Die positive Wirkung nutzen

Insgesamt lassen sich diese Überlegungen auf die folgende Formel reduzieren: Wenn man Sprache als Ausdruckmittel einsetzt und ihren Gebrauch verfeinert, dann können Worte im Innovationsprozess ihre positive Wirkung entfalten. Sprache sollte allerdings weder als Eindrucksmittel noch als Druckmittel genutzt werden. Doch wann verwendet man Sprache als Eindrucksmittel oder als Druckmittel? Oft wird Sprache bemüht, um sich selbst eindrucksvoll zu inszenieren. Dies beginnt mit dem übermäßigen Gebrauch ungewöhnlicher Fremdworte, mit denen man sich selbst als besonders gebildet präsentieren will. Eine ähnliche Absicht haben Menschen, die zu Zitieritis oder Abkürzeritis neigen, um interessant zu wirken. Ebenso ist es üblich, imposante Mottos zu präsentieren, dies jedoch meist in One-way-Kommunikationsform. Dies bedeutet: Der Präsentierende und gegebenenfalls noch seine Mitarbeitenden denken sich einen Leitspruch, eine zukunftsweisende Formulierung für ein Projekt oder einen Veränderungsprozess aus und präsentieren diese dann stolz als Motto oder Titel. Doch diese vermeintlich beeindruckende Botschaft verfehlt die Wirkung. Denn wer andere ins Boot holen will, sollte auch ihre Gedanken, Worte und Ausdrucksweisen berücksichtigen und keine Motivationssprüche verordnen, die dann eher auf Widerstand stoßen. Begeisterung kann sich so weniger verbreiten.

Nicht als Druckmittel verwenden

Sprache kann durchaus auch antreibend und druckerzeugend angewendet werden.  Dies kennt man aus vielfältigen Situationen im beruflichen Alltag, sei es in Meetings, in Feedbackgesprächen und in Projek­ten. Wer beispielsweise seinen Mitarbeitenden mit den Worten „Was haben Sie getan, um eine Lösung zu finden?“ das Gefühl vermittelt, diese zu verhören, bewirkt, dass sich die Mitarbeiter verschließen. Solche sprachlichen Kommunikationssperren bremsen Engagement, kreative Gedanken und Eigeninitiative sehr wirksam aus. So entstehen Denkblockaden, es werden unterschwellig Widerstände ausgelöst, die Identifikation mit dem geplanten Vorhaben wird verhindert oder es entstehen Über- oder Unterforderungsgefühle. Die Motivation sinkt. Denn alles wirkt! Dies gilt auch unterschwellig und ohne, dass der Gesprächspartner gleich Kommunikationswissenschaftler sein muss. Die Tragweite der gewählten Worte erstaunt Menschen immer wieder. „Alles wirkt“ gilt nach innen, also hin zum Individuum und seiner Innenwelt, gleichsam gilt es bei der Verbindung nach außen, also bezogen auf Gesprächspartner. Damit ein Innovationsprozess vorankommt, sollte Sprache aber unterstützend und nicht hindernd eingesetzt werden. Dies gelingt, wenn man positive Formulierungen verwendet, wenn die Botschaft zukunftsweisend und lösungsorientiert statt problemorientiert ist, wenn Sprache konkret in der Sache und wertschätzend gegenüber dem Gesprächspartner ist.

Eine entsprechende Situation ist beispielsweise die Aufforderung an das Team, konstruktiv, kreativ und pro-aktiv nach neuen Lösungen und Ansätzen zu Wertschöpfungssteigerung und Optimierung zu suchen – dies ohne kleinteilige Einschränkungen oder hochgeschraubte Erwartungshaltung. Wenn Führungskräfte Sprache nach dieser Systematik einsetzen, erleichtern sie den gedanklichen Austausch und Innovationsprozesse bekommen Rückenwind. aru

Über die Autorinnen

Annette Blumenschein ist als Management-Beraterin und Trainerin für Kreativ-Kompetenz, Innovation und Führung deutschlandweit tätig. Als Moderatorin ist sie auch aktiv tätig für das Netzwerk „Querdenker International“. Für ke NEXT hat sie mit Ingrid Ute Ehlers mehrere Beiträge verfasst.

Ingrid Ute Ehlers ist Management-Beraterin mit internationaler Projekterfahrung. Als Trainerin und Moderatorin ist sie tätig in der Vermittlung von Kreativ-Kompetenz, im Projektmanagement und in Veränderungsprozessen.

Die Autorinnen sind erreichbar über: www.ideen-managen.de