• In Großkonzernen wird Internationalität groß geschrieben. Wer auch gerne im Ausland oder an internationalen Projekten arbeitet, ist hier richtig. Bild: Bosch Rexroth

    In Großkonzernen wird Internationalität groß geschrieben. Wer auch gerne im Ausland oder an internationalen Projekten arbeitet, ist hier richtig. Bild: Bosch Rexroth

  • Neben einer großen Bandbreite an Projekten und Arbeitsbereichen, können Ingenieure bei großen Unternehmen auch an der Entwicklung mehrerer Produkte mitwirken. Bild: SKF

    Neben einer großen Bandbreite an Projekten und Arbeitsbereichen, können Ingenieure bei großen Unternehmen auch an der Entwicklung mehrerer Produkte mitwirken. Bild: SKF

  • In Laboratorien auf der ganzen Welt testen SKF-Ingenieure die Qualität der Produkte. Bild: SKF

    In Laboratorien auf der ganzen Welt testen SKF-Ingenieure die Qualität der Produkte. Bild: SKF

  • Neben spannenden Tätigkeitsbereichen sind auch die Bewerbungskriterien für Ingenieure bei Großkonzernen sehr hoch. Bild: SKF

    Neben spannenden Tätigkeitsbereichen sind auch die Bewerbungskriterien für Ingenieure bei Großkonzernen sehr hoch. Bild: SKF

  • Bei einem Familienunternehmen, wie  beim Sicherheitstechnik-Spezialisten Euchner, übernehmen Ingenieure schon frühzeitig eigene Aufgabengebiete. Bild: Euchner

    Bei einem Familienunternehmen, wie beim Sicherheitstechnik-Spezialisten Euchner, übernehmen Ingenieure schon frühzeitig eigene Aufgabengebiete. Bild: Euchner

  • Hier sind die Entscheidungswege wegen der flachen Hierarchien sehr transparent. Bild: SKF

    Hier sind die Entscheidungswege wegen der flachen Hierarchien sehr transparent. Bild: SKF

Jeden Tag muss man sich entscheiden: Pulli oder Jacke, Schnitzel oder Fisch, Auto oder Fahrrad? Auch bei der Wahl des neuen Arbeitsplatzes sollten Ingenieure gut überlegen, ob der weltweit agierende Großkonzern oder der familiäre Mittelständler besser passt.

Frisch aus der Uni oder beim Wechsel des Arbeitsplatzes: Spätestens jetzt stellt sich die Frage, wo man in Zukunft arbeiten will. Lieber beim familiären Arbeitgeber von nebenan oder bei einem weltweit agierenden Großkonzern mit Niederlassungen auf allen Kontinenten? Auch Ingenieure haben die Qual der Wahl bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber. Vor allem muss die Stelle zu einem passen, müssen die Aufgaben beim neuen potenziellen Arbeitgeber attraktiv sein. Denn nach einer Umfrage der Personaldienstleisterfirma Hays binden sich Wissensarbeiter nicht an ihren Arbeitgeber, sondern eher an ihre Tätigkeit. Welche Tätigkeit zu wem passt, sollte also gründlich überlegt werden. Als klassische erste Wahl fassen viele Arbeitssuchende die großen Unternehmen ins Auge. Bei Ingenieuren wären das beispielsweise Unternehmen wie Bosch Rexroth, Continental oder SKF.

Stichwort Internationalität

Wenn man die Personalleiter der Großkonzerne fragt, fällt öfters das gleiche Stichwort: „Internationalität“. Wer gerne global tätig sein will, ist hier richtig, denn „Karriereperspektiven im In- und Ausland“, wie Frank Hirschmann, Personalleiter bei SKF, oder die „Arbeit in internationalen Teams“, wie es Dr. Konstantin Drozhdin von Continental ausdrückt, liegen hier an der Tagesordnung und sind eine tragende Säule.

Karrieretyp-Check

Führungskräfte im Mittelstand müssen aus einem ganz bestimmten Holz geschnitzt sein. Hohe Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude und diplomatisches Geschick im Umgang mit den Gesellschaftern zeichnen sie aus. Testen Sie, ob sie eher ein Konzern- oder ein Mittelstandstyp sind.

