Sie sagten, die Maschinenbauer hätten gerne deutschsprachige Bewerber, auch wenn sie im ländlichen Raum sitzen und niemanden finden. Wie muss man sich das vorstellen? Das Unternehmen kommt auf Sie zu und sagt: „Wir hätten gerne jemanden, der muss sehr gut deutsch sprechen. Vermitteln Sie mir den!“ Oder?

Ja, genau. Und dann frage ich, ob sie das noch mal überdenken wollen, weil das schwierig wird. Da fragt man sich natürlich schon, ob der Mangel schon groß genug ist. Im Gegensatz zum Arzt ist das, woran ein Maschinenbauer arbeitet, eine Maschine. Theoretisch müsste er eigentlich weniger Deutsch können als ein ausländischer Arzt. Trotzdem sind die Sprachanforderungen im Maschinenbau nach meiner Einschätzung höher als in Krankenhäusern. Die Ingenieure, die jetzt nach Deutschland kommen, sind bereit, Deutsch zu lernen, weil sie auswandern – wir vermitteln ja keine temporären Kräfte. Das dauert aber ein Jahr. Dann höre ich: „Nein, das geht nicht“.

Häufig haben wir sogar die Bedingung, dass die Ingenieure auf sehr gutem Niveau fast muttersprachlich Deutsch sprechen müssen. Und dann fragt man sich: „Muss der Werbetexte erstellen, oder warum ist diese Anforderung so hoch? Ich sehe eine sehr geringe Bereitschaft, das zu überdenken. Das ist wie ein Naturgesetz.

Dem Personaler aus dem ländlichen Raum sagen Sie dann: „Es wird sehr schwierig, einen Ingenieur mit Deutschkenntnissen auf Muttersprache-Niveau zu finden. Aber ich hätte vielleicht einen guten Ingenieur aus dem Ausland für Sie.“

Ja, genau. Oder ich sage, dass ich mir sicher bin, dass wir jemanden finden, der gut qualifiziert ist, der aber nicht deutsch spricht. Der Kunde antwortet dann, dass dies aus vielfältigen Gründen nicht gehe, beispielsweise seien die Prozesse und die Dokumentationen alle auf Deutsch – oder was auch immer als Grund genannt wird. Und das teilweise bei Firmen, die eine Exportquote von 70, 80 Prozent haben! Also man wundert sich wirklich. Auch hier möchte ich nicht verallgemeinern. Aber im statistischen Mittel kommt das viel häufiger vor als in anderen Branchen.

Aus welchen Ländern vermitteln Sie hauptsächlich Ingenieure nach Deutschland, und wie sieht deren Qualifikation aus?

Wir vermitteln fast nur EU´ler, weil deren Verfügbarkeit auf dem europäischen Markt derzeit sehr gut ist. Allerdings hat sich der Spanien-Hype von vor einem Jahr etwas gelegt. Denn Spanien ist kein typisches Auswanderungsland, und die Leute, die man hier möchte, sitzen nicht arbeitslos in Spanien auf der Straße. Wenn man sich in der Industrie umhört, sind die Leute auch nicht sehr zufrieden mit den Spaniern, hauptsächlich, weil sie ihren Aufenthalt in Deutschland zum Sammeln von Erfahrung temporär auf drei bis vier Jahre begrenzen.

Und die Osteuropäer?

Ganz anders sieht das bei den Osteuropäern, also Rumänen, Bulgaren, zum Teil auch den Kroaten aus. Slowaken und Ungarn muss man bedingt auch zu dieser Gruppe rechnen. Die wandern für unbestimmte Zeit ins Ausland aus, selbst junge Leute. Qualitativ sind diese Leute richtig gut, weil sie zum Teil schon in deutschen Unternehmen, die in all diesen Ländern der größte Investor sind, arbeiten. Das heißt, diese Auswanderer arbeiten mit deutschen Standards und können häufig zwar kein Deutsch, aber sehr viele Fachbegriffe auf Deutsch.

Zudem spielt in den ehemaligen sozialistischen Ländern ja die naturwissenschaftliche und technische Ausbildung eine große Rolle. Und was bei diesen Leuten auffällt: Sie kommen aus nicht so durchgeplanten Gesellschaften und Strukturen, wie wir sie hier in Deutschland haben. Um in einem ungeplanten System zurecht zu kommen, muss man eine gewisse Flexibilität entwickeln und sehr erfindungsreich sein. Diese Fachkräfte finden es toll, hier strukturiert zu arbeiten, behalten aber ihre Flexibilität und Kreativität bei. Und das ist eine sehr interessante Mischung, gerade in Forschung und Entwicklung oder wenn es darum geht, innovative Produkte zu machen.

Aber dann kommt Ihr Kunde, der sagt, dass das nicht geht, weil der Rumäne nicht deutsch spricht?

Genau. Das kann aber auch an den Kunden des Unternehmens liegen. Wenn das Unternehmen beispielsweise einen Exportanteil von 80 Prozent hat, deutschtümelt es bei den 20 Prozent deutschen Kunden. Und wenn der Kunde unbedingt jemand will, der gut deutsch spricht, nimmt das Unternehmen für diese Aufgabe keinen englischsprachigen Ingenieur. Wenn es dann den Kandidaten nicht ausschließlich für ausländische Kunden oder ausschließlich in der Entwicklung einsetzen kann, wird es schwierig.

 

 

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