Bernd Janner, Gesamtvertriebsleiter und Prokurist beim Normalienhersteller Erwin Halder
Bernd Janner, Gesamtvertriebsleiter und Prokurist beim Normalienhersteller Erwin Halder: „Preislich gesehen ist jedoch eine kundenspezifische Lösung erst dann interessant, wenn bestimmte Stückzahlen dahinterstehen“. Bild: Halder

Wer aber den möglichen Hersteller bereits fest im Blick hat, geht in der Regel aktiv auf ihn zu. Passt die ins Auge gefasste Normalie nicht zu hundert Prozent zur Anwendung, kann sie von den Produktentwicklern für den Kunden adaptiert werden. Dieses Customizing ist üblich und Hersteller punkten hier eindeutig gegenüber den Nur-Anbietern, die keine eigene Produktentwicklung haben. Dirk Langenohl von Norelem bestätigt: „Die eigene Produktentwicklung spielt in unserem Unternehmen eine sehr wichtige Rolle. Damit können wir auf den Markt und auf besondere Wünsche schnell und gezielt reagieren.“

Bernd Janner ergänzt: „Preislich gesehen ist jedoch eine kundenspezifische Lösung erst dann interessant, wenn bestimmte Stückzahlen dahinterstehen“. Wo immer es geht, empfiehlt er deshalb die Verwendung der am Markt angebotenen Normalien, die ja bereits gewisse Standards darstellen und in größerer Stückzahl kostenoptimiert hergestellt werden. Die teuerste Lösung ist immer die selbst entwickelte. „Konstrukteure, die gern ein wenig selbstverliebt an Ideen knobeln, für die es bereits standardisierte Funktionsbaugruppen gibt, rechnen ihre Kosten nicht. Und Unternehmen, die Geld verdienen wollen, denken in Standards“, ist Janner überzeugt. Eine Ausnahme bilden auf den Anwender zugeschnittene Lösungen, sogenannte Customized Normalien. Vielleicht, weil gewisse technische Alleinstellungsmerkmale oder auch besondere Design-Vorgaben keine anderen Möglichkeiten zulassen.

Kugeltragbolzen in der Anwendung
Kugeltragbolzen – Einfaches Wechselsystem für schwere Lasten: Sie fixieren, positionieren, helfen bei der Feinjustierung von Geräten und werden als An- und Abdrückstift verwendet. Bild: Halder

Vor dem Hintergrund der immer rationelleren Produktion von immer individuelleren Produkten nehmen Normalien auch in Zukunft einen großen Stellenwert ein. Höchste Qualität und schnellste Verfügbarkeit sind bereits jetzt Pluspunkte, mit denen vor allem deutsche Hersteller und Lieferanten wie Halder oder Norelem gegenüber der Billiglohn-Konkurrenz die Nase vorn haben. „Service steht für uns an vorderster Stelle“, betont Bernd Janner und berichtet, dass in sehr viele Länder binnen 48 Stunden, innerhalb Deutschlands sogar in 24 Stunden ab Bestelleingang geliefert wird. „Keiner wartet gern auf ein Normteil. Deshalb haben wir eine hochmoderne Lagerlogistik mit extrem hoher Verfügbarkeit.“ Auch kundenspezifische Artikel können in derart engen Zeitfenstern ausgeliefert werden. Eine gute Zusammenarbeit in der Disposition ist von beiderseitigem Interesse.

Bei den Bestellmöglichkeiten erwartet der Anwender eine Anbindung an die gängigen CAD-Systeme. Dazu Dirk Langenohl: „Das ist erforderlich, weil vielen die planbare Verfügbarkeit schon während der Konstruktionsphase wichtig ist. CAD-Modelle und technische Daten werden immer mehr auf den Internetportalen der Anbieter angefragt.“

Deutschland ohne Standortnachteil

Kugeltragbolzen in der Anwendung
Ein weiterer Kugeltragbolzen in der Anwendung. Bild: Halder

Das Unternehmen Halder stellt seine Produkte auf einem hochautomatisierten Maschinenpark und ausschließlich in Deutschland her. Voraussetzung ist ein hoher Teiledurchlauf mit Stückzahlen zwischen 5000 und 500.000. „So können wir unsere Lohnkostennachteile durch die Stückkostenvorteile wieder gut machen und haben keinen Standortnachteil“, sagt Vertriebsleiter Janner.

Die automatisierte Produktion hat nicht nur Kosten- sondern auch Qualitätsvorteile. Bei Halder wird jeder Parameter geprüft und getestet, kein Teil verlässt das Werk mangelhaft, berichtet Bernd Janner. Da fast alle Normalien in einem maschinellen Fügeprozess montiert werden, gleicht ein Produkt dem anderen. Um diese Qualität kontinuierlich bieten zu können, werden auch die Zulieferer einem strengen Qualitätsprozess unterzogen. Vor allem die hohe Güte der Werkstoffe ist ein Vorteil gegenüber Billig-Anbietern. Oft sind starke Schwankungen in der Stahlqualität oder bei der Oberflächenbehandlung Ursachen für minderwertige Produkte. „Und wenn dann die Montage bei diesen Anbietern auch noch manuell oder teilmechanisiert ausgeführt wird, sind Qualitätsschwankungen vorprogrammiert. Doch diese Anbieter durchlaufen eine Lernkurve, weshalb wir sie ständig im Blick behalten“, erläutert Bernd Janner. Dirk Langenohl sieht das genauso und ergänzt: „Eine gleichbleibend hohe Qualität ist für unsere Kunden enorm wichtig. Das fängt bei der nach DIN ISO 9001-zertifizierten Fertigung an und geht bis zur Produktdeklaration und Verpackung.“

Positiv ist, so Janner, dass europäische Stammkunden auch an neuen Produktionsstandorten wie zum Beispiel in Vietnam, China oder Indien weiterhin mit ihren bewährten Lieferanten aus Europa zusammenarbeiten. „Globalisierung heißt nicht zwangsläufig, dass man gewisse Volumina verliert.“

Zusammenfassung und Ausblick

Normteile, Normalien und Sonderteile sind ein äußerst heterogener Markt. Das schier unüberschaubare Angebot spiegelt den Bedarf an unterschiedlichsten Funktionen wider. Weil Endabnehmer die Produkte aus einer Hand bevorzugen, ist es für Hersteller und Lieferanten erforderlich, das Sortiment stetig auszubauen. Außerdem sind eine gleichmäßig hohe Qualität und eine extrem schnelle Teileverfügbarkeit sehr wichtig. Hier haben Qualitätsprodukte aus Deutschland weiterhin eine Spitzenstellung. Unter den Erfordernissen, noch mehr in Baugruppen zu denken und standardisierte Komponenten einzusetzen, wird auch im Rahmen von Industrie 4.0 der Normalien-Markt weiter wachsen. bf