Eine Person hält ein Tablet wie ein Serviertablett. Darauf steht eine strahlende Glühbirne, einsen und nullen schweben herum.

Eine künstliche Intelligenz bereitet die Ergebnisse der Suchanfragen auf und filtert aus tausenden Treffern relevante Ergebnisse heraus. (Bild: stock.adobe.com-Alexander Limbach)

Das Münchner Start-up Rokin hat eine Suchmaschine speziell für technische Inhalte entwickelt, die weniger, aber dafür bessere Treffer liefern soll als andere Suchmaschinen. Zu finden ist sie seit November 2022 unter: search.rokin.ai. Das Unternehmen will Ingenieurinnen und Ingenieuren damit bis zu 50 Prozent ihrer täglichen Recherchezeit ersparen.

Die Suchmaschine unterscheidet sich in einigen Punkten von dem, was man bei Bing oder Duckduckgo geboten bekommt. Denn ihre Intelligenz liegt hauptsächlich in der Auswertung, nicht der Suche. Aber der Reihe nach.

KI filtert, bündelt und sortiert Treffer

Screenshot der Suchergebnisse. Links sind Suchergebnisse zu sehen, rechts sind gespeicherte Suchergebnisse aufgelistet.
Die Suchmaschine lieferte bei unseren Tests eine zweistellige Zahl von Ergebnissen. Mit einem Klick werden einzelne Treffer im aktuellen Projekt gespeichert (rechte Spalte). (Bild: ke NEXT/do)

Wenn ein Nutzer eine Suchanfrage bei Rokin startet, verschleiert die Software dessen Identität, indem sie die IP-Adresse abschneidet. Die anonymisierte Suchanfrage leitet sie mittels intelligenter Crawler an gängige Suchmaschinen und Wissensportale weiter und sammelt deren Ergebnisse ein. Den Entwicklern geht es neben dem Datenschutz um eine möglichst breite Suche ohne Filter-Bubbles.

Das Ergebnis dieses Vorgehens wäre eigentlich ein gigantisches Datenmeer, noch viel größer als mit gängigen Suchmaschinen. Tatsächlich liefert die Suchmaschine aber weniger Treffer. Denn eine selbst entwickelte KI wertet die gesammelten Daten aus. Das Unternehmen nennt sie den „digitalen Ingenieur“. Er analysiert und verarbeitet die Suchresultate und filtert irrelevante Webseiten heraus, wie beispielsweise Online-Wörterbücher. Mehrfachtreffer werden zusammengefasst.

Aus Tausenden von Treffern wird auf diese Weise eine überschaubare Anzahl. Bei unseren Tests in der Redaktion blieben etwa 30 bis 70 Ergebnisse übrig. Diese werden nach ihrer Quelle in vier Kategorien sortiert: Informationen von Unternehmen, von Fachnewsportalen und von Forschungseinrichtungen (wie Universitäten und Patentdatenbanken) sowie sonstige relevante Seiten und Dokumente. Falls also nur eine oder zwei der Kategorien relevant sind für die aktuelle Recherche, sichtet man die anderen erst gar nicht und spart noch einmal Zeit.

Die einzelnen Ergebnisse der Suchen lassen sich speichern und können mit Kolleginnen und Kollegen geteilt werden. Auf diese Weise soll die Suchmaschine doppelte Recherchearbeit und Informationsverluste im Unternehmen reduzieren.

Wie die Suchmaschine relevante Treffer erkennt

Eine Besonderheit ist, dass die KI speziell für die Arbeit mit technischen Themen trainiert wurde. Millionen von deutsch- und englischsprachigen Fachdokumenten aus dem Ingenieurwesen haben die Unternehmer dafür verwendet. Die KI nutzt Web-3.0-Ansätze eines „semantischen Internets“, die für alle modernen Suchmaschinen eine wichtige Rolle spielen. Grob gesagt geht es darum, dass die Suchmaschinen möglichst gut erkennen, um welches Thema es auf einer Webseite geht und welche Qualität der Inhalt hat, und nicht einfach stumpf irgendwelche Seiten auflisten, auf denen die Suchbegriffe vorkommen.

Die Arbeit am digitalen Ingenieur ist nicht abgeschlossen: Durch die tägliche Nutzung der Suchmaschine werden die Algorithmen optimiert. Das Unternehmen betont, dass es dazu keine personalisierten Nutzerdaten verwendet. Im Lauf der Zeit baut der digitale Ingenieur kontinuierlich Wissen auf und stellt die Informationen immer besser für individuelle Suchanfragen bereit, während gleichzeitig die Privatsphäre eines Individuums oder Unternehmens bewahrt wird. Die langfristige Vision der Entwickler ist eine Art virtueller Assistent, der Rechercheaufgaben für Ingenieurinnen und Ingenieure übernimmt – ein Siri für Technik sozusagen.

Wie rechnet sich das?

Ein wichtiger Pfeiler des Geschäftsmodells sind Anzeigen, die zu bestimmten Suchbegriffen angezeigt werden (ähnlich wie bei den meisten Suchmaschinen). Dazu kommen kostenpflichtige Nutzerkonten, mit denen unbegrenzt viele Projekte zum Speichern von Suchergebnissen angelegt werden können. Mit der kostenlosen Registrierung können Nutzer maximal zwei Projekte anlegen. Das Unternehmen bietet gegen Gebühr außerdem einen Rechercheservice an, bei dem es auf Stundenbasis innerhalb von 48 Stunden Themen bearbeitet.

Über Rokin

2020 gründeten Roberto Di Girolamo und Thomas Kinkeldei das Unternehmen Rokin, dessen Ziel es ist, durch Data Mining und künstliche Intelligenz schnellere Onlinesuchen anzubieten. Die Geschäftsidee entstand 2019 aus der langjährigen Zusammenarbeit der beiden Gründer mit mittelständischen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau. Bis 2020 setzte das Unternehmen erste Kundenprojekte um. Im November 2022 ging die Suchmaschine des Münchner Start-ups online.

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