder ich habe mir bestimmte Arten, wie ich bequem arbeiten kann, geschaffen, die ich nun in Gefahr sehe. Wenn ich das analysiert habe und die Veränderungen dahingehend beeinflussen kann, dass ich Dinge, die mir wichtig sind, beibehalten, fortführen oder weiterentwickeln kann, dann fällt es mir vielleicht leichter, die Veränderung zu akzeptieren.