Die Bauarbeiten im englischen Teesside gehen voran: Anfang 2023 will Mura Technology dort die weltweit erste HydroPRS-Anlage für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen in Betrieb nehmen - unterstützt durch ein Investment von Igus.

Die Bauarbeiten im englischen Teesside gehen voran: Anfang 2023 will Mura Technology dort die weltweit erste HydroPRS-Anlage für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen in Betrieb nehmen - unterstützt durch ein Investment von Igus. (Bild: Mura Technology)

Aus Kunststoff wieder Erdöl gewinnen: Dieses Ziel verfolgt das britische Unternehmen Mura Technology mit seinem HydroPRS-Verfahren, um die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen voranzutreiben. Seit 2020 unterstützt der Kölner Hersteller von Motion Plastics Igus als Investor das Vorhaben von Mura. Die erste HydroPRS-Anlage für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen wird aktuell von Muras Tochtergesellschaft ReNew ELP in Teesside, England, gebaut. Der Recycling-Pionier macht dabei große Fortschritte und wird die Anlage Anfang 2023 in Betrieb nehmen.

Wie funktioniert HydrPRS?

Bei dem vom Mura-Tochterunternehmen ReNew ELP entwickelten Hydrothermal Plastic Recycling System (HydroPRS) werden zermahlene und von Glas oder Metall befreite Kunststoffabfälle erhitzt und komprimiert und dann mit Wasser in superkritischem Zustand zusammengebracht. Superkritisch wird Wasser, wenn es auf mehr als 374 Grad Celsius erhitzt wird und zugleich einem Druck von mehr als dem 218-fachen normalen Luftdruck ausgesetzt wird. Der superkritische Zustand kombiniert Eigenschaften von Flüssigkeiten und Gasen und ist dadurch in der Lage, die Polymer-Bindungen des Kunststoffs aufzubrechen. Durch den im Wasser vorhandenen Wasserstoff entstehen stabile kurzkettige Kohlenwasserstoffe, die gespeichert und ähnlich wie Erdöl für die Produktion von neuen Kunststoffen verwendet werden können. HydroPRS ist unempfindlich gegenüber organischen Verunreinigungen wie Papier und Lebensmittelresten, sodass sich eine breite Palette von Kunststoffabfällen als Ausgangsmaterial eignet.

Im April 2021 wurde mit dem Bau der ersten HydroPRS-Anlage zum Recycling von Kunststoffabfällen begonnen. Nach den Grabungs- und Tiefbauarbeiten wurde in den letzten Monaten vor allem Beton gegossen, um die Fundamente und Unterbauten für die Gebäude und Anlagen zu errichten. Im Juli 2022 wurden erste Anlagen wie Lagertanks für Destillat an die Baustelle geliefert. Die nächsten großen Bauvorhaben sind die Materialaufbereitungsanlage und die Hauptprozessanlage. Im Juli hat Mura bereits mit der Programmierung der Steuerungssoftware für die HydroPRS-Anlage begonnen, die bis Oktober fertiggestellt werden soll.

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Ziel ist es, den ReNew ELP-Standort Anfang 2023 in Betrieb zu nehmen. In der ersten Phase liegt die Kapazität der Anlage bei 20.000 Tonnen, die auf jährlich 80.000 Tonnen erhöht wird. Zum Vergleich: Der größte Müllstrudel der Welt, der Great Pacific Garbage Patch, der im Pazifischen Ozean zwischen Hawaii und Kalifornien schwimmt, besteht derzeit laut Schätzungen von Forschern aus circa 80.000 Tonnen Plastikmüll.

Auch Hydro-PRS-Anlagen in Deutschland geplant

In Zukunft sollen weltweit weitere HydroPRS-Anlagen gebaut werden – auch in Deutschland. Es wurden bereits mehrere mögliche Standorte identifiziert. Einer davon befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase und geht voraussichtlich bis einschließlich 2025 in Betrieb. Die geplanten Anlagen in Deutschland verfügen über eine Verarbeitungskapazität von 50.000 bis 100.000 Tonnen pro Standort.

Zu den Investoren von Mura gehört neben dem US-Baukonzern Partner KBR und DOW Chemical seit 2020 auch das Kölner Unternehmen Igus, das 5 Millionen Euro in das Projekt investiert hat. "Wir wissen um die großartigen Möglichkeiten dieser bahnbrechenden Technologie und unterstützen Mura, um dem chemischen Recycling zum Durchbruch zu verhelfen”, sagt Frank Blase, Geschäftsführer der Igus GmbH.

Seit mehr als 50 Jahren regranuliert Igus bereits 99 Prozent des in der Produktion anfallenden Kunststoffabfalls und hat 2019 auch ein eigenes Recycling-Programm für ausgediente Energieketten ins Leben gerufen.

Erste Konstruktions-Komponenten aus recyceltem Material

Im Rahmen dieses Programms sammelt Igus seit 2019 ausgediente Energie- und Schleppketten von Kunden, damit diese nicht im Industriemüll landen. Bisher wurden bereits über 32 Tonnen Material aus 13 Ländern gesammelt. Für 2022 hat sich Igus das Ziel gesetzt, diese Summe auf 500 Tonnen zu erhöhen. Mit der Cradle-Chain und den Iglidur ECO-Gleitlagern sind in diesem Jahr auch die ersten Produkte aus bis zu 100 Prozent recyceltem Material entstanden.

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