Helmut Winkler von Technik & Marketing München (TMM), einem Anbieter für Praxisseminare zu Dichtungen, kritisiert, Konstrukteure würden sich bei der Dichtungsauswahl häufig an der Kurzbezeichnung eines Elastomers orientieren, so zum Beispiel NBR oder EPDM. Diese Angabe sage über das Leistungsvermögen eines Elastomerwerkstoffes aber nur sehr wenig aus, so der Seminarreferent. Die Eigenschaften einer Dichtung würden zum Großteil von den Zusatzstoffen, wie Füllstoffen, Weichmachern, Vernetzungschemikalien, Alterungsschutzmittel und vielen anderen bestimmt. Der Basiswerkstoff einer Dichtung sei das Korsett, gemeinsam mit den Zusatzstoffen entsteht daraus eine typische Produktformulierung mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen. „Konstrukteure sollten also die Rezeptur einer Dichtung kennen und sich nicht mit Allgemeinbezeichnungen zufrieden geben“, schlussfolgert er.

Auch Michael Krüger, Leiter der Anwendungstechnik beim Dichtungshersteller C. Otto Gehrckens (COG) sieht in fehlendem Wissen über Dichtungen eine Ursache für Ausfälle. „Ja, das ist definitiv ein Problem, insbesondere was dann die Material-Performance in der Anwendung anbelangt“, sagt er. Das zeigt sich auch in den häufigen Fehlern, die Konstrukteuren und Entwicklern in Bezug auf Dichtungen unterlaufen. Krüger zählt auf: „Die Eigenschaften des Werkstoffs werden häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Hierzu zählen zum Beispiel mögliches Quellverhalten oder Wärmeausdehnung. Weiter kommt es vor, dass eine Unkenntnis über den einzusetzenden Elastomerwerkstoff vorliegt und es daraus resultierend zu einer falschen Materialauswahl kommt.“

Der Dichtung Platz schaffen

Michael Krüger von COG, Bild: COG
„Die Eigenschaften des Werkstoffs werden häufig nicht ausreichend berücksichtigt", erklärt Michael Krüger von COG. Bild: COG

Zu den häufigen Ausfallursachen gehört auch ein falsch dimensionierter Einbauraum. Krüger sagt dazu: „Oftmals werden die notwendigen Toleranzen des O-Rings unberücksichtigt gelassen, was später dann zu Einbauproblemen führen kann.“

Das sieht Bernhard Richter vom O-Ring-Labor ähnlich. „Speziell bei der Analyse von O-Ring-Ausfällen hat mich überrascht, dass 20 Prozent der Ausfälle auf einen fehlerhaften Einbauraum zurückgehen. Vielleicht liegt es daran, dass diese Thematik auf den ersten Blick so simpel erscheint und deshalb unterschätzt wird. Das betrifft den Verformungsgrad, Oberflächenausführungen oder die Scharfkantigkeit der Einbauräume und Toleranzen.“

Dem stimmt auch Klaus Schieferdecker zu, Trainer für Dichtungsschulungen an der Internationalen Hydraulik Akademie (IHA) und Leiter Dichtungstechnik bei Hansa-Flex: „Die Dimension der Dichtung wird oftmals vollkommen unterschätzt. Man will ja immer klein bauen und deshalb auch die Einbauräume für Dichtungen so klein wie möglich halten.“ Ein Konstrukteur sei immer gut beraten, die Einbauräume nach ISO in die Konstruktion einfließen zu lassen. „Damit lässt er dem Einkäufer auch die Wahl zwischen verschiedenen Herstellern, denn die Dichtungshöhen sind oft herstellerspezifisch, anders als die Querschnitte. Die Entscheidung, welche Dichtung ich einsetze, müssen Konstrukteur, die entsprechenden Techniker und Einkauf letztlich aber zusammen treffen. Wenn der Einkäufer alleine verantwortlich ist und dann nach Kosten entscheidet, geht das in der Regel schief“, berichtet Schieferdecker.

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