Zwölf Fragen

Aber nicht nur das Arbeiten auf internationaler Ebene oder mit internationalen Kollegen bieten Großkonzerne. Auch die Vielfalt der Tätigkeitsfelder haben sie gemein. So finden Ingenieure bei großen Unternehmen zahlreiche Felder, in denen sie im Team oder als Führungkraft aktiv werden können. Bei SKF ist das zum Beispiel im Bereich Sustainabilty möglich, da dieser Sektor das ganze Unternehmen prägt. Denn die umweltverträglichen und ressourcenschonenden Technologien spielen beim Konzern sowohl im Bereich Automotive als auch in der Industrie eine zentrale Rolle.

Dr. Konstantin Drozhdin„In Deutschland sind die Mitarbeiter im Schnitt fast 15 Jahre bei Continental beschäftigt.“
Dr. Konstantin Drozhdin, Continental

Dafür wird in den verschiedenen Unternehmen auch viel in Forschung und Entwicklung investiert. Und die Chance an der Zukunft mitzuwirken, wollte sich Ingenieur Norbert Balbierer, tätig bei Continental, nicht nehmen lassen: „Continental bietet als internationaler Automobilzulieferer, Reifenhersteller und Industriepartner die Möglichkeit, an der Zukunft des Automobils und der Mobilität von morgen zu arbeiten. Mich spricht das an, weil mein berufliches Interesse der Forschung und Entwicklung gilt.“

Andreas Weisbeck„Ein Ingenieur muss pragmatisch, offen, flexibel, optimistisch und teamfähig sein.“
Andreas Weisbeck, Euchner

Weil die Vorteile bei einem Großkonzern – von internationaler Tätigkeit, spannenden globalen Projekten und technologieübergreifende Arbeiten – so groß sind, sind die Bewerbungskriterien auch sehr hoch: „Ingenieure sollten Eigeninitiative, fachliche, soziale und interkulturelle Kompetenz an den Tag legen. Wir brauchen aufgeschlossene und mutige Persönlichkeiten, die Entscheidungen kritisch hinterfragen und Konflikten konstruktiv begegnen“, erklärt SKF-Personalchef Hirschmann. Weiterhin sollten Bewerber eine gute Abschlussnote, einen Auslandsaufenthalt, außeruniversitäre Aktivitäten und kommunikative Kompetenzen mitbringen. Auch bei Continental wird darauf geachtet, dass die neuen Mitarbeiter „Lust haben in internationalen Teams zu arbeiten, bereit sind Verantwortung zu übernehmen und Dinge kritisch zu hinterfragen.“ Deswegen müssen Bewerber auch meist ein mehrstufiges Vorstellungsgespräch erdulden, von mehreren Telefoninterviews bis hin zu Assessment-Centern. „Ein erstes Kennenlernen erfolgt im Rahmen eines Telefoninterviews.“

Dr. Ingo Rendenbach„Ingenieure haben bei uns die Möglichkeit, technologieübergreifend und weltweit an spannenden Projekten zu arbeiten.“
Dr. Ingo Rendenbach, Bosch Rexroth

Bei der Bewerbung auf eine konkrete Position als Professional oder Hochschulabsolvent gibt es nach dem Telefoninterview ebenfalls ein bis zwei persönliche Gespräche“, erklärt Dr. Ingo Rendenbach, Leiter der Personalabteilung von Bosch Rexroth.

Trotzdem würde sich Balbierer wieder für den Großkonzern entscheiden, obwohl die Konzernstrukturen komplex sind: „Großkonzern-Strukturen, die man erst nach und nach durchschaut, vielschichtige Zusammenhänge im Unternehmen – das in der Gesamtheit zu überblicken benötigt etwas Zeit. Selbst nach fünf Jahren im Unternehmen lernt man immer wieder etwas Neues kennen, was für mich ein wichtiger und wertvoller Teil meiner Arbeit ist.“

Frank Hirschmann„Die Möglichkeit zur aktiven Beteiligung an Verbesserungsprojekten besteht in allen Geschäftsbereichen fast jederzeit.“
Frank Hirschmann, SKF

Doch nicht nur nur der klassiche Großkonzern bietet Ingenieuren gute Karriere- und Aufstiegschancen. Auch das mittelständische Familienunternehmen bietet viele Perspektiven.

