Olav Davis, Bild: Tartler

Olav Davis, Bild: Tartler

Herr Davis, vor gut sechs Monaten nahmen Sie Ihre Arbeit als Leiter des neuen Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationszentrums F.E.D. von Tartler auf. Worin sehen Sie die primäre strategische Zielsetzung Ihres Verantwortungsbereichs?

Unser Unternehmenscredo lautet ja „Mischen is possible“. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass stetige Innovationsfähigkeit und kontinuierliche Entwicklungsarbeit fester Bestandteil der Tartler-Strategie sind. Das war seit der Firmengründung 1981 so und ist seitdem als ständiger Prozess im Unternehmen verankert. Allerdings war es an der Zeit, die Vielfalt der Ideen und Entwicklungen in einem zentralen Bereich Research und Development zu bündeln, um Innovationskraft und Validierungswesen noch effektiver am Bedarf der Kunden auszurichten. Dieser Schritt wurde mit der Einrichtung des neuen Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationszentrum F.E.D. umgesetzt.

„Das F.E.D.-Zentrum steht auch Kunden zur Verfügung, die selbst keine  Kapazitäten für Testreihen oder Demonstrationsversuche eigener Ideen haben.“

Olav Davis, Leiter des neuen Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationszentrums, Tartler

Welche Vorteile haben die Kunden von der Arbeit des F.E.D.?

Der entscheidende Faktor ist, dass die interdisziplinär und projektorientiert zusammengestellten Teams Innovationen schneller als bisher vom Versuchsstadium in die Realisierungsphase überführen können. Die Bewertung und praktische Umsetzung neuer Lösungen für die Misch-, Dosier- und Abfülltechnik erfolgen nun wesentlich kurzfristiger.

Welche Faktoren werden Ihre Arbeit in den nächsten Wochen bestimmen?

Wir haben nicht nur viele neue Produkt- und Technologie-Ideen auf unserer Agenda, sondern beabsichtigen auch, die Kunden von Tartler künftig noch enger in die konkrete Entwicklungs- und
Forschungsarbeit des F.E.D. einzubinden. Schließlich stehen die Anforderungen und Bedürfnisse der Kunstharzanwender für uns im Zentrum des Geschehens.

Was meinen Sie konkret damit, wenn Sie die Kunden enger einbinden möchten?

Das F.E.D. steht auch Kunden zur Verfügung, die selbst keine Kapazitäten für Testreihen oder Demonstrationsversuche eigener Ideen haben. Wir sind in der Lage, individuelle Entwicklungsprojekte zu definieren, zu budgetieren und zu organisieren. Das können auch Projekte sein, die weit über die Mischtechnik im engeren Sinne hinausgehen – etwa die Entwicklung neuer Messtechnik oder neuer Applikationssysteme.

An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Unmittelbar nach meinem Einstieg ins Unternehmen im August letzten Jahres bin ich mit dem Team in die Entwicklungs- und Testphase unseres neuen TAVA 200 F eingestiegen, dessen Markteinführung derzeit anläuft. Dabei handelt es sich um eine branchenübergreifend einsetzbare Vakuumanlage, mit der sich hochviskose und pastöse Medien ohne Lufteinschluss in Deckelfässer abfüllen lassen. Das beugt Entlüftungsproblemen vor und der Anwender kann Fasswechsel prozesssicher ohne Materialverlust und Spritzer durchführen. Die halbautomatische Entgasungsanlage für die luftfreie Betankung von 200-Liter-Fässern lässt sich flexibel für viele verschiedene Materialien verwenden und kann auch auf andere Gebindegrößen ausgelegt werden.

Nach welchen Grundsätzen handeln Sie bei Ihrer praktischen Projektarbeit?

Misserfolge dürfen einen Entwickler niemals entmutigen! Derzeit lese ich das Buch „Das Black Box Prinzip“ von Matthew Syed. Er beschreibt anschaulich, wie es Unternehmens und Teams gelingt, Fehler in Erfolge zu wandeln. Misserfolge sind die besten Lehrmeister und Mutmacher! Die Aerospace-Industrie ist ein Paradebeispiel dafür. Sie hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und damit das Fundament für sicherheitstechnische Rekordleistungen geschaffen. Im Bereich der Forschung und Entwicklung ist es entscheidend, dass man schnell aus Fehlern lernt, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse so schnell wie möglich auf eine Konstruktion zu übertragen.

Welche Trends sehen Sie derzeit in den Märkten von Tartler – etwa der Kunststoffverarbeitung, dem Modellbau oder der Windkrafttechnik – und mit welchen Innovationen reagieren Sie darauf?

Derzeit steigt die Nachfrage nach Dosier-, Misch- und Abfülllösungen, mit der sich Ausschuss und Materialverschwendung reduzieren lassen. Zu dieser Zielsetzung passt das bereits erwähnte Vakuumsystem TAVA 200 F. Darüber hinaus profitieren unsere Kunden in der Kunstharzverarbeitung durch die Entwicklung und Bereitstellung hocheffizienter und kompletter Materialauftragslösungen für ihre Prozesse. Derzeit arbeiten wir intensiv an der zweiten Generation des Tartler Direktinfusionssystems mit integrierter Inline-Entgasung für Harz und Härter. Diese moderne Komplettlösung wird alle Komponenten enthalten, die der Anwender für den gesamten Prozess zwischen Maschine, Mischkopf und Werkstück benötigt.

Was dürfen die Kunden in den nächsten Monaten noch von Tartler erwarten?

Unser Fokus liegt derzeit unter anderem auf der Komplettierung weiterer Mehrkomponenten-Anlagen mit unserem neuen Vakuum-Fasswechselsystem, etwa dem TAVA D 50 I und dem TAVA 200 D Nodopox für die Verarbeitung von Polyurethan- oder Epoxidharzen von hoher Viskosität. Und neben dem erwähnten Tartler Direktinfusionssystem testen wir außerdem einige ganz neue Ideen sowie eine Reihe von Detailverbesserungen. Mehr möchte ich aber an dieser Stelle noch nicht verraten. wk