Wie sollte man vorgehen?

Stehen grundlegende Ziele und Möglichkeiten fest, werden ein grober Zeitplan sowie wesentliche Suchkriterien erarbeitet und gewichtet. Aus diesen Prämissen lassen sich meist auch Aussagen zu denkbaren Kaufpreisen oder dem Finanzierungsbedarf ableiten. Anschließend werden erste Transaktionsunterlagen wie ein Unternehmensprofil erstellt und die Suche am Markt gestartet. Übernehmen Mittelständler die Suche selbst, sollte man vor der Kontaktaufnahme leicht zu beschaffende Informationen begutachten und für sich bewerten. So kann man sich schnell und kostengünstig einen ersten Eindruck verschaffen. Sind externe Berater eingebunden, prüfen diese in der Regel verschiedene Informationsquellen und erstellen zunächst eine sogenannte Long List möglicher Kandidaten zur Auswahl für den Kunden. Sie sprechen anschließend auch die Unternehmen an, schließen bei erstem Interesse eine Vertraulichkeitsvereinbarung, unterstützen erste Gespräche. Möchten beide Parteien ernsthaft ein mögliches Engagement prüfen, unterzeichnen sie eine unverbindliche Absichtserklärung. Spätestens an diesem Punkt sollten entsprechend erfahrene Fachleute für die Formulierungen und Begleitung eingebunden werden, um mögliche zeit- und kostenintensive Missverständnisse zu vermeiden.

Was folgt dann?

Anschließend geht es in die Due-Diligence-Prüfung, das ist eine detaillierte Prüfung der wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Gegebenheiten des Zielunternehmens. Im Ergebnis erhält der Interessent einen Indikator für den Wert des Betriebes, über Stärken und Schwächen sowie die Risiken eines möglichen Investments. Anschließend geht es in die Vertrags- und Kaufpreisverhandlungen, im Idealfall mit dem Ergebnis der Unterschrift beider Parteien und der darauffolgenden Umsetzung.

Immer wieder scheitern Transaktionsprozesse. Was sind typische Fehlerquellen beim Zukauf eines Unternehmens?

Selbst unter günstigen internen und externen Rahmenbedingungen bleibt eine Unternehmenstransaktion ein komplexer Prozess, und Risiken lassen sich niemals ganz ausschalten. Mit einem geplanten und gezielten Vorgehen können sie aber eingegrenzt werden. Wir haben jedoch auch schon erlebt, dass Transaktionen nicht funktionieren, weil keine Einigung beim Kaufpreis erzielt wird, die Finanzierung kurzfristig scheitert, die Geschäftsführung verkaufen möchte, aber nicht die Gesellschafter – oder weil fehlende Ressourcen immer wieder für Verzögerungen sorgten, sodass schließlich das Projekt gestorben oder einfach zu wenig Zeit für die Umsetzung eingeplant war.

Apropos Zeit, wie lange dauert ein Transaktionsprozess in der Regel?

Dafür gibt es keine pauschale Aussage, denn das hängt von vielen Faktoren ab. Nach unseren Erfahrungen sollte man für den Kauf eines gesunden Unternehmens mindestens sechs bis zwölf Monate einplanen. Anders ist das beim Erwerb von Firmen in der Krise, zum Beispiel im Rahmen einer Insolvenz. Hier ist schnelles Handeln gefragt, meist innerhalb weniger Wochen oder Monate. Dafür ist dies eine interessante Option. Ist der operative Kern grundsätzlich gesund, kann man vielleicht für einen guten Kaufpreis einsteigen und das eigene Wachstum realisieren. Wir haben dies bei Mandanten bereits mehrfach begleitet. So konnte ein Betrieb aus dem Behälterbau mit dem Zukauf eines branchengleichen Unternehmens aus der Insolvenz heraus zum Beispiel zusätzliche Produktgrößen in sein Portfolio aufnehmen und dringend benötigte personelle sowie räumliche Kapazitäten verwirklichen. Bei einem anderen Fall suchte ein Unternehmen aus dem Bereich Werkzeugbau dringend erfahrenes Fachpersonal und ebenfalls Fertigungskapazitäten. Der Zukauf eines Betriebes aus der Insolvenz heraus sicherte ihm beides. So konnte das Unternehmen weitere Aufträge annehmen, die bisher aufgrund fehlenden Personals nicht umsetzbar waren. Beide sind mit dieser Wachstumsstrategie durch Zukauf gut gefahren. aru

Über den Interviewpartner

Simon Leopold ist Geschäftsführer bei ABG Consulting-Partner, einem mittelständischen Beratungsverbund mit dem Fokus Steuerberatung, Unternehmensberatung, Recht, Marketing und Wirtschaftsprüfung. Das Unternehmen hat Standorte in München, Dresden, Bayreuth und Böblingen.

Kostenlose Registrierung

Newsletter
Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?