Flache Hierarchien

Der Spezialist für Sicherheitstechnik Euchner in Leinfelden-Echterdingen wird in dritter Generation von Diplom-Ingenieur Stefan Euchner geführt. Für ihn ist ein gewisser Pragmatismus wichtig, die Zuversicht, dass man sein Umfeld aktiv gestalten kann. Neben Kreativität demonstriert der Geschäftsführer auch eine Unternehmensphilosophie der offenen Tür. Mitarbeiter können auch ohne Termin gerne mit ihm sprechen, Kritik äußern oder Verbesserungsvorschläge vorbringen. Geschäftsführer Euchner: „Das Besondere an einem mittelständischen Unternehmen ist natürlich, dass es nicht so groß ist und dank der flachen Hierarchien die Entscheidungswege für alle Mitarbeiter transparent erscheinen, sodass sie die Ursache und Wirkung bei vielen Prozessen nachvollziehen können.“

Fragen an den Ingenieur:

Norbert Balbierer

„Die Frage ist, ob man sich in seinem jeweiligen Ökosystem wohl fühlt.“ Norbert Balbierer, Continental – Bild: Continental

Was waren Ihre Beweggründe dafür, dass Sie sich einen Job bei Continental/bei einem großen Unternehmen gesucht haben?
Continental bietet als internationaler Automobilzulieferer, Reifenhersteller und Industriepartner die Möglichkeit, an der Zukunft des Automobils und der Mobilität von morgen zu arbeiten. Mich spricht das an, weil mein berufliches Interesse der Forschung und Entwicklung gilt. Also Dinge zu bewegen, zu verändern und mitzubestimmen, heißt für mich erfolgreich zu arbeiten. Die innovative Forschungstätigkeit von Continental zeigt sich beispielsweise auch durch die enge regionale Zusammenarbeit von Continental mit der OTH Regensburg, wodurch neue Impulse und ein akademischer Geist in die Forschung und Entwicklung Einzug finden.

Wo waren Sie vorher tätig?
Vor Beginn meiner Angestelltentätigkeit bei Continental konnte ich bereits vier Jahre als Doktorand im Unternehmen mitwirken. Davor habe ich studiert.

War die Eingewöhnung in das neue Umfeld für Sie schwierig?
Nein, überhaupt nicht. Weder zu Beginn meiner Zeit als Doktorand, noch mit der Festanstellung. Von Beginn an empfand ich eine offene, freundschaftliche Atmosphäre im Unternehmen und in der Abteilung. Ich hatte nie das Gefühl, alleine zu stehen. Hier zeigt sich für mich auch die gelebte Wertekultur bei Continental.

Wie haben Sie die erste Zeit bei Continental und in der Region erlebt?
Die Region war für mich nicht neu – was zeigt, dass ich mich der Stadt Regensburg und der Umgebung durchaus verbunden fühle. Continental war es hingegen schon. Großkonzern, Strukturen, die man erst nach und nach durchschaut, vielschichtige Zusammenhänge im Unternehmen – dies in der Gesamtheit zu überblicken benötigt etwas Zeit. Selbst nach fünf Jahren im Unternehmen lernt man immer wieder Neues kennen, was für mich auch ein wichtiger und wertvoller Teil meiner Arbeit ist.

Wie erleben Sie das Arbeitsklima bei Continental? Was ist besonders an Continental?
In meinem Bereich hatte ich von Beginn an stets das Glück in einem sehr freundschaftlichen Umfeld arbeiten zu dürfen. Aus Kollegen sind nicht selten Freunde geworden. Wir halten zusammen – auch wenn es mal brennt. Die Werte des Konzerns – “Vertrauen“, „Verbundenheit“, „Freiheit“ und „Gewinnermentalität“ – sind für mich keine bloßen Worthülsen, sondern werden gelebt. Mitarbeiter dürfen schon früh Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen, ohne dabei zahlreiche Genehmigungen einholen zu müssen. Das zeigt beispielsweise das gelebte Vertrauen bei Continental.

Wo sehen Sie für sich die Vorteile in der Arbeit bei einem Großkonzern?
Für mich ist die Möglichkeit, echte Innovationen voranzutreiben, ein echter Vorteil. Ein gutes Beispiel sind hier die Einführung von Ethernet in der Fahrzeugvernetzung oder die Forschung am automatisierten Fahren. Ergänzt wird das durch die spannende Vernetzung mit anderen ‚Global Playern‘, zu Beispiel den großen Automobilherstellern, Zulieferern und Forschungseinrichtungen. Dadurch ergeben sich auch für mich persönlich gute Netzwerke.

Wo sehen Sie die Nachteile?
In Großkonzern dauern manche Dinge einfach etwas länger. Es ist aber verständlich, dass ein Großunternehmen ohne umfassende, transparente Prozesse nicht funktionieren kann. Natürlich gibt es auch immer Verbesserungspotenzional, zum Beispiel wenn Prozesse ein effizientes Vorankommen in einem Projekt ausbremsen.

