Dichtungsringe, Bild: M. Schuppich/Fotolia
Oft fehlen den Einkäufern Informationen, die eigentlich die Konstruktion liefert müsste. Bild: M. Schuppich/Fotolia

Winkler rät Konstrukteuren und Entwicklern: „Wer gleichbleibende Dichtungsqualität voraussetzt, kommt nicht umhin, die Qualität zu spezifizieren. Eine Minimalanforderung ist die Definition des Vulkanisationsgrades der Dichtung, des maximalen Druck- oder Zugverformungsrestwertes und Identifikationsmerkmale der freigegebenen Dichtungsrezeptur, wie Härte und Dichte.“ Je wichtiger die Dichtung für die Funktionalität, desto genauer sollte das Zahlenwerk sein, damit ein eventueller Hersteller- oder Lieferantenwechsel ohne Qualitätsverlust klappt.

Dieses Vorgehen hält auch Michael Krüger von COG für sinnvoll: „Man sollte bestimmte Leistungscharakteristika des Dichtungswerkstoffs spezifizieren, wie zum Beispiel Vulkanisationsgrad beziehungsweise Druckverformungsrest (DVR) und/oder Härte.“ Idealerweise würde der Anwender vorher Einsatzbedingungen aufschlüsseln, das heißt unter welchen Parametern die Dichtung funktionieren soll, beispielsweise Einsatztemperaturen, Drücke und abzudichtende Medien. Aufgrund der Komplexität des Themas rät Krüger dazu, gemeinsam mit dem Dichtungshersteller festzulegen, welche Dichtung die geeignete ist. Nach Auswahl des Werkstoffes verifizieren anwendungsrelevante Tests die tatsächliche Eignung. In einer Bestellvorschrift können dann Charakteristika, zum Beispiel die Härte des Fertigteils, festgehalten werden.

Die Leistungsbeschreibung am Fertigteil ermitteln

Laborexperte Richter erklärt: „Die Qualität einer Dichtung hängt zum einen von der Rezeptur ab, zum anderen aber auch von der Vulkanisation, die wiederum stark von den Prozessparametern Temperatur und Zeit beeinflusst wird.“ Oft sei nicht bekannt, wie groß die Qualitätsschwankungen innerhalb der gleichen Rezepturen sein können. Entsprechende Qualitätsvorgaben für das Fertigteil zu machen, sei Aufgabe des Anwenders. „Wenn der Konstrukteur das nicht weiß und diese Eigenschaften nicht spezifiziert hat, haftet er und nicht der Lieferant, wenn er mal eine schlechte Lieferung erhält und es ein flächendeckendes Qualitätsproblem gibt.“ Auch Winkler empfiehlt, zu hinterfragen, ob die Kennwerte an Normprüfstäben oder einem Fertigteil ermittelt wurden und mit welchem Verarbeitungsprozess die Prüflinge hergestellt wurden. Die Leistungsbeschreibung einer Dichtung sollte möglichst realitätsnah für ein Fertigteil erfolgen, schlussfolgert er. Nur so hafte der Dichtungslieferant für den Vernetzungsgrad des gelieferten Produktes.

Krüger, COG, widerspricht: „Eine Haftung des Dichtungslieferanten für den Vernetzungsgrad kann und wird es nicht geben. Richtig hingegen ist, dass die Leistungsbeschreibung nur am Fertigteil sinnvoll ist. Deshalb wurde für O-Ringe mit dem Teil 5 der ISO 3601 diesem Gedanken Rechnung getragen.“

Schieferdecker hingegen sieht Vorteile bei der Messung an Normkörpern: „Die Angaben, die Sie zu den Werkstoffen haben, zum Beispiel die Shore-Härten, sind in der Regel an den Normprobenkörpern gemacht.“ Eine Messung am Fertigteil sei damit nicht unbedingt vergleichbar. Außerdem müsste man dann ja definieren, an welcher Stelle des Fertigteils gemessen wird und diese Messung der Vergleichbarkeit wegen auch reproduzieren können, argumentiert er. „Dann sind da ja noch geometrische Verformungen. Das gibt zu viele Verfälschungen“, fährt Krüger fort.

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