Ein Roboterarm hebt ein Plastikteil vom Fließband. Im Hintergrund ist eine Angestellte des Unternehmens zu erkennen.

Wer seinen ersten Roboter anschaffen will, sollte die Automatisierung mit einer übersichtlichen Aufgabe beginnen. Ein Roboter-Leasing oder staatliche Förderprogramme sind Möglichkeiten, anfängliche Investitionskosten niedrig zu halten. (Bild: Omron)

Unternehmenslenker in Deutschland und weltweit müssen aktuell eine Herausforderung nach der anderen stemmen: Zu den explodierenden Kosten durch die Energiekrise kommen Lieferkettenprobleme, Fachkräftemangel, Nachhaltigkeitsvorgaben und fortschreitende Digitalisierung. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) müssen schnell Lösungen finden. Automatisierung schafft Abhilfe – hierzu gehören sowohl Robotik wie Cobots und AMR (autonome mobile Roboter), als auch Sensorik, Vision- und KI-Technologie. Zwar sind sich Firmen der Vorteile derartiger Technologien durchaus bewusst, Studien zeigen aber auch, dass viele dem konkreten Einsatz skeptisch gegenüberstehen.

Laut Deutschem Robotik Spiegel befürchten etwa 48,3 Prozent der Befragten ohne Anwendungserfahrung, dass der Einsatz von Robotern mit hohen Kosten einhergehe. Eine IDC-Studie hat aber auch herausgefunden, dass mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der befragten Firmen den Einsatz intelligenter Automatisierung planen. Wer sich aktuell fragt, ob sich die Anschaffung eines kollaborativen oder mobilen Roboters für den eigenen Betrieb lohnt, für den lohnt sich möglicherweise der neue Return-on-Investment-Rechner der Firma Omron, kurz ROI-Rechner. Er errechnet einen schnellen Überblick über Investitionsrendite und soll zeigen, wann eine Robotikinvestition kostendeckend ist.

Einordnung: Automatisierung im Mittelstand

Zwei fahrerlose Transportsysteme begegnen sich in einer menschenleeren Fabrikhalle.
Im Idealfall übernehmen Roboter die besonders anstrengenden, gefährlichen oder eintönigen Aufgaben und machen das Unternehmen damit für Arbeitnehmer attraktiver. (Bild: Omron)

Derzeit gibt es rund 23,1 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Europäischen Union. Sie sind integraler Teil der Wirtschaft, auch wenn es von Land zu Land Unterschiede gibt. In Deutschland stammen beispielsweise 82 Prozent der Wertschöpfung des Landes von KMU. In der gesamten EU liegt der Wert bei etwa 56 Prozent. Der Mittelstand ist ein wichtiger Arbeitgeber: Fast 84 Millionen Bürgerinnen und Bürger der EU arbeiten in einem KMU. In Deutschland sind rund 18,5 Millionen Menschen in einem mittelständischen Betrieb beschäftigt.

Das Problem: Vielerorts fällt es immer schwerer, Mitarbeiter zu finden. In der EU waren im ersten Quartal 2022 rund 2,9 Prozent der offenen Stellen unbesetzt, fast 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Unternehmen sind demzufolge dringend gefordert, neue Wege zu beschreiten, um geeignete Mitarbeiter zu finden und zu binden. Technologien, die manuelle und repetitive Aufgaben übernehmen, können die Sicherheit der Mitarbeiter und die Effizienz erhöhen. Weitere Maßnahmen sind Weiterbildungsinitiativen, Anreize für Neustarter, Mitarbeiterprogramme und mehr.

Cobots bieten sich für den Mittelstand aufgrund ihrer Flexibilität und vielen unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten an. Dass dieses Segment enormes Potenzial hat, zeigen Studien wie von Marketsandmarkets: Demnach soll der Markt für kollaborative Roboter von 1,2 Milliarden US-Dollar 2021 auf 10,5 Milliarden US-Dollar 2027 ansteigen. Bis 2027 wird eine jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 43,4 Prozent prognostiziert.

Doch wer sich erstmals mit dieser Thematik beschäftigt, steht vor einem Berg an Fragen und Abwägungen. Omron hat vier zentrale Aspekte zusammengetragen, die zu Beginn von Automatisierungsvorhaben beachtet werden sollten, um Projekte voranzutreiben, Skepsis abzubauen und Akteure ins Boot zu holen.

