Kreative Idee, Bild: Pixabay.com

Laut einer aktuellen Studie unter Innovationsleitern sind die größten Ideenbremsen Angst, Macht und Glaube. Bild: Pixabay.com

Sieht man sich den deutschen Trendindex des deutschen Zukunftsforschungsinstituts 2b Ahead Think Tank an, dann steht Deutschland nicht schlecht da. In der Studie erreicht das aktuelle Trendklima einen Wert von 144 – zum Vergleich: 2015 waren es noch 127. Der Trendindex kann einen Wert zwischen 0 und 200 annehmen. Ein Trendindex von 100 würde ein gleich bleibendes Trendklima anzeigen. Werte über 100, so wie bei Deutschland, signalisieren eine zunehmen Trendorientierung.

Die wichtigsten Trends sehen die dafür befragten Innovationstreiber in den Unternehmen in: Maßnahmen gegen den demografischen Wandel (48 Prozent), das Omnichannel-Management (46 Prozent) und Big Data Analysen zum besseren Kundenverständnis (43 Prozent). Als wenig dringlicher bewertet wurden hingegen konkrete Technologien. Erst in fünf Jahren würde laut den befragten Innovationschefs deren Dringlichkeit steigen. Darunter der 3D-Druck, Virtual und Augmented Reality sowie das teilautonome Fahren.

Doch was nützt dieser ganze Trendindex, wenn manche Innovationen gar nicht umgesetzt werden? Einige Innovationschefs gaben zu aus Gründen wie Angst, Macht und Glaube schon einmal Innovationen verhindert zu haben. Die Angst steht mit 52 Prozent dabei an der Spitze der Innovationsbremsen. Angst vor Kontrollverlust. So habe bereits ein Drittel der Innovationschefs aus Angst neue Ideen verhindert. Und dabei handelt es sich nicht um übliche Bedenkenträger, sondern um Personen, die das Unternehmen angestellt hat, um Innovationen zu fördern.

Angst vor Machtverlust

Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter deutscher Unternehmen befürchten einen Machtverlust durch die Umsetzung von Innovationsprojekten. Nur 40 Prozent erwarten einen Machtgewinn. So scheitern in 90 Prozent der Unternehmen die Mehrheit der neuen Ideen an der Hürde Macht.

Auch der Glaube an bestehende Regeln, Gegebenheiten und Denkmuster ist eine Hürde. Viele Ingenieure und Fachexperten sind selten in der Lage, ihren Glauben an die Regeln in ihrem Bereich in Frage zu stellen. Daher herrscht unter den Befragten zu 80 Prozent die Meinung, dass Quereinsteiger innovativer sind als langjährige Experten.
Als weitere Innovations-Verhinderer nannten die Befragten auf Platz vier bis acht: Politik, Bürokratie, Bildungssystem, Datenschutz und finanzielle Umsetzung.

Kein zufälliges Ergebnis

Die Ergebnisse der Studie überraschen Michael Carl, Director Studies & Analysis des 2b Ahead Think Tanks, nicht: „Diese Zahlen mögen zwar unser Vertrauen in die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erschüttern, aber sie sind kein zufälliges Ergebnis.“ Vor allem wenn man sich die Frage stelle, wie deutsche Unternehmen ihre Führungskräfte unterstützen, um wichtige Entscheidungen zu treffen.

„Hier werden an den ersten Stellen Uralt-Konzepte wie Netzwerke (52 Prozent) und Fortbildung (49 Prozent) genannt. Dies zeigt deutlich, dass die Unternehmen noch keine Konzepte für den Wandel der Unternehmenskultur in Zeiten eines starken Veränderungsdrucks haben“, sagt Carl. Er sieht den Schlüssel zur Befähigung der Führungskräfte zu klaren Entscheidungen mit agilen Methoden in den Zeiten der Digitalisierung.

Professor Dr. Thomas Druyen, Bild: ke NEXT/hei
Professor Dr. Thomas Druyen befasst sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die menschliche Psyche. Bild: ke NEXT/hei

Professor Dr. Thomas Druyen, Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, befasst sich seit Jahren mit der „unfassbaren Beschleunigung“ und der Frage, was die Digitalisierung und die Robotik mit der menschlichen Psyche machen. Er sieht vor allem die Angst als Ideenhemmer. Denn der Mensch habe nun sein maximales Wissen angesammelt und lebe daher im wissenschaftlichen „Schlaraffenland“. Aber durch die unfassbare Beschleunigung ist der Mensch auch überfordert und ängstlich. Er bremst unterbewusst Innovationen aus, weil er die schnellen Veränderungen nicht mehr aushalten kann.

„Allerdings wird das Warten auf die Folgen des Wartens für die meisten in einer Katastrophe enden. Die technische und exponentielle Beschleunigung verzeiht wohl keine verständnisorientierten und emotionalen Verschnaufpausen. Vor diesem Hintergrund führt das Phänomen der Angst in eine nachteilige und unausweichliche Sackgasse“, sagt Druyen. Die Probleme würden zu groß werden, wie bei einem „Wasserrohrbruch“ wäre man mit dem Krisenmanagement überflutet und komme immer zu spät. Daher sei für den Experten ein lebenslanges Lernen und Ausprobieren entscheidend: „Das Verständnis, guter wissenschaftlicher und spiritueller Lehrer, immer auch Schüler zu bleiben, ist bei den meisten Entscheidungsträgern noch nicht angekommen. Bei aller Unvorhersehbarkeit bleibt eins ungewiss, Arroganz kann Weisheit oder besser Souveränität nicht ersetzen.“

So müssten die deutschen Unternehmen nun eine „Kultur des Scheiterns“ aufbauen, um kreative Ideen nicht auszubremsen. Denn, so gibt Druyen zu bedenken, die zutreffendsten Prognosen für die Zukunft hätten nicht Wissenschaftler gemacht, sondern SciFi-Autoren wie etwa Jules Verne. Und das, weil sie ohne Hemmnisse ihren Ideen gefolgt sind.