Vorher-Nachher-Vergleich, Bild: SHS Klug & Stahl

Vorher-Nachher-Vergleich: Die alte Schutzscheibe (li.) ist erkennbar abgenutzt und bietet nicht mehr die volle Rückhaltekraft. Re.: Mit der gekapselten Sicherheitsscheibe von Hema ist das Personal wieder gut geschützt Bild: SHS Klug & Stahl

Bei älteren Maschinenparks stellt sich früher oder später die Frage: Nachrüstung oder Neukauf? Eine Überholung der bestehenden Maschinen hat viele Vorteile, denn sie ist fast immer billiger und nimmt deutlich weniger Zeit in Anspruch, als die Lieferfrist für eine neue Maschine beträgt.

Das Unternehmen SHS Sicherheitsscheiben hat sich auf die Modernisierung älterer Dreh-, Fräs- und Schleifmaschinen spezialisiert. Der Dienstleister tauscht instabile oder defekte sowie nicht mehr dem aktuellen Sicherheitsstandard entsprechende Sicherheitsscheiben aus und ersetzt Ausführungen aus einfachem Polycarbonat durch solche aus Verbundscheibensicherheitsglas. Die gesetzliche Grundlage dafür bildet der Paragraf 4 der aktuellen Betriebssicherheitsverordnung. Demnach muss ein Arbeitgeber für die Arbeitsmittel eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen. Erst danach und wenn die ermittelten Schutzmaßnahmen dem Stand der Technik entsprechen und die Verwendung der Arbeitsmittel nach dem Stand der Technik sicher ist, dürfen die Arbeitsmittel verwendet werden.

„Die Konstruktion der Scheiben ist innovativ und erfüllt die strengen Anforderungen der einschlägigen Normen.“

Volker Klug, Geschäftsführer SHS Sicherheitsscheiben

Die Umrüstung ist nötig, da reine Polycarbonat-Scheiben nicht vor der Benetzung mit aggressiven Kühlschmierstoffen geschützt sind und deshalb bereits nach etwa neun Monaten bis zu 60 Prozent ihrer Rückhaltefähigkeit verlieren können. Auf der Suche nach einem Hersteller von Schutzscheiben aus Verbundscheibensicherheitsglas stieß SHS im Frühjahr 2018 im Internet auf den Spezialisten Hema Maschinen- und Apparateschutz. Das Familienunternehmen fertigt neben Klemm- und Brems- sowie Beleuchtungs- und Schutzsystemen auch Sicherheitsscheiben. Es setzt dabei auf die Kombination von Polycarbonat (PC) und Sicherheitsglas, denn diese hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Während die Glasscheibe die PC-Scheibe maschinenseitig vor dem Kontakt mit Kühlschmierstoffen schützt, fängt die PC-Scheibe zur Bedienerseite hin umherfliegende Werkstückteile ab, ohne dabei zu zerbrechen. Wegen ihres hohen Rückhaltevermögens verformt sie sich beim Aufprall einer Masse lediglich.

Sicherheitsscheiben: Rückhaltefähigkeit getestet

Sicherheitsscheibe, Bild: Hema
Die Sicherheitsscheiben sind wahlweise auch mit integrierter LED-Beleuchtung erhältlich, die eine optimale Sicht auf den Bearbeitungsvorgang in der Maschine ermöglicht. Bild: Hema

Die hohe Schutzfunktion der Sicherheitsscheiben wurde vom Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF) an der TU Berlin in vielen Tests bestätigt. Dabei feuerte man ein 2,5 Kilogramm schweres Projektil mit einer Geschwindigkeit von 80 Meter pro Sekunde auf eine Scheibe aus zehn Millimetern Einscheibensicherheitsglas und 15 Millimetern Polycarbonat (nach DIN EN 23125, Widerstandsklasse C3). SHS-Geschäftsführer Volker Klug und seinen Partner Frank Stahl haben diese Tests überzeugt: „Die Konstruktion der Scheiben ist innovativ und erfüllt die strengen Anforderungen der einschlägigen Normen. Deshalb haben wir uns entschieden, mit Hema als Lieferanten zusammenzuarbeiten.“ Für die Fertigung seiner Sicherheitsscheiben verwendet Hema ausschließlich geprüfte Qualitätsscheiben aus Polycarbonat mit einer leistungsfähigen Oberflächenbeschichtung als Schutz gegen Abrieb und Verkratzung.

Verbaut werden PC-Scheiben mit Stärken von fünf bis 15 Millimetern. Ein großer Vorteil ist der Einsatz von Verbundglas, denn dieses Material weist im Falle eines Aufpralls nur eine geringe Zersplitterung auf. So wird der Arbeitsraum der Maschine kaum verschmutzt und das Verletzungsrisiko deutlich minimiert. Bei besonders abrasiven Anwendungen wie zum Beispiel Sandstrahlkabinen stoßen die klassischen Sicherheitsscheiben allerdings an ihre Grenzen, denn sie würden innerhalb kurzer Zeit erblinden. Deshalb haben die Maschinenschutz-Spezialisten in Zusammenarbeit mit der Firma CeramTec eine Sicherheitsscheibe mit einer Auflage aus kratzfester Perlucor-Hochleistungskeramik entwickelt. Das sogenannte SRIW-Panel hält selbst einem dauerhaften Kontakt mit hochabrasiven Strahlmedien wie Granat oder Korund problemlos stand und weist auch nach längerer Zeit keine die Sicht beeinträchtigenden Verkratzungen auf.

Drehfenster halten Kühlschmiermittel fern

Der Blick in den Maschineninnenraum kann auch durch umherspritzendes Kühlschmiermittel getrübt werden. Dann empfiehlt sich die Installation einer Sicherheitsscheibe mit eingebautem Drehfenster, das der Spezialist in Ausführungen mit 2235 oder über 4000 Umdrehungen pro Minute liefert. Die am rotierenden Fenster wirkende Zentrifugalkraft verhindert Anhaftungen von Kühlschmiermittelresten, sodass das Bedienpersonal die Vorgänge im Inneren der Maschine jederzeit unter Kontrolle hat. Der Spezialist bietet auch Sicherheitsscheiben mit integriertem Drehfenster als Komplettlösung an. Die Scheiben sind auch in einer Ausführung mit rostfreiem Stahlrahmen sowie mit Stufungen, Schutzfolie oder mit eingebauter LED-Beleuchtung erhältlich. Diese leuchtet den Bearbeitungsraum der Maschine blendfrei aus, ist unempfindlich gegenüber Vibrationen und Stößen und hat eine Lebensdauer von rund 50.000 Betriebsstunden. aru

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