Mann balanciert über Schlucht, Bild: © alphaspirit - Fotolia.com
Laut dem Institut 2b Ahead ThinkTank müssen Innovationen zielgerichtet über existierende Glaubensgrenzen und Denkmuster hinaus gehen. Allerdings sind Ingenieure selten in der Lage, ihre festen Denkmuster zu hinterfragen. Bild: © alphaspirit - Fotolia.co

Das Institut 2b Ahead ThinkTank untersucht derzeit in einem Forschungsprojekt die Chancen der Zertifizierung der Zukunft, wenn die Losgrößen letztlich gegen eins gehen. Mehr noch: Wenn diese Produkte dann auch noch veränderlich bleiben, was ist dann noch zu zertifizieren?

Eine Zertifizierung von Algorithmen, die an dieser Stelle gerne angeregt wird, ist natürlich keine Option. Die übergeordnete Frage dahinter: Was ist dann der Qualitätsmaßstab?

Schon heute ist der Mensch nicht mehr in der Lage, die Funktionsweise von Algorithmen sicher nachzuvollziehen, die lernende Maschinen selbst entwickelt haben. Ein TÜV-Siegel für Algorithmen wäre eine Innovationsbremse ohne jede qualitätssteigernde Wirkung, ein Versuch, mitteleuropäischen Perfektionsanspruch in die digitalisierte Welt zu übertragen.

Die kommunikative Herausforderung

Die eigentliche Herausforderung für den Anlagenbau ist daher keine technologische, sondern eine kommunikative. Die Unternehmen der Branche brauchen Anschluss an die Kommunikation mit dem Kunden B2C.

Aber wenn die technologische Entwicklung der Motor der Entwicklung ist und die Kundenbedürfnisse der Treibstoff sind, wie schafft die Maschinenbau-Branche den Anschluss an die Leistungsdaten dieses Aggregats – schneller als Echtzeit?

Predictive Maintenance kann hier nicht mehr als eine Fingerübung sein. Die Unternehmen an der Kundenschnittstelle werden sich in den kommenden Jahren konsequent von der linearen Abfolge Produktentwicklung – Herstellung – Marketing und Vertrieb – Service verabschieden. Diese Elemente bilden vielmehr ein dynamisches Netzwerk mit dem Kunden im Zentrum.

Wer immer – aus Kundensicht – am besten in der Lage ist, diese Elemente zu strukturieren und flexibel abzustimmen, wird in der besten Position sein, das Geschäft der Zukunft zu machen, über alle Grenzen von Abteilungen oder Unternehmen hinweg. Wer hier im Zentrum steht, erhält den Zuschlag vom Kunden, egal ob Logistiker oder OEM, Zulieferer, Maschinenbauer oder digitaler Assistent. Entsprechend werden Unternehmen die traditionelle Organisationsstruktur aufgeben und ihre Tätigkeit konsequent vom Kundendialog her denken. Dies ist im großen Maßstab selbstverständlich eine digitale Herausforderung.

Neue Anforderungen an die Mitarbeiter entstehen

So entstehen im Zuge dieses Wandels auch vollständig neue Anforderungen an die Mitarbeiter und Entscheider im Maschinenbau. Der Mechaniker hat keine allzu rosige Zukunft. In der Produktion übernehmen mehr und mehr vollautomatisierte Maschinen und später auch die 3D-Drucker seine Arbeit.

Im Service werden nach wie vor Menschen gebraucht. Allerdings benötigen diese kein sehr hohes Ausbildungsniveau, denn alle wesentlichen Handgriffe werden per Augmented-Reality-Brille in das Sichtfeld eingespielt. Viele Kunden werden ihre Reparaturen auf diese Weise selbst machen. Andere beauftragen niedrigqualifizierte Reparateure.

Daten müssen Produkte verbessern

Für die Unternehmen des Maschinenbaus entscheidend ist die Kompetenz, alle zur Verfügung stehenden Daten in Echtzeit oder besser prädiktiv in Produkte umzusetzen. Entscheidender noch ist die Glaubwürdigkeit aus Kundensicht, diese Daten zur verbesserten Produktentwicklung nutzen zu können – denn nur dann werden die Kunden der Zukunft ihre Daten in verbesserte Services investieren.

So birgt gerade die traditionelle hochspezialisierte Fachkompetenz des Maschinenbauers die Gefahr, sich behaupten zu wollen und auf diese Weise den nötigen Wandel zu bremsen. Die technologische Kompetenz ist nicht mehr als die Eintrittskarte für den Dialog mit Kunden und OEMs, allerdings eine zu den guten Plätzen. hei

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