Auf Anwendungsszenarien konzentrieren und langsam skalieren

Die erste Frage, die Unternehmen, die über Automatisierung und Cobots nachdenken, in den Fokus rücken sollten, ist gar nicht: Soll in Robotik investiert werden? Stattdessen: Welche Abläufe lassen sich wie effizienter gestalten? Einige Aufgaben, die sehr filigran und individuell sind, lassen sich zwar automatisieren, aber nur mit immensem Aufwand – sowohl zeitlich als auch bezüglich der Ressourcen.

Beim Einstieg in die Automatisierung ist es ratsam, mit kleinen Projekten zu beginnen und dann schrittweise zu skalieren, neue Workflows hinzuzunehmen, die Flotte auszubauen et cetera. Zum Beispiel in einer Großbäckerei: Die Unternehmenslenker fragen hier nicht primär, wie ein Roboter eingesetzt werden kann, sondern wie sich Brote etwa ohne menschliches Zutun vom Fließband in die Behälter geben lassen, die für die Bäckereifilialen bestimmt sind.

Roboter zur Unterstützung der Mitarbeiter einsetzen

Roboter punkten mit Flexibilität. Sie lassen sich verstellen und anpassen, in Flotten nutzen und mehr. Je nach Produkt und Einsatzbereich sind verschiedene Positionen und Erweiterungen denkbar, sodass sie sich an neue oder veränderte Aufgaben adaptieren lassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ersetzen. Stattdessen geht es um ein gut orchestriertes Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Insbesondere mittelständische Unternehmen sollten sich zu Beginn auf einzelne Aufgaben konzentrieren und nicht zu komplex denken und planen.

Eine Erweiterung des Cobots, beispielsweise mit einem Kamera- und Bildverarbeitungssystem (Vision Technology) ist auch später noch möglich, sofern auf einen Robotikpartner gesetzt wird, der verschiedene Bereiche aus einer Hand abdecken und ein gutes Partnernetzwerk anbieten kann. Im Fokus steht: Wie kann Robotik den Mitarbeitern helfen? Welche manuelle Aufgabe kann an einen Roboter abgegeben werden, damit sich der Mensch auf wertschöpfendere Aufgaben konzentrieren kann? Das Be- und Entladen von Maschinen sowie Palettieren und Depalettieren sind Abläufe, die sich relativ schnell und einfach automatisieren lassen. Auch Schweißen ist ein gutes Beispiel für den Einsatz von Robotern im Mittelstand.

Leute ins Boot holen und spezialisieren

Roboter führen idealerweise Aufgaben aus, die sich stetig wiederholen und sehr präzise sind, aber sie tun nur das, was das Programm, beziehungsweise eine Person, ihnen sagt. Der Mensch bleibt der Spezialist, der Roboter nimmt repetitive und eintönige Aufgaben ab. Robotik ist kein Allheilmittel oder Ersatz für menschliche Mitarbeiter. Dieses Denken sollte jedes Automatisierungsvorhaben durchdringen – auch um Angestellten die Angst zu nehmen. Es werden nach wie vor Spezialistinnen und Spezialisten, etwa für Montage, Prozessoptimierung und Wartung gebraucht. Darüber hinaus sollten Mitarbeitende um die Möglichkeiten der Technik wissen und geschult werden, sie auch optimal zu nutzen. Aufgaben für Roboter sind beispielsweise Sortierung, Materialbeschickung oder Qualitätskontrolle.

Auf Partnernetzwerke setzen und Leasing prüfen

Um die Aufgaben und Möglichkeiten von Robotern zu erweitern, werden Geräte von Drittanbietern benötigt, etwa ein Bildverarbeitungs- und -prüfsystem. Support-Angebote der Robotik-Unternehmen können KMU viel Arbeit und Sorge abnehmen. Fehlende Expertise in den eigenen Riehen werden durch erfahrene Partner abgedeckt.
Unternehmen, die ihre Produktionsabläufe flexibler und effizienter gestalten wollen, sollten den Einsatz mobiler Roboter und Cobots prüfen, da sie leicht transportierbar sind. Um anfängliche Investitionen niedrig zu halten, ist das Leasing von Robotern eine Option, die von verschiedenen Herstellern beziehungsweise deren Partnern angeboten wird. do

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