Roboterarm mit Menschenschädel, Bild: © Mopic- Fotolia.com

Was passiert mit dem Menschen in der Digitalen Transformation? Daran denken viele wie die Design Thinking Gilde nicht. Roboterarm mit Menschenschädel, Bild: © Mopic- Fotolia.com

Anfang November 2016 wurde in Berlin die erste "Design at Business Conference" mit dem Titel: "How To Humanize The Digital Transformation?" abgehalten. Die zentrale Frage ist: Wo bleibt der Mensch?

Gründer des "Network Design at Business" ist SAP. Mit-Initiatoren der Konferenz sind laut Einladung "große, weltweit agierende Unternehmen der Community Design at Business, wie Microsoft, Philips, Daimler, Deutsche Bank, IDEO, Procter & Gamble". Sie alle wenden die Design Thinking Methode an.

Ein Zitat aus der Einladung:

"Design at Business is a network that brings together design minded change agents, intrapreneurs and innovators from large enterprises across the globe. Our mission is to scale a design-led innovation culture."

Der Mensch wurde vergessen

Ziel der Design at Business-Konferenz ist es, Erfahrungen weiterzugeben. Gleichzeitig versteht man sich als Treiber einer nachhaltigen design-geführten Innovationskultur, die menschen-zentriert ist und Soziologie und Ethik in die Technologie einfließen lässt.

Stellen die Vorreiter sich nun selbstkritisch die Frage nach der Menschlichkeit? Oder sind es mahnende Worte an die Anderen, die nicht "Design Thinking minded" sind? Oder ist es eine geschickte Marketing-Maßnahme?

Für mich hat die Design Thinking Community, die sich öffentlich zeigt, immer ein 'Geschmäckle' von elitär, frei nach dem IT-Motto der 1980er Jahre: Wissensvorsprung ist Macht und diese Macht macht unentbehrlich!

Wo bleibt da der Spirit der Internet-Community, des Neuen? Man spricht als Unternehmen über den Geist des Teilens und man teilt Wissen auf Konferenzen, aber wie ehrlich ist das und wie weit geht es?

Ist es ein spätes Aha-Bekenntnis?

Vielleicht war diese Konferenz ein spätes, aber nicht zu spätes, etwas selbstkritisches Aha-Bekenntnis: Der Mensch stand nur im Zentrum, weil es Vorteile brachte und nicht weil es wirklich um die Menschen ging.

Vor lauter Begeisterung über das "Wir entwickeln Produkte, deren Bedürfnisse der Kunde überhaupt noch nicht hat, aber haben wird!", wurden da die Menschen vergessen? Zumindest jene, die nicht zu den exklusiven, gut und kostenintensiv geschulten Innovations-Teams in kreativ-angenehmer Atmosphäre gehören?

Aktuell scheitert mit Samsung und seinem Galaxy 7 ein höchst innovatives Unternehmen. Etwa auch an dieser Haltung? Der Hype war erzeugt, aber das Produkt wirkte gegen die Menschen, es brannte.

Dieses Beispiel zeigt, dass etwas Entscheidendes fehlt: die Haltung, den Anwender wirklich in den Fokus rücken zu wollen. Nicht nur seine Begierde zu wecken und die eigene Position als Marktführer auszubauen.

Es fehlt der Geist der Künstler

Mir scheint, dass den design minded-Unternehmen und design minded Change Agents noch die wirkliche künstlerische Haltung fehlt. Die Motivation des Künstlers entspringt seinem Sein, einer tiefen Haltung und Überzeugung.

Über eine notwendige neue Sichtweise für die neue Arbeitswelt habe ich im Rahmen meiner Kolumnen 'Vorbereiten auf Agiles Arbeiten' geschrieben und vergleichend die Haltung der Künstler herangezogen und empfohlen. In diesem Zusammenhang habe ich zusätzlich die Anlehnung an die Regeln und Prinzipien des Design Thinking vorgeschlagen, weil das nach meiner Meinung die künstlerische Denk- und Handlungsweise besser greifbar macht und fördert.

Dieser Meinung bin ich auch jetzt noch, aber nun frage ich mich, ob die Design Thinking Community nicht vielleicht zu wenig vom künstlerischen Geist in die Anwendung der Design-Thinking-Methode einfließen lässt? Es geht um eine Grundhaltung freier Künstler und die ist eben nicht durch eine technokratische Beschreibung vermittelbar. Ein Künstler ist nicht auf ein Problem fokussiert, sondern auf die Lösung und er ist handlungsorientiert.