Fachkräfte gesucht

Unternehmen sollten umdenken und Fachkräfte - wegen ihrer Deutschkenntnisse auf Muttersprachlerniveau - nicht nur im Inland suchen. Bild: JiSign / Fotolia.com

Herr Dr. Wendel, der VDI hat auf der letzten Hannover Messe wieder vor einem eklatanten Fachkräftemangel gewarnt. Wie sehen Sie das als Personalvermittler?
Statistisch gibt es eigentlich keinen Personalmangel im Maschinenbau. Die Ingenieure sind nur falsch verteilt: Die meisten Bewerber wollen in die Ballungszentren und nur wenige wollen in die ländlichen Räume, wobei die deutschen Bewerber den Ballungsraum bis etwa 20 Kilometer um die Stadt herum definieren.

Nehmen wir beispielsweise sehr starke Maschinenbaugegenden wie das Bergische Land oder das Sauerland: Die sind nicht weit von den Ballungszentren entfernt, aber trotzdem gibt es dort Probleme, Personal zu finden.

Wenn Sie Personaler aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau mit anderen Personalern, beispielsweise Ärzten, vergleichen: Haben Sie das Gefühl, dass diese Gruppe speziell ist?

Ja, der deutsche Maschinenbau ist klar konservativer als andere Bereiche. Vergleichbar wäre nur noch der deutsche Automobilbau. Beispielsweise höre ich immer wieder: „Unser Meister spricht kein Englisch.“ Das wundert einen, weil jeder von uns mindestens fünf Jahre Englisch in der Schule gehabt hat.

Und Leute, die kein Deutsch können, berichten, dass man in Deutschland mit Englisch nicht gut weiter kommt, im Gegensatz zu Holland oder den skandinavischen Ländern, wo man jeden auf der Straße auf Englisch fragen kann. Leider gilt das auch innerbetrieblich und, außer in internationalen Städten wie zum Beispiel Eschborn, für Behörden.

Wie definieren Sie konservativ in diesem Bereich?

Ich würde es als wertekonservativ definieren. Alles ist noch recht traditionell. Auch im zwischenmenschlichen Umgang verhält man sich eher so wie vor zehn, zwanzig Jahren. Das ist nicht mit dem IT-Bereich zu vergleichen, wo beispielsweise Google und Apple mit sehr innovativen Ansätzen dominieren.

Wenn Sie ein Personal suchendes Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagebau mit einem aus der IT-Branche vergleichen. Was fällt dann auf?

Das muss man statistisch mitteln. Aber es fällt auf, dass bei den IT’lern häufig gesagt wird: „Deutsch wäre schön – muss aber nicht sein“, während der Maschinenbauer sagt: „Deutsch muss sein – sogar auf sehr hohem Niveau“. Außerdem zeichnen sich die IT’ler durch eine etwas stärkere Dynamik bei den Recruiting-Prozessen aus.