Bei der Ideenfindung ist der große, auf Anhieb perfekte Entwurf selten. Am Ende setzt sich die fertige Idee meistens aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Bild: Pixabay

Bei der Ideenfindung ist der große, auf Anhieb perfekte Entwurf selten. Am Ende setzt sich die fertige Idee meistens aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Bild: Pixabay

Design Thinking wurde als Prozess zur Entwicklung und Förderung neuer Ideen von der Innovationsagentur Ideo entwickelt. Dieser Prozess ist darauf ausgelegt, Innovationen hervorzubringen, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren und diese befriedigen. Dabei wird auf Herangehensweisen zurückgegriffen, die aus dem Design-Umfeld bekannt sind. Allerdings geht der Ansatz weit über die klassischen Design-Disziplinen, wie Formgebung und Gestaltung, hinaus und ist als systematisches Vorgehensmodell für vielfältige komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen einsetzbar.

Anders als viele Herangehensweisen aus der Wissenschaft oder unternehmerischen Praxis steht hierbei nicht die technische Machbarkeit im Vordergrund, sondern das nutzerorientierte Erfinden. Die Prozessbeteiligten begeben sich in die Rolle des Anwenders, stellen diesem Fragen, beobachten sein Verhalten und entwickeln ihre Lösung durch stetige Feedbackschleifen gemeinsam mit den Anwendern permanent weiter. Auf diesem Wege sollen praxisnahe Ergebnisse erzielt und neben der technologischen Machbarkeit (Feasibility) und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit (Viability) auch die menschliche Erwünschtheit und Anziehungskraft (Desirability) in die Innovation einbezogen werden. Design Thinking besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten, die oft auch als Erfolgsfaktoren bezeichnet werden: Dem Design-Thinking-Prozess, inter- und multidisziplinäre Teams sowie mobilen und variablen Raumkonzepten.

Die sechs Stufen des Design-Thinking-Prozesses

Beim Design-Thinking-Prozess handelt es sich um einen strukturierten Prozess mit sechs Stufen, die iterativ durchlaufen werden. Somit sind zwischen allen Stufen Rücksprünge möglich, wenn aufgrund des Anwenderfeedbacks die vorhandenen Ansätze nachgearbeitet werden müssen. Diese sechs Stufen sind:

  1. Verstehen: Hier wird die eigentliche Frage erarbeitet, Verständnis für das Problem hergestellt und somit der Problemraum abgesteckt. Dabei gilt es auch, die Beobachtungsphase eingehend vorzubereiten, um sicherzustellen, dass das richtige Problem beobachtet wird.
  2. Beobachten: Es werden wichtige Einsichten und Erkenntnisse gewonnen, indem Anwender aufmerksam beobachtet und in Dialogen befragt werden. Es finden qualitative Untersuchungen statt, bei denen nicht nur aktuelle Kunden befragt werden. Vielmehr sind gerade Personen, die nicht direkt im Fokus stehen, wichtige Ideen- und Impulsgeber. Das Ergebnis dieser Stufe besteht aber nicht nur aus Notizen und Skizzen, die in den Gesprächen angefertigt wurden, sondern auch aus Bildmaterial, welches bei der Beobachtung der Anwender und deren Umfeld gemacht wurde. Das heißt, hier beginnt bereits die Visualisierung.
  3. Die Sichtweise definieren: Alle Teammitglieder stellen ihre visualisierten Erkenntnisse den anderen vor, um ein gemeinsames Gesamtbild zu erhalten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden verdichtet, es wird nach Gemeinsamkeiten gesucht und auf (proto-)typische Anwender heruntergebrochen, um deren Bedürfnisse besser verstehen zu können.
  4. Ideenfindung: Dies ist das Kernelement des Design Thinking. Mittels Brainstorming wird eine Vielzahl an Lösungsmöglichkeiten entwickelt, indem konkrete Fragen aus den potenziellen Anwendungsfeldern abgeleitet und formuliert werden. Dabei können die entwickelten Ideen nur so gut sein wie die Fragen, die formuliert wurden. Das besondere an Design Thinking ist, dass der Schwerpunkt auf die Visualisierung und bildliche Formgebung gelegt wird. Durch die Visualisierung lassen sich Ergebnisse leichter kommunizieren und Entscheidungen schneller treffen.
  5. Prototyping: Die Prototypen sind erste konkrete Lösungen und  dienen der Visualisierung sowie dem Testen dieser Lösungen. Dabei können die Prototypen verschiedene Ausprägungen haben, von ersten Skizzen über Papier- und Pappmodellen bis hin zu funktionsfähigen Modellen. Mithilfe dieser Prototypen können die formulierten Fragestellungen untersucht und die Entwürfe iterativ weiter verfeinert werden.
  6. Test / Verfeinerung: Die Erkenntnisse, die aus den Prototypen gewonnen wurden, zum Beispiel durch das Feedback der Anwender, fließen in die Verbesserung und Verfeinerung der Konzepte ein und verursachen, je nach Auswirkung, einen Rücksprung in eine der vorherigen fünf Stufen. Das Feedback der Anwender lässt sich durch die Visualisierung wesentlich einfacher konkretisieren und Alternativen oder Varianten können leichter formuliert werden.