Nicht in allen Fällen ergibt die Analyse besorgniserregende Szenarien. Eher gelassen sehen die Autoren der Studie beispielsweise die Situation bei den industriellen Elektromotoren. Seit 2015 müssen in der EU alle zugelassenen Motoren mit mehr als 7,5 Kilowatt die Energieeffizienzklasse IE3 erreichen. Und ab 2017 gilt für alle neu zugelassenen Motoren ab 0,75 Kilowatt: Entweder sie entsprechen IE3 oder sie verfügen über einen Frequenzwandler zur elektronischen Drehzahlregelung und erreichen IE2. Ein Weg, um Motoren effizienter zu machen, ist es, Aluminiumkomponenten durch Bauteile aus Kupfer zu ersetzen. Das erhöht logischerweise den Bedarf an Kupfer. Alternativ können die Hersteller permanentmagnetische Materialen verwenden.

Nun ist Kupfer aber ein Massenrohstoff, der für so viele Zwecke verwendet wird, dass selbst bei flächendeckendem Einsatz von Kupferläuferkäfigen in industriellen Motoren die Nachfrage um weniger als zehn Prozent steigen würde. Einen starken Anstieg bei den permanenterregten Synchronmooren mit seltenerdhaltigen Magneten halten die Forscher für unwahrscheinlich, weil diese deutlich teurer sind und ihr geringeres Gewicht und Volumen diesen Nachteil nur in einigen Fällen kompensieren. Positiv heben die Forscher hervor, dass das Recycling bei Kupfer und Aluminium vergleichsweise gut funktioniert und große Teile wiederverwertet werden.

Einfluss der Windenergie

Einen relevanten Einfluss auf den Kupferbedarf könnte hingegen der Ausbau der Stromnetze haben, der mit einem steigenden Einsatz der Windenergie notwendig wird. Für die Windenergieanlagen selbst sind eher die Seltenerdelemente Neodym, Dysprosium, Praseodym und Terbium interessant. Allerdings würde die Industrie bei Verknappungserscheinungen hier vermutlich auf Alternativtechnologien ausweichen, für die weniger oder keiner dieser Rohstoffe benötigt wird, so die Autoren der Studie. Der Ausbau der Windenergie werde dadurch eher nicht beeinträchtigt.

Lieferengpässe und erneuerbare Energien

Windenergieanlagen und Solarmodule, Bild: visdia - Fotolia
Erneuerbare Energien benötigen oft Spezialmetalle. Bild: visdia - Fotolia

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen informiert zusammen mit der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in einem gemeinsamen Bericht (Commodity Top News 50, 2016) über den Einfluss der Energiewende auf den Rohstoffmarkt. Demnach benötigt die Erzeugung erneuerbarer Energien von der Menge her vor allem Baurohstoffe, Stahl und Standardmetalle wie Aluminium und Kupfer. Allerdings werden auch unverzichtbare Spezialmetalle benötigt, wenngleich in relativ kleinen Mengen. Meist sind diese ein Beiprodukt beim Abbau von Industriemetallen wie Kupfer. Die Märkte für die Spezialmetalle sind deutlich kleiner und reagieren auf Nachfrageschwankungen sehr viel langsamer als die größeren Märkte für Industriemetalle. Dadurch können Rohstoffengpässe und Preisspitzen verursacht werden.

Dazu kommt, dass sich die Förderung oft auf wenige Länder konzentriert, die zudem politische und wirtschaftliche Risiken bergen, beispielsweise weil das Land seine Marktmacht ausnutzt, um Förderquoten aufzustellen oder weil Handelsbarrieren bestehen. Teilweise kommen soziale Spannungen und massive Schädigung der Umwelt dazu.

Zum Vergleich der Konzentration der Märkte zieht die DERA den Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) heran. Der Maximalwert liegt bei 10.000, was bedeutet, dass es nur einen Anbieter gibt. Ab einem Wert von mehr als 2.500 gilt der Markt als hoch konzentriert. Für Erdöl liegt der HHI bei 2.000, selbst wenn die OPEC-Staaten als marktwirtschaftliches Kartell gewertet werden. Für viele Rohstoffe, die im Rahmen der Energiewende verstärkt benötigt werden, liegt der Wert aber oberhalb von 2.500. Dies gilt beispielsweise für Lithium (3.149), Seltene Erden (8.359), Silizium (4.306) und Vanadium (3.969).

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