Wie bewerten Sie Ihre Karrierechancen?
Ich hoffe, dass sie gut sind. Ich sehe da aber vor allem mich selbst in der Pflicht. Ich will meine Sache gut machen. Ich denke, dass das ausschlaggebender ist, als die Frage ob Großkonzern oder nicht.

Glauben Sie, man muss ein bestimmter Typ sein, um sich in einem Großkonzern wohl zu fühlen?
Nein, das denke ich nicht. Bricht man den Konzern auf die einzelnen Organisationseinheiten, also Divisionen, Business Units und letztendlich Abteilungen herunter, stellt jede ein eigenes Ökosystem dar, das durch die Continental-Kultur miteinander verbunden ist. Die Frage ist, ob man sich in ‚seinem‘ jeweiligen Ökosystem wohl fühlt. Ich sehe es als Vorteil von Großkonzernen, dass man eine Vielzahl an Möglichkeiten hat – ob man sich eher der Forschung und Entwicklung verbunden fühlt, Großserien betreuen möchte, Projekte leiten oder Führungsaufgaben übernehmen will – man kann ‚seinen‘ Platz finden.

Was das Aufgabengebiet angeht, haben Mitarbeiter bei einem Familienbetrieb einen Vorteil zu ihren Kollegen aus dem Großkonzern: Ein Konstrukteur oder Ingenieur spielt über die Produkte zum einen in der internationalen Liga mit und soll gleichzeitig Aufgaben jenseits seines fest umrissenen Gebiets übernehmen.

Bei der Bewerbung müssen potenzielle Mitarbeiter keine Assesment-Center bestehen, denn bei Euchner zählt die praktische Bewährung: „Bei uns kann man relativ früh Verantwortung bekommen. Nach einem Jahr kann das durchaus sein“, erkärt der Geschäftsführer. Hautpcharakterzüge eines Euchner-Ingenieurs: „Er sollte pragmatisch, offen, flexibel, optimistisch und teamfähig sein“, betont Andreas Weissbeck, Leiter Personal. Es handle sich einfach um ein „gegenseitiges Austarieren, ob es für beide Seiten passt“, präzisiert Euchner.

Welcher Typ bin ich?

Ob nun Großkonzern oder Familienunternehmen – wo man arbeiten will, muss jeder selbst entscheiden. Für Balbierer war Arbeitgeber Continental genau richtig, denn für ihn gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Großkonzern und Familienunternehmen. Breche man die Organisationseinheiten herunter, stelle jedes ein eigenes Ökosystem dar. „Die Frage ist, ob man sich in seinem jeweiligen Ökosystem wohl fühlt“, sagt Balbierer.

Von Felicitas Heimann
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Felicitas HeimannFelicitas Heimann    
Redaktion, ke NEXT

Im Gespräch mit  Dipl.-Ing. Thomas Gabler und Ingenieur Albrecht Nestle

„Man hat eine sehr große Bandbreite an Möglichkeiten“
Familienunternehmen oder Großkonzern? Diese Frage stellen sich viele Ingenieure bei der richtigen Jobwahl. Warum es sich für einen Ingenieur lohnt, bei einem Großkonzern zu arbeiten.

Was waren Ihre Beweggründe, dass sie sich einen Job bei einem großen Unternehmen gesucht haben?
Gabler: Ich wurde angesprochen. Zu jener Zeit habe ich eine Aufgabe gesucht, in der ich meinen Innovationsdrang und Unternehmergeist verwirklichen konnte, in Verbindung mit der Stabilität und Vielseitigkeit eines Großunternehmens.
Nestle: SKF entwickelt, produziert und vertreibt Produkte, die in so gut wie jeder Branche und Anwendung irgendwo auf der Welt zum Einsatz kommen. Dadurch hat man, insbesondere als Absolvent und Berufseinsteiger, einen umfassenden Einblick in spannende Anwendungen und kann in kurzer Zeit sehr viel lernen und erleben.

Dipl.-Ing. Thomas Gabler

Dipl.-Ing. Thomas Gabler, Gruppenleiter Firmwareentwicklung Engineering Automation Systems, Bosch Rexroth – Bild: Bosch Rexroth

Wo waren Sie vorher tätig?
Gabler: Ich habe zuvor einem mittelgroßen Familienunternehmen gearbeitet.
Nestle: Ich habe direkt nach dem Maschinenbaustudium an der Universität Stuttgart bei SKF angefangen. Während des Studiums arbeitete ich als Praktikant in unterschiedlichsten Firmen und Instituten – von industrienahen Forschungseinrichtungen wie der Fraunhofer Gesellschaft über inhabergeführte Mittelständler bis hin zum Weltkonzern in der Automobilindustrie.

