Zahnräder, Bild: © everythingpossible - Fotolia.com

Mit der richtigen Strategie können Unternehmen sozial agieren und ihre Wettbewerbsstärke verbessern. Bild: © everythingpossible - Fotolia.com

Unternehmertum ist in Deutschland aus vielen Gründen schlecht angesehen. Das hat eine lange Tradition. Es beginnt bei den Schul- und Kinderbüchern, in denen häufig der Bösewicht ein Unternehmer ist oder zumindest als unangenehme, unsympathische Person beschrieben wird.

So wie in Paul Maars „Eine Woche voller Samstage“. Dort ist es der Regenschirmfabrikant Herr Oberstein, der den lieben Herrn Taschenbier ständig ärgert und nicht einen positiven Charakterzug besitzt. Auch im Kabarett wird getreu der Devise „Ich habe die Arbeit, der Chef hat den Gewinn“, Kapitalismuskritik auf dem Rücken der Unternehmer geübt. Selbst im Tatort-Krimi ist am Ende meist der Unternehmer der Bösewicht.

Marketing, Führung und Unternehmertum

Boris Thomas, Inhaber und Geschäftsführer von Lattoflex, das Unternehmen, das den Lattenrost erfunden hat und heute für rückenschmerzfreies Schlafen steht, erzählt: „Ich halte seit Jahren Vorträge auf den Marketing Information Games MIG über Marketing, Führung und Unternehmertum, initiiert vom Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft. Dort schlüpfen Schüler fünf Tage lang in die Rolle von Vorständen konkurrierender Industriebetriebe. Jeden Tag bekommen sie dazu Vorträge gehalten und sehr viel Input. Das klappt super mit den Schülern, ist zum Teil richtig cool und macht viel Spaß. Die finden das klasse und saugen die Inhalte auf wie ein trockener Schwamm. Die Zusammenarbeit mit den Lehrern ist dagegen eine absolute Katastrophe. Selbst Wirtschaftskundelehrer sind nicht wirklich kooperativ. Die meisten Lehrer kommen allerdings ohnehin nicht in die Vorträge. Die Zusammenarbeit mit Schulen ist oft ein einziges Debakel, auch wenn es sicherlich positive Ausnahmen unter den Schulen und Lehrern gibt.“

Wertewandel nach Jobwechsel in die Führungsetage

Ein weiterer Grund für das negative Image der Unternehmer ist, dass viele Menschen angestellte Geschäftsführer, Manager oder Vorstände großer Konzerne automatisch mit Unternehmern in einen Topf werfen. So fällt vielen bei den großen Skandalen der letzten Jahre, sei es bei Thyssen, Siemens, der Deutschen Bank oder auch VW, die Differenzierung schwer.

Schnell wird pauschalisiert und über die Gier und die Unmoral in den Unternehmen diskutiert. Ein Artikel in der Zeit stellte die Frage: Macht Geld unmoralisch? Und weiter hieß es: „Steuerhinterziehung, Anlagebetrug, Untreue: Wohin man blickt auf den Chefetagen großer deutscher Unternehmen – der Staatsanwalt war schon da. Bilanz eines Werteverlusts.“

Jürgen Schöntauf, Bild: Schöntauf
Autor und Coach Jürgen Schöntauf. Bild: Schöntauf

Bei vielen Unternehmen liegt anscheinend ein generelles Problem vor. Aber pauschale Urteile haben noch nie weitergeholfen, denn es gibt auch in Konzernen verantwortungsvolle Vorstände, Manager und Geschäftsführer. Und doch existieren Unterschiede zwischen inhabergeführten Unternehmen und solchen, die von angestellten Geschäftsführern oder Managern geführt werden.

Dr. Nikolaus Förster, der 2013 den Schritt von der angestellten Führungskraft zum Inhaber der Unternehmerzeitschrift Impulse wagte, sagt, dass man auf jeden Fall besser schläft, wenn man angestellt ist. Denn als Unternehmer trägt man erheblich mehr Verantwortung.

Gerhard Kränzle, der im selben Jahr vom angestellten Geschäftsführer zum Inhaber des Atelier Gardeur in Mönchengladbach wurde, nimmt einen Unterschied in den Perspektiven wahr. Für ihn schafft ein Unternehmer in der Regel langfristig Werte, während Manager meistens eher kurzfristig denken. Ein Problem sei auch, dass Manager oft keine Unternehmensanteile besitzen und mit dieser Sicherheit im Rücken ganz anders handeln als Unternehmer, die jederzeit voll in der Haftung stehen.

Über den Autor

Jürgen Schöntauf ist Experte für die Arbeitswelten von morgen. Sein Thema: Wie müssen sich Unternehmen verändern, um mit den großen gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten? Um nicht den Anschluss zu verpassen, sondern langfristig erfolgreich zu sein?

Seit über 20 Jahren zeigt er Unternehmern und Führungskräften, wie sie sich aus der Abhängigkeit des Marktes befreien und ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Als Mitglied der Wertekommission e.V., der World Future Society und als Future Circle Member des Zukunftsinstituts ist er zutiefst davon überzeugt, dass jedes Unternehmen einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten kann – und muss, um langfristig erfolgreich zu sein.

Provokant, enthusiastisch, mit viel Humor und Selbstironie gibt der gefragte Keynote-Speaker seinem Publikum Orientierung mit der Perspektive auf langfristige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Als Vorausdenker verknüpft er Fakten, Wissen und Prognosen und zeigt, dass die Zukunft besser sein kann als viele Menschen glauben. Wir müssen sie nur gestalten.