Tom Bley, Senior Sales Executive bei UL EHS, einem Geschäftsbereich von UL, das ein unabhängiges Unternehmen der Sicherheitswissenschaften ist. Bild: UL EHS

Tom Bley, Senior Sales Executive bei UL EHS, einem Geschäftsbereich von UL, das ein unabhängiges Unternehmen der Sicherheitswissenschaften ist. Bild: UL EHS

Herr Bley, was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Sicherheitsprobleme im Maschinen- und Anlagenbau?

Was man in diesem Bereich sehen kann: Wenn die Arbeitssicherheit nicht schon bei der Ausschreibung mitberücksichtigt wird, besteht das Risiko, dass Auftragnehmer künftig niedrigere Angebote abgeben, um ihre eigene Profitmarge zu bewahren. Als Konsequenz sind dann viele Verzögerungen und Nacharbeiten zu erwarten, weil die Arbeiten nicht gemäß der - vielleicht auch nur impliziten - Erwartung des Auftraggebers ausgeführt werden. Daher lautet eine Empfehlung von uns immer, sicherheitsrelevante Themen schon direkt in den Ausschreibungen mit einzupreisen, damit die Erwartungen an alle teilnehmenden Parteien klar sind und sie dementsprechend in die Angebote aufgenommen werden können.

Sie meinen, dass ansonsten bei den Zulieferern das Sicherheitsthema fehlen könnte?

Genau. Wenn es mehrere Parteien gibt, die dazu zusammenarbeiten und die vielleicht Gewerke zuliefern, dann ist das ein großes Thema.

Screenshot: die Plattform Pure Safety, Bild: UL EHS
Screenshot von der Plattform Pure Safety, Bild: UL EHS

Wie könnten denn diese vorgeschriebenen Sicherheitsstandards aussehen?

Hier sind als Erstes natürlich die gesetzlichen Standards, die es bereits gibt, zu empfehlen. Leider gibt es bei vielen Leuten, die in der Industrie arbeiten, erst einmal eine ablehnende Meinung, wenn sie hören: ‘Ich komme von der Regierung und bin hier, um Ihnen zu helfen, damit Sie Ihre Sicherheit verbessern.’ Denn zum einen trauen sie es dem Gesetzgeber nicht zu, diesbezüglich wirklich zu helfen. Zum anderen möchte man ungern gezwungen werden, irgendwelche Aktionen zu ergreifen. Es sind jedoch viele Vorteile damit verbunden, wenn man sich proaktiv mit gesetzlichen Standards auseinandersetzt, die man letztendlich einhalten muss.

Welche sind das zum Beispiel?

In die gesetzlichen Standards sind viele Best-Practice-Erfahrungen, aber auch viele schmerzhafte Erfahrungen reingeflossen, die andere Unternehmen schon machen mussten. Deswegen empfehlen wir unseren Kunden immer, dass sie sich die Gesetzeslage genau anschauen, die für ihre Firma zutrifft. Dann müssen sie nicht Ihre eigenen schmerzhaften Erfahrungen machen, sondern können von der Erfahrung anderer Firmen lernen, die ja meistens solchen Gesetzen zugrunde liegt.

Der Vorteil in dem proaktiven Auseinandersetzen liegt also darin, die Fehler anderer zu vermeiden?

Ja, unter anderem. Aber auch, dass Sie eine Kultur der Sicherheit im Unternehmen etablieren können, sodass die Arbeitnehmer Dinge richtig tun, weil sie die Wahl dazu haben und nicht, weil es vorgeschrieben ist. Und sie haben einfach eine niedrigere Verletzungsrate. Sie sehen eine bessere Leistung. Die Mitarbeitermotivation ist höher, wenn es gute Sicherheitsstandards gibt, wenn es wenige Verletzungen gibt.