War die Eingewöhnung in das neue Umfeld für Sie schwierig?
Gabler: Nein, im Gegenteil. Ich bin sehr kollegial aufgenommen worden und konnte direkt meine Kenntnisse einsetzen.
Nestle: Nein, überhaupt nicht. SKF hat, eben typisch für einen schwedischen Konzern, eine sehr offene Firmenkultur, die geprägt ist von flachen Hierarchien, direkter, intensiver Kommunikation über alle Ebenen weg und einem hohen Maß an Eigenverantwortung. Durch Einführungs- und Kennenlernprogramme und insbesondere auch durch das 1 ½ jährige Traineeprogramm am Anfang meiner SKF-Karriere baute ich schnell ein sehr großes Netzwerk auf, das ungemein wertvoll ist.

Wie haben Sie die erste Zeit bei Ihrer Firma und in der Region erlebt?
Gabler: Ich habe sofort inhaltlich an einem spannenden Thema gearbeitet. Es war leicht, über Bosch Rexroth neue Kontakte zu schließen und sich in Lohr einzuleben.
Nestle: Ich persönlich konnte während des Traineeprogramms meine individuellen Stärken, aber auch meine Entwicklungsfelder, kennenlernen und mir danach intern eine Stelle suchen, auf der ich mich optimal verwirklichen kann. Dabei halfen mir einerseits die zahlreichen Schulungen und Trainings, andererseits das kollegiale Coaching und das Feedback von Mentoren, die einem mit Rat und Tat zur Seite standen. Die Region Unterfranken kannte ich vorher nicht. Da ich in meiner Freizeit leidenschaftlicher Mountainbiker bin, habe ich mir die Gegend recht schnell mit dem Bike erschlossen und so die schönen Ecken entdeckt.

Wie erleben Sie das Arbeitsklima im Unternehmen?
Gabler: Überaus angenehm. Ich habe einen sehr hohen Freiheitsgrad, meine Arbeitsinhalte zu bestimmen und unternehmerisch zu handeln. Ich genieße es, in einem hoch innovativen Umfeld mit kreativen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten.
Nestle: Bei SKF herrscht eine sehr kollegiale Arbeitsatmosphäre, was sehr motivierend ist. Außerdem schätze ich das eigenverantwortliche Arbeiten, wodurch ich die Freiheit habe, meine Aufgaben in hohem Maße selbst zu planen und viel Gestaltungsfreiraum habe. SKF ist außerdem von einer offenen Kommunikationskultur geprägt, was mir persönlich sehr gefällt.

Albrecht Nestle

Ingenieur Albrecht Nestle, Project Manager Modelling and Simulation, SKF – Bild: SKF

Wo sehen Sie für sich die Vorteile in der Arbeit bei einem Großkonzern?
Gabler: Ich kann unternehmerisch handeln und neue Ideen verwirklichen. Dazu habe ich Zugriff auf die Ressourcen eines Großunternehmens. Das beginnt bei den Ergebnissen unserer Vorentwicklung oder modernsten Tools und geht über den Zugang zu unterschiedlichsten Kunden bis hin zu Rechts- und Patentabteilungen, die meine Arbeitsergebnisse schützen und optimal umsetzen.
Nestle: Die Möglichkeit, an abwechslungsreichen und herausfordernden Aufgaben und Projekten zu arbeiten, verbunden mit einem hohen Maß an Gestaltungsfreiheit. Zudem gefällt mir das Arbeiten in internationalen Teams.

Wo sehen Sie die Nachteile?
Gabler: Eigentlich sehe ich keine Nachteile. Natürlich sind die Entscheidungsprozesse komplexer als in einem inhabergeführten Unternehmen, dafür sind sie rationaler. Erfolg in einem großen Unternehmen erfordert ein hohes Maß an Engagement und Eigenmotivation. Ich habe einen sehr großen Freiheitsgrad, meine Ideen zu verwirklichen und bin darin nie gebremst worden.
Nestle: Um die Prozesse, Strukturen, Systeme und die Organisation einer komplexen Matrix-Organisation, wie sie SKF hat, zu verstehen, braucht man sehr lange. Durch die vielen unterschiedlichen Einsatzbereiche während des Traineeprogramms u.a. in Produktion, Entwicklung und Vertrieb hat man andererseits aber auch die besten Voraussetzungen, ein großes Netzwerk aufzubauen, das einem bei zukünftigen Projekten eine große Hilfe und Unterstützung ist.

