Hat man sich nach der Vorabanalyse für einen Antrag entschieden, muss man nun das eigene Projekt überzeugend präsentieren. Dies gilt umso mehr, da Förderprogramme zunehmend wettbewerblich organisiert sind. Das Projekt muss in dem Fall nicht nur den Gutachter überzeugen und gewisse Mindestanforderungen erfüllen, sondern auch überzeugender sein als andere Projekte. Inhaltlich ist daher auf drei Aspekte besonders zu achten.

  • Ziele des Förderprogramms: Es ist von größter Bedeutung für den Erfolg eines Antrages, die angesprochenen Ziele des Förderprogramms konkret und umfassend zu adressieren. Für den Fördermittelgeber ist dies eines der wichtigsten Bewertungskriterien, denn er fördert nur solche Projekte, die seinen politischen Zielen dienen. Für einen Gutachter ist es wichtig zu sehen, wo die projekt-relevante Expertise des Antragstellers liegt, an welcher Stelle die Projektergebnisse maßgeblich über den Stand der Technik hinausgehen und welches gesellschaftliche Problem gelöst wird.
  • Schreibstil: Um das eigene Projekt angemessen zu beschreiben, hilft ein prägnanter Schreibstil, der sich auf die wesentlichen Aspekte konzentriert. Eine gelungene Heranführung an das Thema und ein klares Gesamtbild von Projektzielen und Lösungsansatz erleichtern dem Gutachter, das Projekt zu verstehen und den gesellschaftlichen Mehrwert zu erkennen. Unserer Erfahrung nach fällt es gerade spezialisierten Firmen und technischen Experten oft schwer, der Verständlichkeit des Textes Vorrang gegenüber der wissenschaftlichen Detailgenauigkeit zu geben. Daher sollte der Antrag am besten einem fachfremden Kollegen, im Optimalfall mit Antragserfahrung, einem Partner oder externen Fachberater anvertraut werden.
  • Textstruktur: Bei den meisten Förderprogrammen gibt es spezifische Vorlagen, die Anforderungen an Inhalt, Aufbau und Formatierung des Antrags aufzeigen. Zwischenüberschriften, graphische Darstellungen, Aufzählungspunkte und Tabellen erleichtern zudem den Zugang zu Inhalten. Um überzeugender zu argumentieren, sind zudem Verweise auf politische Referenzen wie Verbandsaussagen oder Strategiepapiere sowie relevante Quellen wie Fachartikel, Marktstudien oder statistische Erhebungen wichtig.
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Wichtige Dimensionen einer Förderung im Zeitverlauf. Wichtig ist, dass die einzelnen Abteilungen für die Fördermittelabläufe sensibilisiert werden. - (Bild: PNO Consultants)

Im Sinne des Projektmanagements gelten für Förderanträge ähnliche organisatorische Anforderungen wie bei anderen Projekten. Leider wird dieser Punkt insbesondere von KMU häufig unterschätzt. Unsere Berater beobachten bei Förderanträgen systematisch niedrigere Erfolgschancen von KMU, nicht etwa weil die Projektideen weniger Potenzial besitzen, sondern weil in der Regel die Kapazitäten für eine Professionalisierung des Fördermittelmanagements fehlen. Hier kann die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem erfahreneren Partner oder die Einbindung externer Kapazitäten sinnvoll sein.

Bei Konsortialprojekten sollte man zusätzlich darauf achten, von allen Beteiligten eine ausreichende Verbindlichkeit für die Projektbeteiligung sicherzustellen. Viele Förderprojekte scheitern auf halber Strecke nicht etwa durch behördliche Vorgaben, sondern weil das Konsortium zerbricht. Eine rechtzeitige Absprache, klare Verantwortlichkeiten und die Festlegung eines Koordinators helfen die vielseitigen Anforderungen an Inhalt und Formalitäten zu meistern.

Spätestens im Zuge des Antrags sollte zudem unbedingt eine Kooperationsvereinbarung ausgearbeitet werden, welche die Rechte und Pflichten der Projektpartner, die Aufgabenverteilung und geistiges Eigentum regelt sowie Abbruchkriterien mit passenden Abwicklungsprozeduren definiert. Die formalen Anforderungen bei den einzelnen Programmen unterscheiden sich sehr stark, sodass sich hier nur sehr wenige allgemein gültige Aussagen treffen lassen. Eines ist allerdings allen Programmen gemein: Das Projekt darf nicht vor einer Bewilligung begonnen werden, was meist am Eingehen projektbezogener vertraglicher Verpflichtungen festgemacht wird. Weiterhin ist zu beachten, dass formale Unterlagen zwar normalerweise nachgereicht werden können, aber dadurch indirekt dennoch ein Nachteil entstehen kann. Die fristgerechte Einreichung eines vollständigen Antrags bewahrt vor projektschädlichen Verzögerungen und Rückfragen seitens des Fördermittelgebers. Zudem wird das Risiko minimiert, dass der Fördertopf leer ist, bevor das eigene Projekt bewilligungsreif ist.

ke NEXT hakt nach - Eine Frage an Daniel Ghioreanu

Daniel Ghioreanu
Daniel Ghioreanu, PNO Consultants. (Bild: PNO Consultants)

Herr Ghioreanu, welchen Fehler begehen Ihrer Erfahrung nach die Unternehmen am häufigsten vor der Antragstellung?

In vielen Fällen wird die Vorbereitungsphase vor der möglichen Antragstellung vernachlässigt. In dieser Phase müssen wichtige Rahmenbedingungen geklärt werden. Passt eine Förderung zu meinem Unternehmen? Stimmt das Timing? (Vorbereitung und Antragsphase kosten Zeit, bis zur Bewilligung zwischen drei und 12 Monaten.) Welches Förderprogramm bietet mir für mein Vorhaben die besten Konditionen? Kann oder will ich die Anforderungen einer Förderung erfüllen (zum Beispiel Publikation, bestimmte Ergebnisse)? Lohnt sich der Aufwand monetär (von der Antragstellung bis zu Durchführung des Projektes)? Diese und weitere Fragen sollten vorab geklärt werden, um unnötigen Aufwand zu vermeiden und die Erfolgschancen in der anschließenden Antragstellung zu erhöhen.

Die Frage stellte Angela Unger, Redaktion

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