Work-Life-Balance, Bild: © Pathfinder - Fotolia.com

Arbeiter sind nicht zu 100 Prozent acht Stunden am Tag für ihre Arbeit da. Denn Beruf und Privatleben lassen sich nicht trennen. Vielmehr muss der Mensch als Ganzes wahrgenommen und auf seine Bedürfnisse eingegangen werden. Bild: © Pathfinder - Fotolia.com

Was früher unter Scientific Management versucht wurde, nämlich Menschen dazu zu bringen wie Maschinen zu funktionieren, ist längst überholt. Menschen sind nicht planbar und wollen es auch gar nicht sein. Sie bringen ihr Leben und ihre Persönlichkeit mit an den Arbeitsplatz – mit mannigfaltigen Herausforderungen für Führungskräfte. So mancher Vorgesetzte würde sich wünschen, dass es die viel zitierte Work-Life-Balance wirklich gäbe, der Mitarbeiter acht Stunden zu einhundert Prozent und mit jeder Faser seines Geistes bei der Arbeit ist und er dann, wenn diese Arbeit verrichtet ist, machen kann, was er möchte. Nur leider ist Work-Life-Balance ein Mythos.

Der Gedanke, dass die Arbeit nicht zum Leben gehört, ist genauso absurd wie eine Trennung dieser beiden Lebensbereiche. Der Mensch bleibt Mensch, möchte in jeder Beziehung und zu jeder Zeit selbstbestimmt sein und einen Sinn in dem sehen, was er tut. Einzelne Lebensbereiche abzukoppeln ist unmöglich. Und darauf muss moderne Führung reagieren.

Führungskräfte müssen erkennen, dass jede Entscheidung Einfluss auf die Mitarbeiter hat – privat und beruflich. Doch eine Führungskraft, die derart holistisch denkt und handelt, verlangt dann auch, dass jeder Mitarbeiter seine ganze Persönlichkeit in das Unternehmen einbringt – nicht nur die fachliche Kompetenz und seine Arbeitszeit, sondern auch die Persönlichkeit, den Charakter und das volle Engagement. Auch das zu Recht! So werden Menschen Maschinen überlegen, können auch kreative und sinnstiftende Elemente in die Arbeitswelt einbringen, wo Maschinen nur stupide abarbeiten.

Kreativität bedeutet Überlegenheit

In der Kreativität drückt sich die Überlegenheit aus. Deswegen ist es wichtig, den Wunsch nach Selbstbestimmung und Individualität in den Unternehmen als Kultur zu etablieren – bei Führungskräften und bei Mitarbeitern. Wer selbstbestimmt ist, kann nicht nur leisten, er will es auch. Wer selbstbestimmt denkt und handelt, will zu jeder Zeit etwas für die eigene Weiterentwicklung und die eigene Persönlichkeit tun. Ein hoher Anspruch, den Unternehmen und Führungskräfte erstmal erfüllen müssen. Entscheidungen und Maßnahmen werden so vielschichtiger, der Grad der Verantwortung steigt.

Der Kultur der Selbstbestimmung folgt die Kultur der Verantwortung, die in all ihrer Komplexität betrachtet und vor allem wahrgenommen werden muss – eine Verantwortung, die wenn sie ernstgenommen wird, auch keine Einbahnstraße ist. So wie der Vorgesetzte Verantwortung für die optimalen Arbeitsbedingungen zu tragen hat und auch, dass die privaten Themen und Bedürfnisse der Mitarbeiter nicht zu kurz kommen, kann er auch erwarten, dass der Mitarbeiter Verantwortung für seine Aufgaben übernimmt. In einer Kultur der Selbstbestimmung darf sogar mehr gefordert werden.

Verantwortung heißt auch, für die eigenen Ergebnisse gerade zu stehen. Verantwortung kann nicht delegiert werden, nur Tätigkeiten und Maßnahmen können es. Und so darf sich dann auch keiner freisprechen von seinen Fehlern, Versäumnissen und von eventueller Minderleistung.

Geld gegen Arbeit

Der alte Deal „Geld gegen Arbeit“ gilt noch immer – auch in einer Selbstbestimmungs- und Verantwortungskultur. Allerdings sollte der Begriff „Arbeit“ durch die Begriffe „Leistung“ und „Ergebnis“ ersetzt werden. Denn reine Arbeitszeit stellt keinen Wert mehr dar. Es kommt nicht mehr darauf an, wie jemand etwas erreicht hat und wie lange er dafür gebraucht hat, sondern nur auf das Resultat. Wer selbstbestimmt arbeitet, darf auch die Ergebnisverantwortung übernehmen. Es geht um Ergebnisse und ein Commitment zur eigenen Leistung. Im Gegenzug dürfen Führungskräfte ihren Mitarbeitern auch die Verantwortung für die erzielten Ergebnisse und Leistungen nicht mehr abnehmen. Das würde sie entmündigen und wäre das Gegenteil von Selbstbestimmung.

Was zur nächsten Facette führt: Mut. Es braucht in einer solchen Kultur den Mut des Entscheiders, klare Ansagen zu machen, die gewünschten Ergebnisse klar zu benennen und zu beschreiben. Und den Mut zu rügen, wenn die Ergebnisse nicht erbracht werden. Wer selbstbestimmt und selbstverantwortlich handelt, muss auch den notwendigen Einsatz für das Resultat bringen. Fehlen dafür Ressourcen, muss er sie eben einfordern, ebenfalls selbstbewusst und mutig.

Arbeitsergebnisse sind das Ergebnis aus Geben und Nehmen. Die Führungskraft trägt die Verantwortung dafür, dass der Mitarbeiter optimal arbeiten und damit das Ziel erreichen kann; der Mitarbeiter hat die Pflicht, die Verantwortung der Zielerreichung. In diesem Sinne ist eine Selbstbestimmungskultur auch das Ende des Kuschelkurses zwischen Führung und Mitarbeitern. Klare Ansagen und deutliche Forderungen von beiden Seiten sind wichtig. Mut zur Meinung, Mut zur Ergebnisverantwortung und Mut, sich das eigene Arbeitsumfeld zu gestalten, machen starke Arbeitnehmer aus.