Wie bewerten Sie Ihre Karrierechancen?
Gabler: Sehr gut. In einem Familienunternehmen kann man unter Umständen sehr schnell Verantwortung übernehmen. Bei Bosch Rexroth dauert es vielleicht länger, dafür wird man systematisch darauf vorbereitet und hat eine sehr große Bandbreite von Möglichkeiten bis hin zu Auslandseinsätzen.
Nestle: Ich denke, dass ein internationaler Konzern wie SKF für jeden den ‚richtigen‘ Job hat. Je nach persönlichem Interesse kann man sich vielfältig entwickeln, lokal oder international arbeiten, eine Fach- oder Führungskarriere machen, usw. Die Möglichkeiten sind auf jeden Fall vorhanden oder ergeben sich im Laufe des Berufswegs – manchmal geplant, oft durch Zufall.

Was macht für Sie die Eigenart von Bosch Rexroth aus? Oder: Was ist besonders an Bosch Rexroth?
Gabler: Bosch Rexroth ist sehr innovativ und breit aufgestellt. Wir haben alle wichtigen Technologien für den Maschinenbau unter einem Dach: Software, elektrische Antriebstechnik, Hydraulik und Mechanik, außerdem noch Anwendungsexperten für nahezu alle Branchen. Ganz gleich zu welchem Thema ich Informationen suche, bei Bosch Rexroth finde ich einen Spezialisten dazu.

Was macht für Sie die Eigenart von SKF aus? Oder: Was ist besonders an SKF?
Nestle: Ich denke, es gibt wenig Produkte, die einem einen so umfassenden Einblick in unterschiedlichste Anwendungen bieten, wie die im SKF-Portfolio. Für mich als Ingenieur war das ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers. Daraus ergibt sich eine einzigartige Kombination aus internationalen Projekten, in Kombination mit technischen Herausforderungen an konkreten Kundenprojekten. Das empfinde ich persönlich als sehr spannend.

Glauben Sie, man muss ein bestimmter Typ sein, um sich in einem Großkonzern wohl zu fühlen?
Gabler: Nein. Ich bin sicher, dass sich jeder wohl fühlen kann, der bereit ist, engagiert Aufgaben zu lösen.
Nestle: Man könnte jetzt ganz klischeehaft behaupten, dass man im Konzern ein weniger umfangreiches Aufgabengebiet hat, aber dafür mehr in der Tiefe arbeitet. Für benachbarte Themen sind andere Abteilungen zuständig. Das kann ich für mich und meine Arbeit definitiv nicht behaupten. Ich habe sehr abwechslungsreiche Aufgaben und genieße diese Vielfalt auch. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass die Komplexität der Organisation eines Großkonzerns, insbesondere als Einsteiger, abschreckend wirken kann. Man braucht sicher wesentlich länger um zu verstehen, „wie der Laden läuft“, verglichen mit einem Unternehmen aus dem Mittelstand.

Was würden Sie anderen Konstrukteuren und Ingenieuren raten, die überlegen, ob sie lieber bei einem Familienbetrieb oder einem Konzern einsteigen?
Gabler: Der Einstieg bei Bosch Rexroth ist ideal für Ingenieure. Zahlreiche junge Kollegen hatten einen fließenden Übergang von der Abschlussarbeit in den Berufseinstieg. Vor allem bietet das Unternehmen eine enorme Vielfalt an Tätigkeiten: von der Entwicklung über den Vertrieb oder der Produktion und verschiedenste Technologien. Strukturierte Einstiegprogramme und eine systematische Karriereplanung erleichtern den Einstieg enorm.
Nestle: So früh wie möglich, am besten sogar noch vor dem Studium, Praxisluft schnuppern und einfach mal ausprobieren, ob einem das Arbeitsumfeld „Industrie“ überhaupt liegt und wenn ja, ob es lieber eine kleinere Firma oder doch ein großer Konzern sein sollte. Ich würde in dem Fall ganz klar auf mein Bauchgefühl hören und andere Parameter wie z.B. Gehalt, Aufstiegschancen, Reiseanteil, usw., dem unterordnen. Was bringt ein Spitzengehalt, wenn man etwas macht, bei dem man sich unwohl fühlt und permanent verbiegen muss?

Die Fragen stellte Felicitas Heimann, Redaktion